König Harald eröffnet Follobanen mit dem längsten Tunnel Skandinaviens

HM König Harald durchschnitt die Kordel zur Eröffnung des neuen Folloban.
Norwegens König Harald eröffnete am 12. Dezember 2022 gemeinsam mit Oslos Bürgermeisterin Marianne Borgen und der Bürgermeisterin von Nordre Follo, Hanne Opdan, auf dem Osloer Hauptbahnhof, Gleis 19, die neue Follobanen.©Gøril Furu / DSS

Oslo, 12. Dezember 2022. Am 12. Dezember wurde in Norwegen die Neubaustrecke der Follobanen von Oslo nach Ski in Betrieb genommen. Das bisher größte norwegische Verkehrsprojekt ist damit vollendet. Die 22 Kilometer lange Strecke besteht hauptsächlich aus dem 19,5 Kilometer langen Blix-Tunnel, dem längsten und aus zwei Tunnelröhren bestehenden Eisenbahntunnel Skandinaviens. 

Das Bauwerk umfasst auch die aufwendige Gleisgeometrie der Einführung in den Hauptbahnhof Oslo Sentralstasjon, wo in sämtliche 19 Geleise ein- und ausgefahren werden kann. Zudem wurde der Bahnhof Ski am anderen Tunnelende mit modernen Publikumsanlagen komplett erneuert, wo die Linie nach Mysen von der Østfoldbanen nach Halden – Göteborg abzweigt. Mit der für 250 km/h ausgelegten Neubaustrecke und den vorerst gefahrenen 200 km/h wird zwischen Oslo und Ski eine Halbierung der Fahrzeit von 22 auf elf Minuten erreicht. Noch bedeutsamer ist die jetzt vierspurige Verbindung und somit die Verdoppelung der Streckenkapazität.

Die Lokalzüge verkehren weiterhin über die bisherige Linie mit ihren zwölf Haltestellen, während die Güterzüge situativ über die Bestandsstrecke oder durch den neuen Tunnel geleitet werden. Trotz dem Beschluss, das gesamte norwegische Schienennetz mit dem digitalen Sicherungssystem ETCS Level 2 auszurüsten, wurde die Follobanen mit dem konventionellen ATC (Automatic Train Control) in Betrieb genommen und soll später umgerüstet werden.

Zusammen mit dem Kronprinzen (2.v.l.) unternahm König Harald (3.v.l.) auch die nun elf Minuten lange Zugfahrt zwischen Oslo S und Ski Station. Mit dabei waren auch Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, Verkehrsminister Jon-Ivar Nygård, Valgerd Svarstad Haugland, Staatsverwalterin der Regionen Oslo und Viken, und die beiden Bürgermeisterinnen.©Lise Åserud / NTB

Für das Vorhaben gelangten insgesamt vier Tunnelbohrmaschinen des deutschen Herstellers Herrenknecht zum Einsatz. Sie wurden in Schwanau gebaut, danach auseinander montiert und nach Norwegen transportiert, um dort in zwei unterirdischen Kavernen wieder zusammengesetzt zu werden. Nach erfolgreichem Einsatz wurden sie wieder demontiert und per Schiff zurück nach Deutschland gebracht. Sie holten Steinmassen aus dem Berg, die drei Cheops-Pyramiden entsprechen.

Am 11. September 2018 schafften “Königin Eufemia” und  “Königin Ellisiv”, zwei von vier Tunnelbohrmaschinen der deutschen Herrenknecht AG, Schwanau, die beim Bau des Blix-Tunnels im Einsatz waren, den Tunnel-Durchbruch.@Nicolas Tourrenc

Die von einigen Unstimmigkeiten begleiteten Bauarbeiten begannen 2015 und haben die Investition von 36,8 Milliarden NOK gekostet, was gegenüber der Projektierung eine massive Kostenüberschreitung von zwei Milliarden NOK sowie eine verspätete Inbetriebnahme von zwei Jahren bedeutet. Der technische Hintergrund waren aufwendige Injektionsarbeiten, um Wassereinbrüche in die Tunnelröhren zu verhindern. Das an den Bauarbeiten beteiligte italienische Unternehmen Condotteging ging während des Auftrags in Konkurs. Die Gesellschaft hatte mit zu tiefen Preisen offeriert, wogegen die schwedische Skanska mit Erfolg gegen die Vergabe durch den Infrastrukturbetreiber Bane Nor juristisch geklagt hat.​

Am 26. Februar 2019 haben die beiden anderen Tunnel-Bohrmaschinen Magda und Anna die letzte Wand im Tunnel des Follobanen-Projektes durchbrochen.@Nicolas Tourrenc

Ab 2025 sollen nach Informationen des Verkehrsministeriums die alten Züge schrittweise ersetzt werden, die derzeit im Nahverkehr zwischen Oslo und Ski verkehren. Die neuen Nahverkehrszüge werden über mehr Platz und höheren Komfort verfügen. In einigen Jahren soll auch die Doppelspur durch Moss eröffnet werden. Dies werde zu kürzeren Reisezeiten und mehr Zügen zwischen Oslo und Moss über Follobanen führen.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

Finden Sie hier weitere Informationen zum Bau der Follobanen.

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