Bundeskabinett beschließt Evaluierungsbericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG)

Norwegen und Deutschland sind bezüglich des Einsatzes der CCS-Technologie miteinander im Gespräch. Anfang Januar wird Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, ein weiteres Mal nach Norwegen reisen. Im Bild: Pressekonferenz mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre am 16. März 2022 in Oslo.©regjeringen.no

Berlin, 21. Dezember 2022. Die Bundesregierung hat am 21. Dezember den Evaluierungsbericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG) beschlossen. Der Bericht stellt den technischen Fortschritt, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und den potenziellen Beitrag der Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage – CCS) für den Klimaschutz dar. Erfahrungen aus Norwegen spielen in dem Bericht eine große Rolle.

Die Bundesregierung muss den Evaluierungsbericht laut Gesetz alle vier Jahre vorlegen. Der jetzt beschlossene Bericht betrachtet neben CCS auch Carbon Capture and Utilization (CCU). Im Gegensatz zu CCS wird das CO2 bei CCU nicht gespeichert, sondern weiterverwendet – z. B. in der Chemieindustrie. Darüber hinaus gibt der Bericht einen Ausblick auf die Carbon Management-Strategie, die die Bundesregierung im kommenden Jahr erarbeiten will.

Wegen des hohen öffentlichen Interesses und der Bedeutung des Themas werde die Erarbeitung der Strategie von einem umfassenden Stakeholderdialog begleitet werden, heißt es einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Eine Auftaktveranstaltung mit Vertretern aus der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Industrie fand bereits am 18. und 19. Oktober im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz statt. Für die Fortführung des Dialogs im kommenden Jahr soll der Teilnehmerkreis voraussichtlich nochmals erweitert, um alle Aspekte der Technologien berücksichtigen zu können.

Der Bericht beschäftigt sich ausführlich mit dem Stand der Abspaltung, des Transports und der Speicherung von Kohlendioxid in Norwegen. Norwegen sei eines der Länder mit der umfangreichsten Erfahrung bei der Entwicklung und Umsetzung von CCS-Projekten. In Norwegen befinde sich mit dem 1996 in Betrieb genommene „Sleipner“-Projekt das weltweit erste Projekt zur Abscheidung und geologischen Speicherung von Kohlenstoffdioxid. Der Einsatz von CCS und CCU in Industrieprozessen seien wichtige Bestandteile der 2020 verabschiedeten norwegischen Klimastrategie, deren Ziel es ist, eine kosteneffiziente CCS-Infrastruktur in Norwegen zu aufzubauen (Norway Parliament, 2020).

Der Bericht informiert sowohl über die verschiedenen Demonstrations- und Pilotanlagen zur CO2-Abscheidung als auch über die zwei CCS-Projekte, die im kommerziellen Maßstab betrieben werden. Die norwegische Steuer auf CO2-Emissionen mache die geologische Speicherung des abgeschiedenen CO2 profitabel, da dieses als nicht emittiert gilt (equinor, 2022c; EASEE-gas, 2005).

Zusammenfassend heißt es in dem Bericht: Norwegen engagiert sich national und international für den Ausbau von CCS. Das Land sieht darin einen wichtigen Baustein für die nationalen Klimaschutzbemühungen (Norwegian Government, 2022). Die potentiellen Speicherkapazitäten für CO2 in Norwegen sind mit schätzungsweise 70 Gt CO2 etwa 2.000-mal größer als die jährlichen Gesamtemissionen Norwegens (Norwegian Petroleum Directorate, 2019b). Norwegen ist aktiver Unterstützer von CCS-Projekten auf verschiedene Weise. Es gibt bspw. zahlreiche staatliche Fördermöglichkeiten für die Umsetzung von CCS-Projekten in Norwegen. Das Norwegische Petroleum Directorate (NPD) hat potenzielle Speichergebiete kartiert und dazu einen CO2-Speicheratlas des Norwegischen Kontinentalhangs erstellt (Norwegian Petroleum Directorate, 2019b). Das MPE (Ministerium für Petroleum und Energie, d.Red.) bietet seit 2019 sukzessive Speicherlizenzen für ausgewählte Gebiete zum Erwerb an. Die vierte Lizenz dieser Art ist im Oktober 2022 von Wintershall Dea erworben worden. Projekte mit starker finanzieller Unterstützung durch den norwegischen Staat wie das TCM und Longship sind darauf ausgelegt, auch von europäischen und internationalen Partnern genutzt zu werden – als Vorbild und durch direkte Beteiligung an den Projekten. Insbesondere das Northern Lights-Projekt, das einen für Dritte zugänglichen Transport- und Speicher-Service anbietet, wird für die weitere Entwicklung von europäischen CCS-Infrastrukturen und -Geschäftsmodellen voraussichtlich von erheblicher Bedeutung sein.

Die geologische Speicherung der genannten CO2-Mengen wird eine entsprechende Ein- speicherkapazität benötigen. Im aktuellen Diskurs werden vor allem Norwegen und die Nordsee als mögliche Speichermöglichkeiten genannt. Der CCU/S-Workshop des Zero Emissions Network zeigte jedoch auf, dass die Nachfrage nach Speichermöglichkeiten bereits heute größer ist als die angestrebten Ausbaupläne der Speicherstätten (eccsel, 2022). Daher und auch im Hinblick auf eine sehr starke Abhängigkeit von Speicherstätten in nur wenigen Staaten dürfte es nicht ausreichend sein, alleine auf diese zu setzen. Der Aufbau einer europäischen Speicherinfrastruktur wird deshalb zumindest mittelfristig notwendig werden, wozu vorab zeitintensive Untergrunderkundungen erforderlich sind. Für die CO2-Speicherung sind entsprechend ausreichend erschlossene Speicherstätten und Infrastruktur zur Injektion erforderlich. Dabei kann die maximale Einspeichermenge pro Jahr ein Flaschenhals sein.

Den Evaluierungsbericht finden Sie hier.

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