Mehr Personen- und Güterzüge in Norwegen unpünktlich

Die Hauptplatine bei Oslo S. Illustrationsfoto, Bane NOR
Die Anzeigetafel am Hauptbahnhof Oslo S. © Bane NOR

Oslo, 8. Januar 2022. Im Jahr 2022 erreichten 87,8 Prozent der Personenzüge in Norwegen pünktlich ihr Reiseziel. Im Vorjahr fuhren 90,3 Prozent der Personenzüge laut Fahrplan. Bei Güterzügen ging die Pünktlichkeit auf 76,2 Prozent zurück. Zielvorgabe für Personenzüge laut Bane NOR ist es, dass mindestens 90 Prozent der Züge und 80 Prozent der Güterzüge fahrplanmäßig fahren sollen.

„Als Ziel haben wir uns gesetzt, dass mindestens 90 Prozent der Personenzüge und 80 Prozent der Güterzüge fahrplanmäßig sein müssen. Wir entschuldigen uns bei den Reisenden und allen Kunden der Eisenbahn, dass wir unsere Ziele im vergangenen Jahr nicht erreicht haben“, sagt Bane NOR Sverre Kjenne, Executive Vice President für Betrieb und Technologie.

Personenzüge, die innerhalb von 3:59 Minuten am Endbahnhof beziehungsweise am Osloer Hauptbahnhof Oslo S ankommen, gelten als planmäßig. Für Fernverkehrszüge, Güterzüge und Züge, die die Grenze zwischen Norwegen und Schweden überqueren, beträgt die Pünktlichkeitsspanne 5:59 Minuten. Die Regelmäßigkeit des Zugverkehrs, das heißt Zugverkehr ohne Ausfall, betrug im Jahr 2022 95,1 Prozent, was unter dem Zielwert von 97 Prozent liegt.

Für die Reisenden könne die Erfahrung von Pünktlichkeit unterschiedlich sein. Beispielsweise könne ein Zug, der von Bergen nach Oslo fährt, an allen Bahnhöfen bis zur vorletzten Haltestelle planmäßig sein. In dieser Statistik zählt jedoch die Ankunftszeit des Zuges am Endbahnhof Oslo S, und der Zug wird daher auch dann als verspätet gemeldet, wenn die Reisenden pünktlich an ihrem Bahnhof angekommen sind. Ebenso könne ein Nahverkehrszug mit nur wenigen Minuten Verspätung für Irritationen und Reibung im Pendleralltag sorgen. Dieser Zug werde jedoch als fahrplanmäßig erfasst, heißt es in der Pressemitteilung von Bane NOR.

Als Hauptgründe für Verspätungen und ausgefallene Züge nennt das Unternehmen:

  • Zugverkehr deutlich gestiegen: Seit 2012, als wir erstmals eine Pünktlichkeit von über 90 Prozent lieferten, verzeichnen wir einen deutlichen Verkehrszuwachs. Mehr Zugabfahrten bedeuten, dass bei Problemen auch mehr Züge betroffen sind. In der Gegend um Oslo S gibt es jetzt so viele Züge, dass wir nur zwei Stunden am Tag Zeit haben, Fehler zu korrigieren und Verbesserungen vorzunehmen, ohne den Verkehr negativ zu beeinflussen.
  • Störungen in der Infrastruktur: Am Osloer Hauptbahnhof kam es 2022 zu zwei Erdschlüssen, die zu erheblichen Verzögerungen führten. Der eine Erdschluss beeinträchtigte den Verkehr für fast eine Woche. Es gab auch mehrere Vorfälle, bei denen Fahrleitungen abgerissen wurden.
  • Mehr Störungen an den Zügen: Im Jahr 2022 mussten wir leider feststellen, dass die Zahl der beschädigten Züge zugenommen hat und dass Störungen an den Zuggarnituren zu Problemen für den Verkehr führen. Seit 2018 ist die Zahl der Züge mit Störungen um sieben Prozent gestiegen. Diese Fehler haben erneut zu einer 30-prozentigen Erhöhung der Verspätungsstunden geführt. Bei Güterzügen ist die Zunahme der Fehlerzahlen am größten.
  • Erhöhte Aktivität auf der Strecke: Im Jahr 2022 hatten wir mehrere große Erneuerungs- und Entwicklungsprojekte, die leider für eine gewisse Zeit zu Verspätungen und Zugausfällen geführt haben, so die Entwicklung des Güterterminals Alnabru, die Entwicklung der neuen zweigleisigen Strecke Venjar – Eidsvoll, der neue Bahnhof Arna mit einem neuen Quergleis durch die Tunnel und die Projekte in Nittedal und Monsrud. Der Fehler auf der neuen Folloban hat auch zu Verzögerungen und Stornierungen geführt. 0,7 Prozent aller Verspätungsstunden bei Personenzügen im Jahr 2022 und 10,8 Prozent der Anpassungen gehen auf den Fehler beim neuen Folloban zurück.
  • Zunehmend alte Infrastruktur: Es besteht ein großer Investitionsbedarf in die Erneuerung der Bahn. Unser Bericht „Infrastatus 2021“ zeigt, dass 26 Prozent des Schienennetzes in den nächsten 12 Jahren in einem Zustand sind, der einer Instandhaltung und Erneuerung bedarf. Im Herbst 2022 sind besonders akute Ereignisse wie Erdschlüsse und Signalstörungen neben dem Abriss der Fahrleitung Beispiele für Störungen in der Infrastruktur, die zu Verspätungen und Ausfällen geführt haben.

„Obwohl wir jedes Jahr Teile der Infrastruktur erneuern, verschlechtert sich die Infrastruktur schneller, als wir es schaffen, sie zu erneuern. Wir fahren immer mehr Züge auf einer immer älter werdenden Infrastruktur, und das bedeutet, dass es viele Probleme gibt, die den Zugverkehr beeinträchtigen“, sagt Kjenne.

Eines von mehreren Modernisierungsprojekten von Bane NOR ist die neue Track Monitoring App, die die Infrastruktur überwacht und vor Fehlern warnt, damit diese behoben werden können, bevor sie Auswirkungen auf den Zugverkehr haben. Die Streckenüberwachungs-App und die vorbeugende Wartung werden in Ostnorwegen getestet und auf mehreren Streckenabschnitten eingesetzt. 2022 hat das Unternehmen zudem zwei modernisierte Verkehrsleitzentralen eröffnet, die für die Erneuerung der Bahn wichtig sind.

Langfristig soll das neue digitale Signalsystem ERTMS flächendeckend zum Einsatz kommen. „Wir erwarten, dass das neue Signalsystem zu weniger Verspätungen und pünktlicheren Zügen führen wird. In Zukunft werden wir in Norwegen eine modernere und stabilere Eisenbahn haben, aber über 90 Prozent des norwegischen Eisenbahnnetzes wurden vor mehr als 60 Jahren gebaut. Einige Streckenabschnitte seien weit über hundert Jahre alt und daher eine anspruchsvolle Arbeit“, so Kjenne.

In Deutschland sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Bahn rund zwei Drittel aller ICE- und IC-Züge pünktlich an ihr Ziel gekommen (65,2 Prozent). 2021 waren es noch 75,2 Prozent. Die überalterte und knappe Infrastruktur, intensive Bautätigkeit und ab dem zweiten Quartal ein rasant wachsendes Verkehrsaufkommen im Fern- und Nahverkehr habe in Summe den Bahnbetrieb unter Druck gebracht, teilt das Unternehmen mit.

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