Nach Ausstieg aus Russland – Norwegen jetzt größter Produktionsstandort für Wintershall Dea

Bedeutende Projektfortschritte beim Kohlenstoffmanagement und Wasserstoff-Geschäft

Jahrespressegespräch der Wintershall Dea, v.l.: Michael Sasse, Head of Corporate Communications and Government Relations, CEO Mario Mehren und CFO Paul Smith©Screenshot/Wintershall Dea

Kassel, 23. Februar 2023. Norwegen ist für Wintershall Dea nach dem Rückzug aus Russland jetzt der größte Produktionsstandort für Öl- und Gas, vor Argentinien und Ägypten. Norwegen sei schon immer ein wichtiger Partner für das Unternehmen gewesen, erklärte CEO Mario Mehren auf der Jahrespressekonferenz. 75 Prozent der weltweiten Investitionen des Unternehmens sind in den vergangenen Jahren nach Norwegen geflossen. Wie Mehren erklärte, habe Wintershall Dea einen Teil seines Free Cash Flow, der in Russland generiert wurde, genutzt, um ein bedeutendes Business in Norwegen aufzubauen. 

2022 war für das Unternehmen ein außerordentlich erfolgreiches Explorationsjahr in Norwegen. Es war an Öl- und Gasfunden mit einem geschätzten förderbaren Bruttovolumen von insgesamt 88 bis 286 Millionen Barrel Öläquivalent (boe) beteiligt.

Neben dem Öl- und Gasgeschäft engagiert sich Wintershall Dea in Norwegen im Bereich Carbon Capture Storage. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen seine neue Strategie vorgestellt. Neben der Förderung von Öl und Gas soll Carbon Management ein zweites Standbein werden. „Unser Ziel ist es, ein Kohlenstoffmanagement- und Wasserstoff-Geschäft aufzubauen, mit dem wir potenziell 20 bis 30 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr bis 2040 einsparen können. Das entspricht 60 Prozent der CO2-Emissionen der großen deutschen Stahlindustrie“, erklärte Mehren.

Diese beiden strategischen Prioritäten seien im vergangenen Jahr durch bedeutende Projektfortschritte untermauert worden. So erhielten Wintershall Dea Norge AS und das norwegische Energie-Infrastrukturunternehmen CapeOmega ASA im Oktober vergangenen Jahres vom norwegischen Ministerium für Erdöl und Energie eine CO2-Speicherlizenz für das Luna-Feld in der norwegischen Nordsee. Wintershall Dea ist mit einem Anteil von 60 Prozent Betriebsführer der Luna-Lizenz. 

In Wilhelmshaven plant das Unternehmen den Bau des CO2-Hubs CO2nnectNow, um die Einspeicherung und den Transport von Kohlendioxid zu ermöglichen.

Im August unterzeichnete Wintershall Dea eine Kooperationsvereinbarung mit dem norwegischen Energiekonzern Equinor, um die Entwicklung einer CCS-Wertschöpfungskette voranzutreiben, die kontinentaleuropäische CO2-Emittenten mit Offshore-Speicherstätten auf dem norwegischen Festlandsockel verbindet. ”Mit Equinor untersuchen wir die gesamte CCS-Wertschöpfungskette und schauen auf die Machbarkeit einer Pipeline zwischen Deutschland und Norwegen zum Transport von CO2. Im Bereich Pipelinebau besitzt Wintershall Dea große Kompetenzen“, so Mehren.

In Dänemark ist Wintershall Dea an dem Konsortiums Project Greensand beteiligt. In den nächsten Tagen soll hier im Rahmen der Pilotphase die erste CO2-Injektion erfolgen.

Insgesamt verfolgte Wintershall Dea 15 CCS-Projekte, neben Nordeuropa auch im Mittleren Osten und in Nordafrika. Es gebe viele Projekte, erklärte Mehren. Carbon Management sei ein relativ neuer Sektor, der große Investitionen erfordere. Wintershall Dea identifiziere Projekte und nehme an den Lizenzrunden zur Vergabe von Speicherkapazitäten für CO2 teil. Bezüglich Kunden und Partnern für dieses Geschäft würde das Unternehmen Neuland betreten. “Wir haben es hier mit anderen Partnern zu tun als gewöhnlich – nämlich mit Unternehmen der Stahl-, Zement- und der chemischen Industrie.“

Zur Reduzierung der eigenen CO2-Emissionen hat sich Wintershall Dea das Ziel gesetzt, bis 2030 Null-Zero zu erreichen. Als Zwischenziel sollen die Emissionen bis 2025 um 25 Prozent gegenüber 2020 gesenkt werden. Wie Mehren mitteilte, seien die Emissionen im Jahr 2021 leider gewachsen. Konkrete Zahlen kündigte er für den März an, wenn der Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht wird.

Das Unternehmen musste im vergangenen Jahr insbesondere im Zusammenhang mit seinen russischen Aktivitäten einmalige, nicht zahlungswirksame Verluste in Höhe von sieben Milliarden Euro hinnehmen. Dennoch bleibe Wintershall Dea „stark und stabil“, sagte Mehren. Dies sei – trotz des sehr schwierigen Umfelds im vergangenen Jahr – das Ergebnis einer starken Performance des Unternehmens und des Rohstoffpreisumfelds. Wintershall Dea schloss das Jahr 2022 mit einem EBITDAX (ohne das Segment Russland) von 5,9 Milliarden Euro und einem bereinigten Nettoergebnis von 0,9 Milliarden Euro (ebenfalls ohne das Segment Russland) ab.

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