Zehn Jahre alte Holzbrücke in Norwegen eingestürzt – Lkw-Fahrer blieb unverletzt

Die eingestürzte Tretten-Brücke im Gudbrandsdalen. Bereits 2016 brach eine ähnliche Brettschichtholzbrücke in Norwegen zusammen©SVV/Erik Larstuen

Tretten, 15. August 2022. Am morgen des 15. August stürzte die Tretten-Brücke im Gudbrandsdalen ein. Es gab keine Verletzten. Ein Lastwagenfahrer saß in seinem Kipper für über eine Stunde auf der Brücke fest, bevor er per Hubschrauber aus dem Fahrzeug geholt werden konnte. Ein Autofahrer konnte sich selbst befreien. Die Fachwerkbrücke an der Kreisstraße 254 über den Fluss Lågen wurde 2012 im Rahmen des Projekts E6 Øyer–Tretten gebaut. Am 3. Juni 2022 fand nach Angaben der Straßenverwaltung Statens vegvesen eine Einzelinspektion und 2021 eine Hauptinspektion statt. Bereits 2016 ist die Perkolo Brücke eingestürzt – eine ähnliche Brettschichtholzbrücke über die E6 bei Sjoa in Gudbrandsdalen. Der Verband der norwegischen Lkw-Besitzer NLF, Norges Lastebileier-Forbund, fordert nun mehr Anstrengungen für die Instandhaltung norwegischer Straßen und Brücken.

Kürzungen im Staatshaushalt, die die Instandhaltung von Straßen und Brücken betreffen, sollen rückgängig gemacht werden. „Die heutige Regierung und das Parlament können nicht länger mit der Sicherheit der Menschen auf Brücken und Straßen spielen, sondern müssen für einen historischen Schub sorgen, um den enormen Rückstand, den wir auf Bundes- und Kreisstraßen haben, aufzuholen. Wir sprechen von Hunderten von Milliarden Kronen, um Generationen von politischem Missmanagement in diesen Bereichen auszugleichen, sagt Geir A. Mo, CEO von NLF. 

In ihrem jüngsten Bericht State of the Nation 2021 zum Zustand der öffentlichen Gebäude, der Infrastruktur und der öffentlichen Dienstleistungen in Norwegen schätzt die Association of Consulting Engineers (RIF), dass 700 Milliarden NOK für die Instandhaltung und Modernisierung von Kreisstraßen, 300 Milliarden NOK für die Instandhaltung und Modernisierung von Gemeindestraßen und 1.000 bis 1.100 Milliarden NOK für die Instandhaltung und Modernisierung von Nationalstraßen benötigt werden. 

Ein Lkw-Fahrer der Firma Sigurd og Ola Grimstad AS hat den Zusammenbruch der Brücke in seinem Lastwagen erlebt.©NLF

„Diese Brücke ist erst zehn Jahre alt, also erwarte ich hier einen gründlichen Bericht, der die Ursache aufzeigt. Die vorherige Brücke stand dort seit 1895, aber diese neue hat nur zehn Jahre gehalten. Hier riecht es nach Skandal“, sagt Geir A. Mo, Geschäftsführer von NLF. 

Mo findet es besonders besorgniserregend, da dies nicht das erste Mal ist, dass eine Brücke eingestürzt ist. „Wir alle erinnern uns auch an die Skjeggestad-Brücke auf der E18 in Vestfold, die vor einigen Jahren eingestürzt ist. Die Straßendirektion hat kürzlich einen Bericht herausgegeben, aus dem hervorgeht, dass 342 Brücken des National- und Kreisstraßennetzes so stark beschädigt sind, dass sie eine ernsthafte Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen. Das ist sehr ernst“, betont Mo. 

In einem früheren Fall habe die Zeitung VG enthüllt, dass die National Roads Administration seit 2013 gegen die Regeln verstößt, die die gesetzlichen Anforderungen erfüllen müssen, um sicherzustellen, dass norwegische Verkehrsteilnehmer auf sicheren Brücken fahren. Von 16.971 Brücken hätten 1.087 Mängel aufgewiesen, die die Prüfer als „erheblich“ oder „kritisch“ für die Tragfähigkeit oder Verkehrssicherheit bezeichnen, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes der Lkw-Besitzer.

„Die Politiker haben ein Auge zugedrückt und ihre Verantwortung für die Instandhaltung der Straßen nicht übernommen. Wenn es sich um ein Geschäftsgebäude mit dem gleichen schlechten Standard gehandelt hätte, wäre es sofort geschlossen worden. Dies gilt eindeutig nicht für die norwegischen Straßen“, sagt Mo. Lkw-Fahrer würden Leib und Leben riskieren, wenn sie zur Arbeit gehen. 

Die Ergebnisse der Untersuchung zum Zusammensturz der Perkolo Brücke 2016 hat Statens vegvesen in einem Prüfbericht veröffentlicht.

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