Zukunft Erdgas e.V.: Bei Erdgasimporten nicht alles auf Norwegen setzen

EWI-Studie: Entwicklung der EU Gasimporte 2030 ohne russisches Gas/ USA werden der wichtigste Handelspartner©Branchenverband Erdgas e.V. /Screenshot

Berlin, 13. Februar 2023. Die USA werden 2030 der größte Lieferant von Erdgas nach Europa sein. In seiner Jahresbilanz stellte der Branchenverband Zukunft Erdgas e.V. am 13. Februar unter anderem eine vom Verband in Auftrag gegebenen Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität zu Köln (EWI) „Entwicklungen der globalen Gasmärkte bis 2030 – Szenarienbetrachtung eines beschränkten Handels mit Russland“ vor. Demnach wird die EU 2030 über 170 bcm Erdgas aus den USA importieren. Der Import von Erdgas aus Norwegen wird nach Angaben des EWI gegenüber 2021 auf unter 120 bcm leicht sinken. Im vergangenen Jahr lieferten die USA 15,2 Prozent der EU-Erdgasimporte, Norwegen 30,8 Prozent. Die größte Substitution russischen Gases, das im 3. Quartal 2022 nur noch einen Anteil von 15 Prozent an den EU-Gasimporten hatte, erfolgte mit Gasmengen aus den USA.

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Norwegen habe die russischen Lieferungen nicht vollständig kompensieren können, sagte Gregor Pett, Chefanalyst bei Uniper. Aber das Land habe große Anstrengungen unternommen, Europas Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Allerdings könne man künftig nicht alles auf Norwegen setzen, denn die geopolitischen Unsicherheiten sowie normale Wartungsprozesse erforderten eine Diversifizierung der Lieferungen. Wie viel zusätzliches CO2 durch die Lieferung von mehr LNG und weniger pipelinegebundenen Importen emittiert werde, hänge von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Herstellungsmethode des Flüssiggases, der Lage der Terminals und der Ausrüstung der Schiffe, so Pett. Er unterstrich, dass auch Norwegen über entsprechende LNG-Kapazitäten verfüge und die Herstellung dort umweltfreundlicher sei als in anderen Ländern.

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Insgesamt hat sich die Gaswirtschaft im vergangenen Jahr den Herausforderungen erfolgreich gestellt, heißt es in der Jahresbilanz. Erdgas hat 2022 seine bedeutende Rolle im deutschen Energiemix beibehalten. Im vergangenen Jahr lieferte Erdgas 23,8 Prozent der in Deutschland verbrauchten Primärenergie. Damit ist der Anteil zwar im Vergleich zum Vorjahr (26,7 Prozent) zurückgegangen, Erdgas bleibe aber die zweitwichtigste Säule der Energieversorgung. Auch im Strombereich spielt Erdgas eine wichtige Rolle und steht für 13,3 Prozent Anteil an der Bruttostromerzeugung. Insgesamt ging der Erdgasverbrauch (minus 13,6 Prozent) deutlich stärker zurück als der Primärenergieverbrauch (minus 5 Prozent). Für Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, ist dies Ausdruck dafür, dass Wirtschaft und Gesellschaft die erforderlichen Einsparnisse durch die Energiekrise ernst genommen haben.

Für 2023 fordert Kehler, die hohe Geschwindigkeit beim Ausbau einer resilienten Infrastruktur beizubehalten und die Transformation der Branche hin zur Wasserstoffwirtschaft im Fokus zu behalten.

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