Dun & Bradstreet: Norwegische Unternehmen haben noch nie mehr Geld verdient

Die Umsatzrendite norwegischer Unternehmen, ohne die Öl- und Gasindustrie, stieg im vergangenen Jahr nach Angaben von AS Norge-Zahlen von Dun & Bradstreet auf Rekordhöhe.©Dun & Bradstreet

Oslo, 22. November 2022. Das durchschnittliche norwegische Unternehmen erzielte im letzten vollen Geschäftsjahr 7,48 Prozent des Umsatzes als Gewinn. Damit ist das Pandemiejahr 2021 das beste Jahr aller Zeiten für die norwegische Wirtschaft. Die guten Ergebnisse hätten auch dazu geführt, dass die Geschäftswelt historisch solide am Eingang in das turbulente Jahr 2022 stand, teilt das Daten- und Analyseunternehmen Dun & Bradstreet Norge AS mit. Analysiert wurden Konten von 143.369 Gesellschaften mit beschränkter Haftung (ohne Öl- und Gasindustrie) mit einem Umsatz von über einer Million Kronen. 

Diese Zahlen werden AS Norge-Zahlen genannt, weil sie eine Art Zusammenfassung darüber sind, wie sich die Geschäftswelt insgesamt nach Angaben der letzten Jahresabschlüssen entwickelt hat. Im Durchschnitt ist die Gewinnmarge, also der Gewinn in Prozent vom Umsatz, von 5,44 im Jahr 2019 auf 7,48 Prozent im letzten vollen Geschäftsjahr 2021 gestiegen.

„Obwohl wir die Analyse der AS Norge-Zahlen erst seit neun Jahren durchführen, bin ich ziemlich sicher, dass es nie profitabler war, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Norwegen zu führen als im Jahr 2021“, sagt Analystin Brit Elise Melhus von Dun & Bradstreet.

Gleichzeitig sieht sie viele Anzeichen dafür, dass der Unternehmenssektor im vergangenen Jahr seinen Höhepunkt erreicht hat: „Es würde mich überraschen, wenn der Unternehmenssektor 2022 ähnlich gute Zahlen vorweisen wird. Viele Menschen erleben in diesem Jahr erhöhte unvermeidbare Kosten. Sowohl Strompreise als auch gestiegene Beschaffungskosten, höhere Zinsen und gestiegene Steuern tragen dazu bei, dass sich die Ergebnisse für viele Unternehmen nun abschwächen. Für die Unternehmen ist es wichtig, die gestiegenen Kosten so weit wie möglich an den Endverbraucher weiterzugeben, was jedoch in vielen Fällen zu einem Nachfragerückgang führen wird. Unsere Analysen der Insolvenzzahlen zeigen zudem, dass die Zahl der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr Monat für Monat zunimmt, obwohl die Niveaus im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie derzeit relativ niedrig sind“, erklärt Melhus.

Entwicklung des Eigenkapitalanteils in norwegischen Unternehmen

Der Anteil des Eigenkapitals am durchschnittlichen norwegischen Unternehmen ist auf 32,5 Prozent gestiegen.©Dun&Bradstreet

Rekordhohe Zahlungsfähigkeit, aber niedrige Dividende

Als die Pandemie 2020 ausbrach, senkte das durchschnittliche Unternehmen die Kosten drastisch. Dies wurde 2021 fortgesetzt. Die kleinen Unternehmen hätten schnell gespart, als die Pandemie 2020 zuschlug. Wenig später hätten auch die großen gespart. Bei geringeren Kosten bei gleichzeitig gesteigertem Umsatz sei Geld für das Endergebnis und die Stärkung des Eigenkapitals übrig geblieben, so Melhus weiter. Im Schnitt stieg der Umsatz 2021 um 1,2 Prozent. Die Eigenkapitalquote ist auf 32,5 Prozent gestiegen, ebenfalls ein Rekordwert. Die Eigenkapitalquote zeigt die Solidität des Unternehmens und wie gut das Unternehmen für Rückgänge gerüstet ist. Selbst bei historisch guten Ergebnissen lag die durchschnittliche Gewinnausschüttungen bei moderaten 23,88 Prozent des Jahresergebnisses im Schnitt. Bezogen auf den Umsatz betrug die Gewinnausschüttungen 3,3 Prozent.

Untersucht hat Dun&Bradstreet für das Geschäftsjahr 2021 auch 693 Unternehmen der Bergbau- und Gewinnungsindustrie. Diese Branche umfasst den Abbau von Stein- und Braunkohle, die Gewinnung von Rohöl- und Erdgas, den Abbau von Metallerz, sonstige Steinbruch- und Bergbauarbeiten sowie Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Minenbetrieb und der Öl- und Gasgewinnung. Sie erwirtschaftete 2021 20 Prozent des Umsatzes der norwegischen Unternehmen. Bis zu 72 Prozent aller von einem kombinierten Unternehmen gezahlten Steuern stammen aus dieser Branche. Die starken Zahlen seien auf eine Kombination aus hohen Öl- und Gaspreisen sowie einem hohen Dollarkurs gegenüber der schwachen norwegischen Krone zurückzuführen. Darüber hinaus hätten auch diese Unternehmen während der Pandemie die Kosten stark gesenkt. „Einerseits ist es erfreulich zu sehen, welche enormen Einnahmen die Gemeinde aus der Öl- und Gasindustrie erzielt, gleichzeitig unterstreicht die Analyse die Sorgen um die Zukunft. Wenn wir sehen, dass 72 Prozent aller Unternehmenssteuern aus dieser Branche stammen, kann man sich fragen, wie die sozialen Leistungen finanziert werden sollen, wenn diese Branche zurückgefahren wird“, sagt Melhus.

Die Branche, die am meisten überrascht, seien Hotels und Restaurants, teilt Dun & Bradstreet mit. Diese Branche sei von den Corona-Maßnahmen hart getroffen worden. Trotzdem haben sie mit 3,85 Prozent Umsatzrendite das beste Durchschnittsergebnis aller Zeiten erwirtschaftet. Normalerweise habe diese Branche niedrige Margen mit einer Gewinnmarge von durchschnittlich rund zwei Prozent. Die überraschend guten Ergebnisse dieser Branche seien auf sehr niedrige Kosten im Jahr 2021 zurückzuführen. Sie gehöre aber wahrscheinlich auch zu den Branchen, die in diesem Jahr die meisten Corona-Unterstützungen erhalten habe.

Die Umsatzrendite und die Eigenkapitalquote norwegischer Unternehmen mit einem Umsatz von über einer Million NOK ermittelt Dun & Bradstreet jährlich auf der Grundlage der im Herbst des Folgejahres verfügbaren Jahresabschlüsse.

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