ENERGY HUB Port of Wilhelmshaven lädt zur Diskussion: Wie kommt man vom MoU zur FID?

Wasserstoff-Projekte in der Region Jade-Weser© ENERGY HUB Port of Wilhelmshaven

Berlin, 10.Mai 2023. Norwegen und Deutschland wollen bis 2030 gemeinsam ein Wasserstoffnetz aufbauen. So steht es in einer Absichtserklärung, die Norwegens Industrieminister Jan Christian Vestre und Robert Habeck, deutscher Wirtschafts- und Klimaminister, im Januar dieses Jahres in Oslo unterzeichnet haben. Absichtserklärungen zur deutsch-norwegischen Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff haben inzwischen auch zahlreiche deutsche und norwegische Unternehmen unterzeichnet. Investitionsentscheidungen zu all den Wasserstoff-Projekten aber gibt es jedoch noch nicht. Die Zeit drängt. Der ENERGY HUB Port of Wilhelmshaven lud am 10. Mai zu einem Treffen mit Parlamentariern in die Vertretung des Landes Niedersachsen ein, um die Dringlichkeit des Aufbaus einer Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland zu demonstrieren und Vorschläge zu präsentieren, wie aus einem MoU Memorandum of Unterstanding eine Investitionsentscheidung FDI werden kann. 

Der Hafen Wilhelmshaven ist einer der wichtigsten Standorte für die Energieversorgung Deutschlands. Hierhin wird das flüssige Erdgas aus Norwegen geliefert, hier soll künftig die Wasserstoff-Pipeline aus Norwegen landen und die Pipeline für den Transport von Kohlendioxid nach Norwegen starten. 32 Unternehmen der Region sowie Institutionen haben sich zu einem Netzwerk ENERGY-Hub Port of Wilhelmshaven zusammengeschlossen, um die Region im Norden Deutschlands zu einem Energie-Hub für ganz Europa zu machen. Diese Vereinigung geht davon aus, dass bis zu 60 Prozent der deutschen Wasserstoff-Versorgung 2030 über die Jade-Weser-Region laufen werden. 20 Wasserstoff-Projekte sind in der Region angesiedelt. Nun braucht es die Leitungen, um den Wasserstoff dorthin zu transportieren, wo er gebraucht wird – nach Süd und West und Ost. 

Mitglieder des ENERGY HUB Port of Wilhelmshaven.

Spätestens 2027 muss eine H2-Leitungsinfrastruktur existieren, zumindest ein Kernnetz, damit Wasserstoff die erwartete Wirkung entfalten kann, nämlich die Reduzierung der Emissionen.  “Wir müssen anfangen zu bauen”, erklärten die Netzbetreiber denn auch den anwesenden Politikern. Wenn ab 2030 über eine Pipeline Wasserstoff aus Norwegen nach Deutschland kommt, muss dieser ins Hinterland transportiert werden – zu den Unternehmen.

Bisher, so gestehen die Netzbetreiber, wissen sie nicht, wie die Moleküle zu den Kunden kommen. Die Bestandsinfrastruktur wird zum größten Teil weiter für Erdgas benötigt. Ja, man könne auch bestehende Pipelines umwidmen. Das werde auch das vorrangige Ziel sein. Konkret wären dafür zwei Leitungen geeignet. Damit könnte eine Kapazität von acht GW erreicht werden. Aber auch Neubau sei notwendig, wenn die Transportkapazitäten von 12 bis 24 GW, so die Schätzungen der Experten, geschaffen werden sollen. 

Boris Richter, Geschäftsführer der Storag Etzel ENERGY GmbH, präsentierte den anwesenden Politikern Siemtje Möller, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung mit dem Wahlkreis Wilhelmshaven, und Olaf Lies, niedersächsischer Minister Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, konkrete Vorschläge, wo politische Unterstützung notwendig ist, damit die Fernleitungsnetzbetreiber mit dem Aufbau der Infrastruktur beginnen können.

Um aus einem Projekt ein Leitungsnetz oder eine Fabrik zu machen, brauchen die Unternehmen ein H2-Beschleunigungsgesetz nach dem Vorbild des LNG-Beschleunigungsgesetzes, schnellere Genehmigungsprozesse und eine Aussetzung der Notwendigkeit von EU-weiten Ausschreibungen. Sie wollen keine Fördergelder, aber eine politische Risikoabdeckung. Außerdem brauchen die Unternehmen ein Modell, das es ermöglicht, die Kosten nicht auf die ersten Kunden umzulegen. Schließlich sind die Herstellung, der Transport und der Einsatz von Wasserstoff noch kein tragfähiges Geschäftsmodell. Wasserstoff ist Neuland. Eine Risikoabschätzung ist schwierig – die Unternehmen können bei dem Aufbau der Infrastruktur nicht allein die Zeche zahlen, wenn sich vielleicht doch andere Technologien durchsetzen. 

Wirtschaftsminister Lies sieht in der Risikoabsicherung eine gute Methode, um die Unternehmen beim Aufbau einer H2-Infrastruktur zu unterstützen. Schließlich hat er großes Interesse daran, dass sich seine Region zu einer Energie-Drehscheibe für Europa entwickelt. Er weiß aber auch, dass es mit einer Risikoabdeckung Probleme mit dem Haushaltsrecht gibt. Er verspricht aber, über eine Lösung nachzudenken.

Die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller mahnt an, beim Ausbau der Infrastruktur die Bevölkerung mitzunehmen. Die Gemeinden müssten davon profitieren, wenn die Vorgärten umgegraben werden sollen. 

Oliver Grundmann, Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU), goss Wasser in den Wein. Die Prozesse in Deutschland müssten vereinfacht werden. Das LNG-Beschleunigungsgesetz sei gut gewesen. In anderen Bereichen komme man in der Gesetzgebung nicht vorwärts, beispielsweise beim Export von CCS. 

Die Diskussion zum Frühstück wurde nicht zum ersten Mal geführt. Bei jeder Gelegenheit lässt die Wirtschaft die Politik wissen, welche Rahmenbedingungen vorliegen müssen, damit die Unternehmen eine Investitionsentscheidung treffen können. So äußerten sich einige Teilnehmer auch etwas genervt. ”Wir müssen aufhören zu diskutieren. Lassen Sie uns einfach beginnen.” Und zwar noch in diesem Jahr.

Jutta Falkner

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