Hohe Gaspreise führten 2022 zu historisch hohen Exporten – Deutschland größter Exportmarkt Norwegens

Entwicklung der Importe, Exporte, der Festlandexporte und der Handelsbilanz seit 2023©SSB

Oslo, 16. Januar 2023. Norwegen exportierte nach Angaben der norwegischen Statistikbehörde SSB im vergangenen Jahr Waren für 2.600,6 Milliarden NOK – 87,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Importe betrugen 1.027 Milliarden NOK. Daraus ergibt sich ein Handelsüberschuss von 1.574 Milliarden NOK – etwa dreimal so viel wie 2021. Grund für das extreme Wachstum waren die gestiegenen Preise für Erdgas, andere Rohstoffe und Lachs. Erdgasexporte machten 52,1 Prozent der Gesamtexporte 2022 aus. Da das Erdgas zu großen Teilen nach Deutschland geliefert wurde, avancierte Deutschland 2022 zum größten Exportmarkt Norwegens. Diese Position hatte 2021 das Vereinigte Königreich mit einem Anteil an den norwegischen Gesamtexporten von 20,5 Prozent vor Deutschland mit 19,2 Prozent inne. In vergangenen Jahr gingen 27,8 Prozent aller norwegischen Lieferungen nach Deutschland und 21,3 Prozent nach Großbritannien.

„Um die Exporte in einen Zusammenhang zu bringen: Sie machten 20 Prozent des norwegischen Ölfonds aus, der heute auf über 13.000 Milliarden NOK geschätzt wird“, erklärt Therese Vestre, Abteilungsleiterin für Außenhandelsstatistik.

Die Erdgasexporte haben sich seit 2021 fast verdreifacht und erreichten 2022 1.357 Milliarden NOK. Die Rohölexporte stiegen um 54,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während Exporte vom Festland, also Exporte ohne die Öl- und Gasindustrie und den Bau von Plattformen, um 25,9 Prozent auf 683 Milliarden NOK zulegten. 

Exporte von Rohöl und Erdgas nach Jahren

©SSB

Erdgas machte 2022 mehr als die Hälfte der Gesamtexporte aus. 117,7 Milliarden Normkubikmeter gasförmiges Erdgas wurden 2022 exportiert, ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2021. Das ist das zweithöchste Exportvolumen nach dem Rekordjahr 2017.

Der Exportwert von Rohöl betrug 2022 548,7 Milliarden NOK – eine Steigerung von 54,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Durchschnittspreis lag bei 965 NOK pro Barrel, 360 NOK mehr als 2021. Im Jahr 2022 hat sich der Ölpreis stark verändert, unter anderem als Folge unsicherer Märkte und der Abschwächung der norwegischen Krone gegenüber dem US-Dollar. Die Zahl der exportierten Barrel Rohöl ging 2022 um 3,0 Prozent auf 568,5 Millionen Barrel zurück.

Waren vom Festland im Wert von 683 Milliarden NOK wurden 2022 exportiert, ein Wachstum von 25 Prozent gegenüber 2021.  

Norwegen exportierte 2022 Metalle im Wert von 115,4 Milliarden NOK, eine Steigerung von 32,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfielen 59 Milliarden auf Aluminium. Auch die gestiegenen Aluminiumexporte sind auf deutlich höhere Preise im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 zurückzuführen.

Exporte von Fisch, Metallen, Maschinen, raffinierten Mineralölprodukten und Strom

2022 wurde Strom im Wert von 45 Milliarden NOK außer Landes geleitet. Damit verdoppelte sich der Exportwert für Strom gegenüber 2021. Die Liefermenge blieb mit 26 Terawattstunden Strom etwa gleich. Damit gingen etwa 17 Prozent der norwegischen Strom-Produktion ins Ausland.

Über die Stromkabel in die Nachbarländer importierte Norwegen Strom im Wert von 22,1 Milliarden NOK, mehr als viermal so viel wie im Vorjahr.  Auch das importierte Volumen stieg und betrug 13 Terawattstunden, was über 60 Prozent mehr ist als im Jahr 2021.

Mineralölprodukte wie Benzin und Diesel gehörten auch im vergangenen Jahr zu den wichtigsten Handelsprodukten Norwegens. Die Exporte erreichten einen Wert von 72,0 Mrd. NOK, 32,3 Prozent mehr als im Jahr 2021. Auf der Importseite wurden gleichwertige Produkte im Wert von 68,0 Mrd. NOK eingeführt

Der Wert der Fischexporte erreichte 2022 ein Rekordhoch von 146,6 Milliarden NOK, 25,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Wertzuwachs wird durch hohe Preise infolge der stark wachsenden Nachfrage nach norwegischen Meeresfrüchten getrieben. Allein Lachs macht rund 70 Prozent der Fischexporte aus. Frischer ganzer Lachs steht auf Platz eins im Ranking der Fischexporte, gefolgt von Kabeljau, Makrele, Hering und Forelle. Der Exportwert von Lachs betrug 78,3 Milliarden NOK. Trotz der höheren Einnahmen wurde Jahr 2022 in Norwegen weniger Fisch gefangen und verarbeitet – die Gesamtmenge ging um 4,2 Prozent auf 2,6 Millionen Tonnen zurück.

