Panne auf der Follobanen in Norwegen folgen Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen und Klagen

Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Blixtunnels wird nun daran gearbeitet, die Fehler zu finden und zu beheben, die den Verkehr auf dem Folloban zum Erliegen gebracht hat. ©Bane NOR

Oslo, 4. Januar 2022. Am 3. Januar mussten sich die Führung der norwegischen Gesellschaft Bane Nor, zuständig für die Eisenbahn-Infrastruktur, die norwegische Eisenbahndirektion und die norwegische Eisenbahninspektion beim Verkehrsminister rechtfertigen, wie es zur Einstellung des Bahnbetriebs auf der Follobanen kommen konnte, und erklären, wie das Problem behoben werden soll. Wie die Verantwortlichen mitteilten, liege die Ursache der Rauchentwicklung in verschiedenen technischen Einrichtungen in der Überlastung des unterdimensionierten Rückstromsystems als Folge der Rekuperation durch bremsende Züge. Die daraus entstehende Überhitzung habe zum Brand im Schalthaus in Ski geführt. Der Infrastrukturbetreiber will Klage auf Schadenersatz gegen das spanisch-italienische Joint Venture Accona-Ghella, AGVJ, als Hauptverantwortlichen für diesen Bereich erheben.

Auch erhob Bane Nor eine Schuldzuweisung gegen den Betreiber der Strecke, Vy. Dieser habe für Testfahrten zu wenig Züge zur Verfügung gestellt, so dass die Anlagen auf der neuen Strecke nicht unter Vollbelastung hätten getestet werden können. Vy hat diesen Vorwurf jedoch umgehend zurückgewiesen. Es besteht wenig Aussicht, dass die Mängel noch vor Anfang Februar behoben sind. Der Verkehrsminister hat eine Untersuchung des Desasters mit externen Experten angekündigt.      

Wie Bane Nor mitteilt, habe es aber keine Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Tests vor der Eröffnung mit Vy gegeben. Vor der Eröffnung der Follobanen sei die Strecke mit 260 Fahrten durch den Blixtunnel getestet worden. Gleichzeitig habe auf der Østfoldbanen voller Verkehr geherrscht. Während des Testlaufs seien große Ressourcen verbraucht worden. Ein umfassender Test erfordere viel zusätzliches Personal und Material, zusätzlich zu der Tatsache, dass die Bestellung mehr als ein Jahr im Voraus hätte erfolgen müssen. Es sei nicht relevant oder in der Praxis möglich gewesen, mit sogenannten umfassenden Tests vor der Eröffnung der Follobanen zu arbeiten.

Vys Kommunikationsmanager Åge-Christoffer Lundeby erklärte, dass ein umfassender Test mehr Ressourcen erfordert hätten, als im Dezember 2022 zur Verfügung standen. „Ein umfassender Test wäre möglich gewesen, aber es musste passieren, wenn wenig anderer Verkehr war, zum Beispiel an einem Wochenende, und wir mussten wahrscheinlich auch den normalen Zugverkehr für einen Teil oder die gesamte Zeit sperren, damit der Test stattgefunden konnte,“ sagt Lundeby. Bane NOR oder Vy hätten das Angebot für Reisende aber nicht einschränken wollen.

Am 6. Januar veröffentlichte das Beratungsunternehmen Norconsult AS einen Bericht über die Follobanen veröffentlicht. Im September 2022 hatte Norconsult von Bane NOR den Auftrag erhalten, die Stromverteilung um den Rückstromkreis für das Follbanen-Projekt zu bewerten. In dem Bericht enthalten sind neun konkrete Empfehlungen zur Messung und Überwachung der Anlage. Der Bericht datiert vom 26. Oktober. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

Finden Sie hier mehr Informationen zu den Problemen auf der Follobanen.

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