Überfälle in Norwegen auf Güterzüge – kein Stopp mehr in Neslandsvatn

Nach mehreren Überfällen dürfen Containerzüge auf dem einsam gelegenen Bahnhof Neslandsvatn an der Sørlandsbanen keine Aufenthalte zum Abwarten von Kreuzungszügen mehr einlegen.©jernbane.net

Oslo, 22. November 2022. Der Bahnhof Neslandsvatn in der Region Telemark liegt wie viele Bahnhöfe an der norwegischen Sørlandsbanen von Oslo nach Stavanger abseits der Ortschaft. Bis 1989 begann hier die stillgelegte Stichlinie nach Kragerø am Skagerrak. Wegen den großen Distanzen zwischen den Kreuzungsstationen müssen die Züge auch in Neslandsvatn bis zu 20 Minuten auf Gegenzüge warten. Seit dem vergangenem Jahr nutzen Banden diese Stillstandzeiten und die Abgeschiedenheit immer wieder für Raubzüge auf die Güterwagen. Bei sechs von sieben bekannten Fällen war das Bahnunternehmen Green Cargo Norge betroffen.

Sehr beliebt sind die Container von Post Nord, die auf den Zügen transportiert werden. Die Türen zu den Container werden geöffnet, und was als nutzbar erscheint, wird gestohlen. Im Mai wurden auf einem Güterzug sieben Container geöffnet. Erst bei Ankunft in den Umschlagsterminals von Oslo Alnabru oder Stavanger wird der Schaden festgestellt. Bei der Fahrt der Containerzüge bis zu 100 km/h schwingen die geöffneten Containertüren nach den Überfällen hin und her und drohen, sich aus den Verankerungen zu reißen. Beim Abreißen würde es auf einem Bahnsteig mit wartenden Reisenden zu Toten und Verletzten kommen. 

Strecke der Sørlandsbanen©Sørlandsbanen

Von den Überfällen fühlen sich auch die Lokführer bedroht, die auf den 600 Meter langen Containerzügen allein unterwegs sind. Die Bahnhöfe sind längst nicht mehr mit Personal besetzt, welches die Polizei benachrichtigen könnte.

Der Infrastrukturbetreiber Bane Nor hat nun die Reißleine gezogen und lässt die Güterzüge in Neslandsvatn nicht mehr anhalten. Die Banden müssen sich andere Kreuzungshalte aussuchen. Als direkte Folge haben die betroffenen Züge die Kreuzungen auf vorgelagerten Stationen abzuwarten und erhalten dadurch Verspätungen. Die Polizei erklärte, bisher keine Informationen über diese Vorfälle erhalten zu haben. Medien hatten über die Überfälle berichtet.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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