Wintershall Dea: Deutschland soll Transport von CO2 ins Ausland schnellstmöglich genehmigen

Heidelberg Materials baut derzeit in Brevik die weltweit erste Anlage zur CO2-Abscheidung im industriellen Maßstab in der Zementindustrie. Bei seinem Norwegen-Besuch Anfang Januar informierte sich Wirtschaftsminister Robert Habeck über die CCS-Lösung.©Dag Jenssen/Heidelberg Materials

Berlin, 17. Januar 2023. Deutschland sollte schnellstmöglich die gesetzlichen Hürden für den Transport von Kohlendioxidden beseitigen, damit deutsche Industrieunternehmen abgeschiedenes CO2 zur Lagerung unter dem Meeresboden ins Ausland bringen können. Klaus Langemann, SVP Carbon Management und Hydrogen bei Wintershall Dea, forderte die deutschen Gesetzgeber am 17. Januar auf dem Handelsblatt Energiegipfel in Berlin auf, endlich den geänderten Artikel 6 des London-Protokolls zu ratifizieren und damit die Voraussetzungen für den Transport von CO2 in Nachbarländer zu schaffen. Zudem müssten bilaterale Abkommen mit CO2-Empfängerländern abgeschlossen werden. Dänemark und Belgien haben im Oktober 2022 ein solches Abkommen geschlossen. Diesem Beispiel soll Deutschland folgen, um als Industriestandort wettbewerbsfähig zu bleiben. In einer Pressemitteilung wies Wintershall Dea darauf hin, dass der Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2022 zwar gesunken sei, die Emissionen aber trotzdem gestiegen sind.

Die deutsche Politik hat das Potenzial von CCS mittlerweile erkannt. Im Evaluierungsbericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz des Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium wird darauf hingewiesen, dass die sichere Speicherung von jährlich bis zu 73 Millionen Tonnen CO2 unter dem Meeresboden notwendig ist, um Net Zero bis 2045 zu erreichen. Es bestehen aber derzeit noch rechtliche Hürden, um das Kohlendioxid zu Lagerstätten außerhalb Deutschlands, beispielsweise nach Dänemark und Norwegen, zu transportieren. Den Worten müssten nun Taten folgen, so Langemann auf dem Handelsblatt-Energiegipfel.

In Dänemark soll in den nächsten Wochen zum ersten Mal CO2 im Rahmen des Projects Greensand unterirdisch gespeichert werden. Die Europäische Kommission hat am 12. Januar 2023 nach den EU-Beihilfevorschriften ein dänisches Programm in Höhe von 1,1 Milliarden zur Förderung der Einführung von Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) genehmigt. Wintershall Dea ist Partner des Projects Greensand, bei dem erstmalig auf dem europäischen Kontinent die gesamte Wertschöpfungskette von CCS über Grenzen hinweg zu einer Offshore-Speicherlokation umgesetzt werden soll: CO2 aus Industrieprozessen im belgischen Antwerpen soll nach Dänemark transportiert und ca. 200 Kilometer vor der dänischen Küste unter dem Meeresboden eingelagert werden.

Neben Dänemark verfolgt Wintershall Dea auch CCS-Projekte in Norwegen, wo ebenfalls der Aufbau länderübergreifender CCS-Wertschöpfungsketten im Vordergrund steht. Um diese Projekte auch der deutschen Industrie zugänglich zu machen, plant Wintershall Dea den Bau des CO2-Hub CO2nnectNow in Wilhelmshaven. Nicht vermeidbares CO2 von deutschen Industriestandorten soll abgeschieden und zum geplanten CO2nnectNow-Hub transportiert werden. Von dort soll das CO2 zunächst per Schiff und später per Pipeline von Deutschlands einzigem Tiefwasserseehafen zu geologischen Formationen in der norwegischen und dänischen Nordsee transportiert werden, wo es dauerhaft gelagert werden soll.

Finden Sie hier den Nachhaltigkeitsbericht von Wintershall Dea. 

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