Norwegen ist das fünftteuerste Land Europas

Ausgaben für den Haushaltskonsum, 2022. Vorläufige Zahlen. EU27=100¹©Eurostat/SSB

Oslo, 26. Juni 2023. Norwegen war im vergangenen Jahr bezüglich der Preise für den Haushaltskonsum das fünftteuerste Land Europas nach der Schweiz, Island, Irland und Dänemark. Die Konsumausgaben pro Haushalt lagen nach Angaben der Europäischen Kaufkrafterhebung (ec.europa.eu/eurostat) um 43 Prozent über dem Durchschnitt der 27 EU-Länder. 2021 lag Norwegen im Ranking der höchsten Konsumpreise noch auf Platz 3.

Das Preisniveau Islands lag um 59 Prozent über dem EU-Durchschnitt, am teuersten war es jedoch in dem Land, in das wohlhabende Norweger in letzter Zeit strömten: der Schweiz. Dort lagen die Preise sogar um 74 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Irland und Dänemark hatten ein Preisniveau, das dem Norwegens entsprach, und waren die teuersten EU-Länder. Dann folgen Luxemburg, Finnland und Schweden.  

Preisniveau für den Haushaltskonsum, 2022. Vorläufige Zahlen. EU27=100©Eurostat/SSB

Die norwegische Statistikbehörde SSB betrachtet auf seiner Website auch die einzelnen Produkt- und Dienstleistungsgruppen. Danach ist die Produktgruppe „Alkohol und Tabak“ wenig überraschend diejenige, bei der das norwegische Preisniveau mit bis zu 135 Prozent über dem EU-Durchschnitt am höchsten war.  Zwar hatten die Norweger 2022 mit Rekord-Strompreisen zu kämpfen – trotzdem waren Energieprodukte die einzige einzelne Produktgruppe, deren norwegisches Preisniveau unter dem der EU lag. 

Obwohl Norwegen eines der höchsten Preisniveaus in Europa hat, gaben die Haushalte im vergangenen Jahr hohe Summen für den persönlicher Konsum pro Kopf aus. Der preisniveaubereinigte Verbrauch in Norwegen lag im Jahr 2022 26 Prozent über dem EU-Durchschnitt und blieb damit gegenüber dem Vorjahr unverändert. Im Vergleich dazu lag der Verbrauch in Dänemark und Schweden nur rund Prozent über dem Durchschnitt.

Persönlicher Konsum pro Kopf, 2022. Ausgewählte Länder. Vorläufige Zahlen. EU27=100©SSB

Wie SSB schreibt, war der relative Verbrauch in den Hauptgruppen „Bekleidung und Schuhe“, „Verkehr“, „Möbel etc“ sowie „Kultur und Freizeit“ am höchsten. Hier lag das Land mehr als 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt, bei den drei Konsumgruppen „Alkohol und Tabak“, „Post- und Telekommunikationsdienste“ sowie „Hotels und Restaurants“ hingegen darunter.

Die europäische Kaufkrafterhebung dient auch dazu, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Länder in vergleichbare Größen umzurechnen. Im Jahr 2022 war Norwegens Pro-Kopf-BIP erstmals mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der EU. Damit liegt Norwegen allerdings immer noch „nur“ auf dem dritten Platz, hinter Luxemburg und Irland. 

Bezüglich der BIP-Zahlen für Luxemburg und Irland weist SSB darauf hin, dass diese mit Vorsicht interpretiert werden müssen. In Luxemburg bestehe ein großer Teil der Arbeitskräfte des Landes aus ausländischen Pendlern, die in den Nachbarländern wohnen. Sie würden zur Wirtschaft beitragen, seien jedoch nicht in der Bevölkerungszahl enthalten, aus der das Pro-Kopf-BIP berechnet wird.

Irlands hohes BIP sei größtenteils darauf zurückzuführen, dass multinationale Unternehmen ihren Hauptsitz im Land errichten, was vor allem auf die günstigen Steuerbedingungen zurückzuführen sei. Die Einnahmen aus solchen Unternehmen trügen zur Steigerung des nominalen BIP bei, hätten jedoch in vielen Fällen kaum Auswirkungen auf das Wohlfahrtsniveau des Landes. Denn große Teile der Einnahmen der multinationalen Konzerne würden wieder aus dem Land, in dem die Eigentümer ansässig sind, abgeführt.

Auch sei für Norwegen das Wachstum des Pro-Kopf-BIP mit einem Anstieg von fast 27 Prozent beachtlich gewesen, so SSB. Neben Norwegen verzeichnete nur die Türkei von 2021 bis 2022 ein zweistelliges Wachstum. Allerdings hatten nach dem Pandemiejahr 2020 alle 36 der in die Umfrage einbezogenen ein BIP-Wachstum, gemessen in aktuellen nationalen Preisen, zu verzeichnen. Die Tatsache, dass Norwegens BIP in aktuellen nationalen Preisen um mehr als 32 Prozent gestiegen ist, sei auf den höchsten Handelsüberschuss aller Zeiten im Jahr 2022 zurückzuführen, wozu in erster Linie der Export von Erdgas beigetragen hat, aber auch die hohen Preise für Aluminium und Fisch auf dem Weltmarkt sowie die Stromexporte. Auch der immer noch schwache Wechselkurs trägt dazu bei, da er beim Verkauf von Waren und Dienstleistungen in Fremdwährung mehr norwegische Kronen einbringt.

 

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