Studie: Solarenergie kann in Norwegen so wichtig werden wie Wasserkraft

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Oslo, 15. August 2022. Norwegen hat das Potenzial, genauso viel Strom mit Sonnenkraft wie mit Wasserkraft zu produzieren. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Consultingfirma Multiconsult Norge AS. Das technische Potenzial für Solarenergie auf Gebäuden und Infrastruktur in Norwegen sei mit der norwegischen Wasserkraft vergleichbar. Solarstrom könne künftig dazu beitragen, große Teile des erhöhten Energiebedarfs in Norwegen zu decken.

Der von Multiconsult für das Cluster Solarenergie erstellte Bericht „Norwegian solar power 2022 – Domestic and export“ zeigt, dass bei Nutzung des gesamten Solarpotenzials auf Gebäuden eine jährlichen Stromproduktion von ca. 66 TWh möglich ist, etwa die Hälfte dessen, was Wasserkraft heute produziert. Rechnet man das Entwicklungspotenzial bereits erschlossener Flächen wie vermeintlich stillgelegte landwirtschaftliche Flächen, Parkplätze und stillgelegte Deponien hinzu, könnten Solaranlagen jährlich insgesamt 199 TWh produzieren. Zum Vergleich: Aktuell beziehen wir jährlich 138 TWh aus Wasserkraft.

„Das Potenzial von Solarstromanlagen auf Gebäuden ist enorm. Das sind Anlagen, die keinen Meter unberührte Natur einnehmen, keinen Lärm machen und nicht optisch verschmutzen. Die Energie wird dort produziert, wo sie verbraucht wird, und reduziert den Netzverlust von Energie, die sonst über weite Strecken transportiert werden müsste“, sagt Trine Kopstad Berentsen, Geschäftsführerin des Clusters Solarenergie.

Nutzt man große Teile des technischen Potenzials auf den Dächern und Wänden der Gebäude, kann allein damit der gesamte erwartete Stromverbrauch von Privathaushalten in Norwegen im Jahr 2030 gedeckt werden, den das norwegische Wasser- und Energiedirektorat NVE auf 39 TWh geschätzt.

Die Berechnungen von Multiconsult zeigen, dass das Potenzial der Solarstromerzeugung weitaus größer ist als die Menge an Energie, die Norwegen verbraucht. „Es ist daher nur eine Frage, wie wir genügend Anlagen entwickeln können, um die benötigte Energie einzufangen“,so Berentsen.

Das größte Potenzial haben der Studie zufolge Einfamilienhäuser, gefolgt vom Gebäudebestand in Fischerei und Landwirtschaft. Auch Büros, Gewerbebauten, Schulen und Sporthallen verfügten über große ungenutzte Flächen für Solarstrom.

Auf Gewerbe- und Industriedächern werden heute in Norwegen immer mehr Solarzellenanlagen in der Megawattklasse errichtet. Das Logistikunternehmen ASKO Norge und der Lebensmittelhändler Rema 1000 sind Beispiele für norwegische Unternehmen, die Solarenergie als Teil ihrer Strategie für einen zunehmend nachhaltigen Betrieb einsetzen.

„Aber hier haben wir auch die größten Herausforderungen, was die Rahmenbedingungen angeht. Die Bauherren sind bereit, Anlagen zu entwickeln, die sowohl das eigene Unternehmen als auch das benachbarte Unternehmen mit neuem erneuerbarem Strom versorgen können. Aber heute muss man die volle Netzmiete und Gebühren bezahlen, um den Strom zwei Meter zum Nachbargebäude zu tragen. Dann lohnt es sich nicht, eine größere Anlage zu bauen, als man selbst benötigt. Sie bauen 10 Prozent statt 100 Prozent aus. Dadurch bleiben große Dachflächen ungenutzt, auf denen wir bereits Infrastruktur aufgebaut haben“, betont Berentsen.

Die Autoren der Studie fordern Sharing-Lösungen, die es rentabel machen, Solarenergie über den eigenen Stromverbrauch hinaus zu entwickeln, damit jeder, der die Möglichkeit hat, ein Solarkraftwerk auf dem Dach bauen und es mit dem Nachbarn teilen kann, der möglicherweise keinen Platz hat. Jetzt stehe ein neuer Vorschlag zur Diskussion, aber das Problem ist, dass die Systemgrenze mit 500-KWp-Anlagen sehr niedrig angesetzt ist und der Strom immer noch nicht mit Ihrem Nachbarn geteilt werden darf, teilt Multiconsult mit. Nun müssten die Akteure weg von technischen Feinheiten und hin zu politischen Ambitionen, sagt Trine Kopstad Berentsen.

Finden Sie hier den Bericht „Norwegische Solarenergie 2022 – Inland und Export“

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