Grünen-Chefin Ricarda Lang informiert sich in Norwegen über CCS: Termine hinterließen Fragezeichen

Oslo, 4. August 2022. Die Vorsitzende der Grünen und Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang war auf ihrer Sommertour in dieser Woche auch in Norwegen unterwegs. Sie besuchte das Zementwerk Norcem, eine Tochter der deutschen HeidelbergCement, und die Müllaufbereitungsanlage Klemetsrud nahe Oslo, um sich über den CCS-Prozess (Carbon Capture Storage) zu informieren. Beide Unternehmen sind Teil des Demonstrationsprojektes Langskip der norwegische Regierung, mit dem Erfahrungen zur Abspaltung, zum Transport und zur Speicherung von Kohlendioxid unter dem norwegischen Festlandsockel gesammelt werden sollen. Außerdem sprach Lang mit Staatssekretär Amund Vik vom Ministerium für Öl und Energie und traf sich in der Residenz des deutschen Botschafters mit norwegischen Umwelt-NGOs, um über den Einsatz der CCS-Technologie zu diskutieren. 

Eine Presseinformation zu dieser Reise gab es nicht. Auf Instagram ließ die Grünen-Chefin ihre Fans aber an der Tour teilnehmen und äußerte, was sie in Norwegen bezüglich CCS in Erfahrung gebracht hatte. 

Beim Treffen mit den NGOs kam sie zu dem Schluss: “Die Meinungen zu CCS dort waren sehr unterschiedlich. Einige Vertreter waren CCS gegenüber erst positiv eingestellt. Inzwischen sehen sie aber auch die Gefahr, CCS als Argument vorzuschieben, um einfach weiter zu machen wie bisher. Aber: Forschung und Entwicklung in diesem Bereich dürfen unter keinen Umständen zur Verlängerung der fossilen Verbrennung und der Weiterführung der fossilen Industrie führen.”

Zur Abspaltung von Kohlendioxid im Prozess der Zementherstellung bei Norcem in Brevik schreibt Lang: “Ein teures Verfahren, dessen Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen sind.”  Dies sei auch Inhalt ihrer Sommertour in Norwegen gewesen.

Ihre Beschreibung der Technologie in der Hafslund Oslo Celsio Müllverbrennungsanlage: “Dort wird die Hitze, die bei der Verbrennung gewonnen wird, genutzt, um Gebäude zu heizen. Da Norwegen mit Strom heizt, wird so das Stromnetz entlastet. Außerdem wird auch hier das freigesetzte CO2 wieder eingefangen und gespeichert.” 

Das Resümee ihrer Reise stellt sie auf Instagram so dar: “Die norwegischen Unternehmen sind von ihrer Technologie überzeugt. Unklar ist hingegen, was mit dem gespeicherten CO2 passiert, wenn die zuständigen Firmen pleite gehen sollten. Speicherung ist in meinen Augen nur eine Option, wenn sie viele Jahre sicher ist.“

„Beide Termine gaben spannende Einblicke, hinterließen bei mir aber weiterhin auch Fragezeichen: Der Energieverbrauch all dieser Projekte etwa ist sehr hoch – selbst, wenn wir von Erneuerbaren ausgehen. Deshalb: Forschung und Entwicklung in diesem Bereich dürfen unter keinen Umständen zur Verlängerung der fossilen Verbrennung führen. Das Ziel der Dekarbonisierung steht.”

Ein Interview mit BusinessPortal Norwegen über Ihre Sicht auf CCS nach dem Norwegen-Besuch lehnte die Pressestelle der Grünen ab – aus Kapazitätsgründen.

Finden Sie hier den Instagram-Account von Ricarda Lang.

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