Norwegische Güterbahn Onrail erhält Zuschlag für bisherige Transporte von Green Cargo Norge

Die Rc4 von Onrail mit dem Containerzug von Oslo Alnabru nach Åndalsnes. Ab Februar wird Onrail als Nachfolgerin von Green Cargo Norge auch Güterzüge nach Stavanger, Bergen und Trondheim fahren.©Onrail

Oslo, 16. Januar 2023. Im vergangenen Herbst hat die schwedische Güterbahngesellschaft Green Cargo Norge angekündigt, ihre Tätigkeit Ende Januar 2023 auf dem norwegischen Güterbahnmarkt einzustellen. Als Grund nannte sie die schlechten Rahmenbedingungen für den Schienengüterverkehr in Norwegen, die einen rentablen Betrieb nicht möglich machten. Die von Green Carco in Norwegen betriebenen Verkehre hatten einen Anteils von stolzen 40 Prozent am intermodalen Schienengüterverkehr innerhalb des nordischen Landes. Damit diese jährlich etwa 100.000 Transporte nicht auf die Straße übergehen, wurde innerhalb kurzer Zeit eine – überraschende – Nachfolgelösung getroffen.

Beworben hat sich die staatliche Cargonet sowie die kleine Güterbahn Onrail, die erst 2021 mit einem einzigen Güterzug von Åndalsnes nach Oslo Alnabru ihren Betrieb in Norwegen aufgenommen hat. Zuvor hatten mehrere Güterbahnen diese Strecke aufgegeben, was den Weiterbestand der Raumabanen gefährdet hätte. 

Überraschend hat der Infrastrukturbetreiber Bane Nor nun den gesamten Transportauftrag von Green Cargo Norge an Onrail vergeben. Somit übernimmt diese ab 1. Februar drei tägliche Güterzugpaare zwischen Oslo und Bergen und je ein Zugpaar zwischen Oslo und Stavanger sowie Trondheim – also kurzfristig sechs Zugpaare statt einem Zugpaar wie bisher. Auf einen Schlag wächst das Unternehmen von zehn auf 70 Mitarbeiter, die als geschultes Personal auf den Lokomotiven und in den Terminals sowie in der Administration von der abgewickelten Green Cargo Norge übernommen werden. 

Als schwieriger erweist sich die Bereitstellung der zusätzlich benötigten Lokomotiven. Bisher hat Onrail drei Triebfahrzeuge von der schwedischen Refinance geleast. Im März werden zwei fabrikneue Eurodual-Lokomotiven für den elektrischen und Dieselbetrieb von Stadler Rail erwartet, die über European Loc Pool gemietet werden. 

Die staatliche Cargonet hat den Nachfolgeauftrag für Green Cargo Norge deshalb nicht erhalten, weil nicht erwünscht ist, dass die Gesellschaft nahezu zum Monopolisten in Norwegen wird. Die in Skien beheimatete Grenland Rail hat sich auf Holzzüge von Norwegen nach Schweden spezialisiert. Bisher sind mit der Ofotbanen AS und Cargolink sowie jetzt mit Green Cargo Norge drei Güterbahnen hauptsächlich an der fehlenden Rentabilität gescheitert. Wenn der Staat jedoch mehrere Anbieter im Schienengüterverkehr dauerhaft etablieren möchte, so muss er künftig für diese Unternehmen auch bessere Rahmenbedingungen für einen rentablen Betrieb schaffen. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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