Im Jahr 2022 wurden Personenkraftwagen im Wert von 83,8 Milliarden NOK importiert, eine Steigerung von 16,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil der Autoimporte bestand aus Elektroautos mit einem Importwert von 67,6 Milliarden NOK, was einer Steigerung von über 40 Prozent gegenüber 2021 entspricht.

Maschinen und Transportmittel standen 2022 auf Platz eins der am meisten importierten Waren.

Die großen Veränderungen der Exportpreise brachte auch das Ranking der Handelspartner durcheinander. Deutschland war 2022 das wichtigste Exportland für Norwegen. Fast ein Drittel der gesamten norwegischen Exports gingen nach Deutschland. Das Exportvolumen nach Deutschland betrug 726 Mrd. NOK. Damit verwies Deutschland den bisherigen wichtigsten Abnehmer norwegischer Waren, Großbritannien (555 Mrd. NOK), auf Platz zwei und Frankreich (244 Mrd. NOK) auf Platz drei.

Öl und Gas waren wie in den vergangenen Jahren auch mit Abstand die wichtigsten Exportwaren nach Deutschland. 621 Mrd. NOK entfielen allein auf Erdgas. Das sind 85 Prozent des Liefervolumens. Norwegen war 2022 Deutschlands wichtigster Gaslieferant . Das Land deckte 33 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Insgesamt wurden im Jahr 2022 1.449 TWh (2021: 1.652 TWh) Erdgas nach Deutschland importiert, davon 22 Prozent (2021: 52 %) aus Russland. Die Gaslieferungen aus Russland sind im Jahresverlauf zurückgegangen. Bis Mitte Juni wurden täglich rund 1,7 TWh über Nord Stream 1 geliefert, ab September stoppten die Lieferungen. Die ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland konnten teilweise durch zusätzliche Importe, unter anderem über die Niederlande, Belgien und aus Norwegen kompensiert werden.

Der Export von norwegischem Erdgas in Rohren nach Europa betrug 2022 bei 1 16,9 BCM*, nahe dem Rekordjahr 2017 ( 117,4 BCM). Deutschland hat im vergangenen Jahr nach Angaben des Betreibers der norwegischen Gaspipelines Gassco 54,8 Milliarden Kubikmeter Gas bezogen. Die Energiemenge entspricht mehr als dem Vierfachen der norwegischen jährlichen Wasserkraftproduktion und ist eine Steigerung von elf Prozent im Vergleich zu 2021.   

Norwegische Gaslieferungen nach Ländern

*Lieferungen von Erdgas über das Pipeline-Transportnetz. Erdgas aus Norwegen wird zusätzlich als LNG per Schiff angeliefert . * * ungefähre TWh in Klammern©Gassco
 

„Diese Zahlen zeigen den Stellenwert Norwegens für Deutschland“, sagt Michael Kern, Geschäftsführer der AHK Norwegen. Und Norwegen wird wichtig bleiben: „Die beiden Länder streben eine enge Energiepartnerschaft außerhalb von Öl und Gas an. Diese basiert vorwiegend auf Windkraft, Wasserstoff und CCS.“ Unter anderem auf diesen Bereichen baue Norwegen sein künftiges Geschäftsmodell auf – und Deutschland werde darin eine ausgesprochen wichtige Rolle spielen.

Bei den norwegischen Importen stieß Schweden China vom Thron und eroberte 2022 wieder Platz eins der wichtigsten Lieferanten. Aus Schweden kamen 12,6 Prozent der norwegischen Importe, aus China 12,2 Prozent.

Eine Steigerung gab es 2022 auch bei den deutschen Lieferungen nach Norwegen. Das skandinavische Land hat 2022 Waren im Wert von rund 117 Mrd. NOK aus Deutschland importiert. Damit belegt Deutschland hinter Schweden und China unverändert den dritten Platz in der Liste der größten Lieferländer.

Finden Sie hier die Statistik zum Außenhandel mit Waren und Ländern.

Finden Sie hier eine Übersicht über das norwegische Pipeline-System von Gassco.

Finden Sie hier eine Karte des Gas-Transportsystems von Gassco.

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