Aus alt mach neu – Schuppen 38 in Oslo nach Sanierung mit höchster Umweltzertifizierung eröffnet

Der Schuppen 38, das Verwaltungsgebäude des Hafens Oslo, wurde mit hohen Umweltstandards neu renoviert.©Motion Air/Hafen von Oslo.

Oslo, 14. September 2022. Oslo ist im Zentrum um ein weiteres attraktives Gebäude reicher. Der Skur 38, Schuppen 38, das Verwaltungsgebäude des Oslo Havn KT, wurde jetzt nach einer vollständigen Renovierung wieder in Betrieb genommen und mit der Umweltzertifizierung BREE AM-NOR Excellent ausgezeichnet. Nach 20 Jahren Totalsanierung zogen die Mitarbeiter im August 2022 zurück in das historische Gebäude. Der Hafen von Oslo ist der größte Containerhafen Norwegens.

Auch die hundertprozentige Tochtergesellschaft von Oslo Havn, HAV Eiendom, wird in dem Gebäude untergebracht. Sie ist zuständig für die Stadtentwicklung auf den Flächen, die sich im Eigentum des Hafens befinden und sich nun von einem Industriegelände zu einem Wohn- und Geschäftsviertel entwickeln.

AMERIKALINJEN: Stavangerfjord ved Skur 38, 1922.©Anders Beer Wilse/Oslo Museum.

Schuppen 38 wurde 1915 als Lagerhaus für die Reederei Den norske Amerikalinje errichtet, in dem neben Büros für die Fracht- und Passagierexpedition auch eine Arztpraxis für Auswanderer untergebracht waren. Skur 38 war damals eines der ersten Stahlbetongebäude Norwegens. Vom Hafen in Oslo reisten die Auswanderer nach Amerika. Legendäre Schiffe wie Stavangerfjord und Bergensfjord brachten auch Auswanderer aus Kristiansand, Stavanger und Bergen nach Amerika. 

Der Schuppen 38 wurde bald zu klein für die wachsende Zahl von Passagieren und Waren. 1924 verlegte Den norske Amerikalinje Lager und Passagiere in ein neues Gebäude am Utstikker 1 und überließ das Gebäude der Fred.Olsen & Co. Von hier ging der Personenverkehr der Reederei nach Newcastle und Antwerpen, bis 1987 die Verwaltung der Oslo Havn KF einzog. 1972 wurde der transatlantische Personenverkehr eingestellt.

Am einfachsten wäre es gewesen, den Schuppen 38 abzureißen, teilt der Hafen Oslo mit. Aber die Betonkonstruktion sei in einem so guten Zustand gewesen, dass eine Gesamtsanierung umweltfreundlicher war als ein Neubau. Skur 38 wurde als ein Modellprojekt in FutureBuilt ausgewählt, das zur Entwicklung einer nachhaltigen und attraktiven Null-Emissions-Stadt beitragen sollte.

„Wir sind stolz darauf, dass der neue Skur 38 das erste Projekt ist, das dem entspricht, was wir FutureBuilt 2.0 nennen, das heißt, dass eine ganze Reihe von Nachhaltigkeitskriterien erfüllt wurden. Wir  kennen kein anderes ähnlich altes Gebäude in Norwegen, bei  dem das Ziel darin besteht, das gleiche Niveau der Umweltzertifizierung zu erreichen“, sagt Architekt und Berater Erlend Seilskjær von FutureBuilt. 

Ziel sei es gewesen, so viel wie möglich vom ursprünglichen Gebäude zu erhalten, sowohl aus Sicht des Kulturerbes als auch zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Die alten Materialien, insbesondere die schweren Konstruktionen, können als Kohlenstoffspeicher angesehen werden, der praktisch CO2 für die gesamte Lebensdauer des Gebäudes speichert. Die Altbausanierung ist somit eine wichtige Maßnahme für sich. Es ist inspirierend zu sehen, dass ein altes Hafenlager als modernes Bürogebäude genutzt werden kann. Darüber hinaus wurden gebrauchte Baumaterialien und Komponenten aus anderen Gebäuden, sogenannten Spendergebäuden, gemäß den Kriterien von FutureBuilt für zirkuläre Gebäude verwendet.  

„Wenn wir mit alten Gebäuden arbeiten , ist es wichtig, den Energieverbrauch zu reduzieren. In Skur 38 war es aufgrund von Sicherheitsbedenken schwierig, das Gebäude neu zu isolieren. Die Lösung war ein Außenputz namens Isokalk . Es hat sehr gute Dämmeigenschaften, gleichzeitig bewahren wir die ursprüngliche Fassadenoptik mit verputzten Wänden. Es ist das erste Mal, dass Isokalk in Norwegen in großem Umfang eingesetzt wurde. Wir hoffen und glauben, dass es gut gehen wird, obwohl das Gebäude zum Fjord hin ausgerichtet und Wind und Wetter sehr ausgesetzt ist“, sagt Seilskjær . 

Eine weitere Innovation im Projekt ist die Verwendung von Futurecem , einer Betonart, bei der Teile des klimaintensiven Klinkers im Beton durch gebrannten Ton ersetzt werden. Das Produkt wurde noch nie in Norwegen verwendet , wird aber jetzt auf dem Boden in Skur 38 eingesetzt. Neben den geringen Treibhausgasemissionen im Vergleich zu gewöhnlichem Beton habe Futurecem den Vorteil, dass es reichlich Tonvorkommen gibt . Vermutlich werde Ton künftig in größerem Umfang in Norwegen verwendet, so Seilskjær.

Die BREEAM – Nor Excellent Zertifizierung ist die zweithöchste Zertifizierungsstufe und wird bisher von zehn Prozent der Gebäude der Immobilienbranche erreicht.  BREEAM bewertet umweltfreundliche Gebäude nach neun Kriterien. Jede Maßnahme gibt Punkte und Ergebnisse werden nach Gewichtung erhalten. In Norwegen zählen der Energieverbrauch im Gebäude, der Materialeinsatz sowie Gesundheit und Umwelt zu den wichtigsten Kriterien.

Bei der BREEAM-Zertifizierung für Skur 38 spielte auch eine Rolle, dass alle Parkplätze für die Mitarbeiter verschwanden und durch Fahrradunterstände ersetzt wurden. Bereits 2019 hatte der Hafen von Oslo einen neuen Park auf ehemaligen Parkplätzen angelegt. An der Vorderseite  des Gebäudes wurden die Parkplätze durch grüne Vegetation ersetzt . Der neue Fahrradschuppen verfügt über Ladestationen für Elektrofahrräder und mehr Fahrradabstellplätze, als die Norm der Stadt Oslo vorschreibt.

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