Auch Belgien will Norwegen für Lagerung von Kohlendioxid nutzen

Premierminister Jonas Gahr Støre und der belgische Premierminister Alexander De Croo vereinbarten für den Herbst die Aufnahme von Gesprächen zum Ex- und Import von Kohlendioxid.©Tone Hertzberg / Ministerpräsidentenamt

Stavanger, 29. August 2022. Premierminister Jonas Gahr Støre und der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo trafen sich am Montag in Stavanger, um die Energiekooperation zwischen den beiden Ländern zu konkretisieren. Im Februar hatten Støre und De Croo eine Absichtserklärung (MoU) über eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich Energie und grüne Wende unterzeichnet. Bei ihrem jetzigen Treffen auf der Energiemesse ONS in Hamburg vereinbarten beide Länder die Aufnahme von Gespräche im Hinblick auf ein Abkommen zum Import und Export von CO2. Ein solches Abkommen ist die Voraussetzung für den Transport von Kohlendioxid aus Belgien zur dauerhaften Speicherung auf dem norwegischen Festlandsockel.

Der norwegische Energiekonzern Equinor ASA und der belgische Infrastrukturbetreiber Belgian Fluxys haben ein Projekt gestartet, um den Transport von CO2 in Rohren von der Industrie in Nordeuropa nach Norwegen zur dauerhafte Speicherung auf dem norwegischen Festlandsockel zu bewerten.

„Die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) ist eine wichtige Klimaschutzmaßnahme, die die Emissionen der Industrie reduzieren kann. Ohne eine großflächige Entwicklung von CCS können wir die Klimaziele nicht erreichen. Damit dies kosteneffektiv ist, müssen mehrere Länder in Lösungen zur CO2-Abscheidung investieren. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Belgien in dieser Hinsicht“, sagt Jonas Gahr Støre.

Fluxys, ArcelorMittal Belgium und North Sea Port wollen im Ghenter Teil des Nordseehafens ein frei zugängliches CO2-Speicher- und Verflüssigungszentrum bauen. Das Projekt ist ein Open-Access-CO2-Speicher- und Verflüssigungszentrum in Gent, einem Teil des Nordseehafens. Im August starteten die Beteiligten hierzu eine Machbarkeitsstudie.

Die Inbetriebnahme des Ghent Carbon Hub ist für 2027 geplant. Das aus der Industrie abgespaltene CO2 soll über Schiffe nach Norwegen transportiert werden. Der Ghent Carbon Hub wird über eine Kapazität zur Verarbeitung von sechs Millionen Tonnen CO2 pro Jahr (MTPA) verfügen, was etwa 15 Prozent der belgischen industriellen CO2-Emissionen entspricht.

Das Projekt werde von der umfassenden Erfahrung von Fluxys bei Terminalaktivitäten profitieren, während Fluxys auch ein frei zugängliches CO2-Übertragungs-Backbone in Belgien entwickelt, teilt das Unternehmen mit Der Ghent Carbon Hub ist mit dem CO2-Backbone von Fluxys verbunden und ermöglicht es CO2-Emittenten aus dem Nordseehafengebiet und anderen Industrieclustern, ihr abgeschiedenes CO2 zum Hub oder zu den Wiederverwendungsorten zu transportieren.

Insgesamt haben Norwegen und Belgien Interesse an einer verstärkten Zusammenarbeit rund um die Nordsee und im Energiebereich, insbesondere in den Bereichen Kohlenstoffabscheidung, -transport und -speicherung, Wasserstoff und Offshore-Windenergie.

Parallel zum Treffen der Ministerpräsidenten fand auch ein Treffen der norwegischen und belgischen Industrieunternehmen und Energieakteuren statt.

Lesen Sie auch

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

CCUS braucht Regulierung, Infrastruktur und First Movers