Green Cargo stellt Bahnbetrieb in Norwegen ein

Auf der Bergenbahn wartet ein Containerzug von Green Cargo Norge mit einer fabrikneuen Eurodual-Lokomotive an einer Kreuzung auf den Gegenzug. Trotz großem Transporterfolg wird die schwedische Güterbahn im ersten Quartal 2023 in Norwegen den Betrieb einstellen.©Green Cargo 

Solna, 2. November 2022. Das schwedische Logistikunternehmen Green Cargo AB stellt den Betrieb seiner norwegischen Tochter Green Cargo Norge AS im Laufe des ersten Quartals 2023 ein. Davon betroffen sind 120 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon Lokführer sowie das Personal in den Umschlagsterminals von Oslo, Bergen und Trondheim. Als Gründe nennt das staatliche Unternehmen die stark gestiegenen Kosten für Strom, Diesel und Personal, wie Bengt Fors, CEO von Green Cargo Norge, erklärt. Seit 2020 sei der Strompreis um fast 450 Prozent gestiegen, und die Hälfte dieser Mehrkosten könne vertragsbedingt nicht an die Kunden weitergegeben werden. Hinzu kämen die häufigen Verspätungen als Folge der umfangreichen Infrastrukturarbeiten am Streckennetz. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei unter solchen Bedingungen nicht mehr möglich. Die internationalen Güterzüge von Schweden nach Norwegen werden weiterhin fahren.

Green Cargo Norge bietet derzeit Zugdienste auf den Strecken Oslo-Stavanger/ Oslo-Bergen und Oslo-Trondheim an. Die Strecke Oslo-Narvik wird ebenfalls von Green Cargo AB betrieben, ist aber laut Mitteilung von dieser Schließung nicht betroffen. Transportiert wird unter anderem Seafood. Die Abwicklung des Unternehmens ist eine besondere Tragik, da sich die Nachfrage nach dem Schienengüterverkehr nach einer Krise wieder erholt hat, dieser wegen der Kostenseite jedoch kaum rentabel betrieben werden kann. 

Green Cargo Norge ist seit der Gründung 2016 sehr erfolgreich gewachsen und befördert heute fast 40 Prozent des intermodalen Schienengüterverkehrs innerhalb des nordischen Landes. Unter anderem wählen Spediteure Green Cargo Norge wegen des ausgezeichneten Kundendienstes.

Für das staatliche norwegische Eisenbahnunternehmen CargoNet AS ist die Abwicklung eigentlich eine gute Nachricht, denn Norwegens größter Transporteur von Gütern auf der Schiene wird damit seinen größten Konkurrenten los. Allerdings ist das Transportvolumen von Green Cargo Norge derart hoch, dass CargoNet die erforderlichen Kapazitäten für die Übernahme kurzfristig kaum aufzubringen vermag. Dies kann Transportverluste an den LKW-Verkehr zur Folge haben. Green Cargo hat zudem angekündigt, sämtliche Fahrzeuge seiner norwegischen Tochter nach Schweden abzuziehen. 

Norwegische Medien berichten, dass DB Schenker nach alternativen Lösungen für Kunden und Mitarbeiter der Green Cargo Norge AS sucht. „Wir haben heute die Benachrichtigung erhalten, dass einer unserer Hauptlieferanten für Spedition auf der Schiene in Norwegen, Green Cargo AS, seinen Betrieb zum 31. Januar 2023 einstellt. Dies kommt für uns sehr überraschend, aber wir werden alternative Lösungen dafür finden gewährleisten alle unsere Kunden“, schreibt DB Schenker in einer Pressemitteilung vom 2.Oktober. Das Transportangebot auf den betroffenen Abschnitten sei ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks von DB Schenker in Norwegen. Das Unternehmen sei bereit, mit alternativen Akteuren zu sprechen um sicherzustellen, dass die entstandene Situation eine gute Lösung findet. Auch mit Green Cargo gebe es einen guten Dialog. DB Schenker sei sicher, dass Green Cargo ihr Möglichstes tun werde, um den Übergang zu einem neuen Betreiber so reibungslos wie möglich zu gestalten, schreibt das Unternehmen.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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