Schwedische Bank Nordea steigt aus norwegischem Bergbauunternehmen Nordic Mining aus

Oslo, 21. September 2022. Die skandinavische Bank Nordea hat sich von ihren Anteilen am Bergbaukonzern Nordic Mining in Norwegen getrennt. Wie norwegische Medien berichten, seien Nachhaltigkeitsprobleme bei Nordic Mining der Grund für diese Entscheidung. Nordea war bis vor wenigen Tagen noch der größte Anteilseigner an dem Bergbaukonzern.

Das Unternehmen hat von der Regierung die Genehmigung, Abraum in Fjord zu entsorgen. Dagegen demonstrierten Umweltverbände. Das Wirtschaftsministerium bestätigte die Erlaubnis nach den Protesten erneut, allerdings wurden die Umweltauflagen verschärft. „Wir führen seit langem einen Dialog mit Nordic Mining über Nachhaltigkeitsaspekte im Zusammenhang mit dem Betrieb. Wir haben uns kontinuierlich herunterverkauft und sind jetzt kein Eigentümer mehr des Unternehmens“, sagt Eric Pedersen, Leiter für nachhaltige Investitionen bei Nordea, gegenüber E24. „Obwohl es eine formelle Genehmigung der Behörden für die Ablagerung im Meer gibt, glauben wir nicht, dass unsere Fondskunden wollen, dass wir investieren.“

Nordic Mining erwarb die Rechte an Norwegens größter Rutil-Lagerstätte im Berg Engebøfjellet im Jahr 2006. Rutil ist ein Mineral, das in vielen Bereichen von der Zahnpastaproduktion bis zur Farbherstellung und als Metall in Flugzeugen und Sportgeräten verwendet wird. Engebøfjellet birgt Norwegens größte Lagerstätte.

Acht Jahre hat das Unternehmen damit zugebracht, die behördliche und umweltrechtliche Genehmigungen zu erhalten. Skandinavien hat mit die strengsten Genehmigungsstandards der Welt. Eigentlich wollte Nordic Mining Mitte 2020 mit dem Bau beginnen und zwei Jahre später die Produktion starten. Unter anderem bremste Corona den Genehmigungsprozess. Der Bebauungsplan und die Umweltgenehmigungen wurden im April 2015 erteilt, und die aktualisierte endgültige Machbarkeitsstudie (UDFS) des Projektes Engebø wurde im Mai 2021 veröffentlicht. Als Produktionsstart hat das Nordic Mining in seinem Quartalsbericht 2/2022 das zweite Halbjahr 2024 angegeben. 

Banken aus Schweden (allen voran Nordea), Luxemburg und Finnland waren mit Stand September 2022 die größten Anteilseigner. Darüber hinaus halten zahlreiche norwegische Unternehmen Aktien des an der Börse Oslo notierten Unternehmens. Im Juni dieses Jahres hat Iwatani Corporation mit Hauptsitz in Tokio und Osaka, in einem Abkommen mit Nordic Mining ihre Absicht erklärt, 191,75 Millionen NOK, etwa 20 Millionen  Euro, in Nordic Mining ASA zu investieren. Basierend auf einem langfristigen Vertrag sichert sich Twatani mit diesem Investment Zugang zu etwa 60 Prozent, etwa 20.000 Tonnen pro Jahr, der prognostizierten Gesamtproduktion an abgebautem hochreinem Titanerz von Nordic Mining. Bei diesem Mineral ist Japan ganz auf Importe angewiesen. Es wird vor allem als Rohstoff für Titandioxid und Titanmetall für Luft- und Raumfahrt verwendet. Der neue Investor betreibt bereits eine eigene Mine in Westaustralien. 

Im Mai dieses Jahres, vor Produktionsstart der Engebø-Mine von Nordic Mining ASA, meldeten sich Umweltorganisationen und andere Institutionen wegen der erteilten Abraumgenehmigung zu Wort. Das Industrieministerium hatte mit der Betriebsgenehmigung nämlich auch die Entsorgung des Erdreiches im Førdefjord erlaubt. Die Aktivisten errichteten vor dem Minengelände ein Sommercamp, schwammen im Førdefjord und verlangten vom Industrieministerium eine Überarbeitung der Genehmigung. Auch Seafood Norway und der Fischereiverband forderten, dass das gesamte Emissionsregime mit Rücksicht auf die Fischerei überdacht werden müsse. Trotz aller Beschwerden und Vermittlungsversuchen bestätigte Industrieminister Jan Christian Vestre die ursprüngliche Entscheidung, hielt die Betriebslizenz an Nordic Rutile AS zum Abbau des Minerals Rutil in der Lagerstätte Engebø in Førde aufrecht, erteilte aber drei strengere Umweltauflagen: Der Anteil an Abraum muss in allen Prozessen reduziert werden, das Unternehmen muss „emissionsfreie, alternativ fossilfreie Maschinen“ einsetzen sowie untersuchen, wie ein möglichst großer Teil der überschüssigen Massen in abgeholzten Gebieten wieder verfüllt werden kann.

“Wir sind unglaublich enttäuscht. Die Regierung sollte dieses umweltschädliche Bergbauprojekt stoppen. Wir können nicht zulassen, dass ein weiterer Fjord zerstört wird”, sagt Truls Gulowsen, Vorsitzender der Nature Conservation Association, zu diesem Verhandlungsresultat.

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