Weniger Studienplätze für Ingenieurausbildung in Norwegen

In diesem Jahr wurden 17.583 Studienplätze an der Technischen Universität NTNU vergeben. 1.394 der Studienplätze befinden sich in Ålesund und 1.964 in Gjøvik. 55,4 Prozent der Studienplätze wurden an Frauen vergeben.©Thor Nielsen / NTNU

Oslo, 25. Juli 2022. Für die Ingenieur- und Bauingenieurausbildung standen in diesem Jahr in Norwegen 300 Studienplätze weniger zur Verfügung als im Vorjahr. Der Norwegische Ingenieur- und Technologieverband NITO fordert, dass die Regierung mehr tut, um in Zukunft genügend Ingenieure auszubilden. Wie der Zulassungsdienst der norwegischen Universitäten und Hochschulen, Samordna opptak, mitteilt, wurden in diesem Jahr insgesamt 121.198 Bewerbern 105.216 Studienplätze angeboten. Das Studium der Gesundheits- und Sozialwissenschaften war besonders begehrt. Insgesamt 19.818 Bewerber erhielten einen Studienplatz in diesem Bereich – 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. 13 Prozent der Bewerber gingen leer aus. Im Vorjahr waren es 20,2 Prozent.

Die Bewerberzahlen liegen inzwischen wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Mehr als die Hälfte aller Bewerber dürfen in diesem Herbst das Studium ihrer Wahl starten – so viele wie nie zuvor.

„Das Interesse an Gesundheitsthemen ist bei den Studierenden nach wie vor groß. Die Regierung hat die Kapazitäten in der Pflegeausbildung gestärkt, und die Bildungseinrichtungen haben die Zahl der Studienplätze leicht erhöht. Aber es gibt noch immer nicht genug Plätze, und ich erwarte, dass sich die Institutionen in Zukunft gezielt für mehr Studienplätze in der Pflege einsetzen“, sagt Forschungs- und Hochschulminister Ola Borten Moe.

Änderungen der Zulassungsvoraussetzungen für die Lehrerausbildung haben dazu geführt, dass 1.038 Studierenden, die mit den nach den Zulassungsbedingungen der vergangenen Jahre keinen Studienplatz erhalten haben, in diesem Jahr auf Lehramt an Grundschulen und die Dozentenausbildung studieren dürfen.

Rekrutierungsprobleme hatten in diesem Jahr die Ingenieurstudiengänge. „Es besteht ein erheblicher Bedarf an Ingenieuren und Technologen im Berufsleben. Außerhalb der großen Städte ist das am schwierigsten, aber auch für ein Ingenieurstudium in Oslo gibt es unbesetzte Studienplätze nach der Hauptzulassung“, sagt Helene Gundersen, Leiterin von NITO Students. Norwegen brauche eine Änderung des Zulassungssystems, da das Land mehr Ingenieure und Technologen brauche. Die Regierung müsse diese Herausforderung ernst nehmen und wirksamere Maßnahmen ergreifen.

Die Zulassungsstelle biete 50 verschiedene Technologiestudiengänge mit vielen attraktiven Studienplätzen im ganzen Land an, aber viele Studienplätze blieben unbesetzt, so dass es der Gesellschaft an Ingenieuren und Technologen fehle. Beispielsweise gebe es 15 Studienplätze im Bereich Elektrotechnik in Narvik, aber nur sechs seien besetzt. Für den Bereich Automatisierung stehen in Stavanger 40 Studienplätze zur Verfügung, aber nur 26 Leute haben sich darum beworben. Darüber hinaus müsse man in Betracht ziehen, dass nicht alle zum Studienstart erscheinen und ihr Studium auch tatsächlich abschließen. Das sei nicht gut für das Arbeitsleben und die Beschäftigung. 

In einer Umfrage unter Arbeitgebern nach dem Bedarf an Absolventen antworten 66 Prozent der, dass sie in drei Jahren mehr Ingenieure brauchen würden als heute, während nur ein Prozent sagt, dass sie weniger brauchen werden. Fast 70 Prozent der Arbeitgeber denken, dass es in Zukunft schwierig sein wird, das benötigte Engineering-Know-how zu bekommen.

In Norwegen ist die Vergabe der Studienplätze für das Erstdiplom, d.h. für Bewerber mit Abitur bis 21 Jahren, in verschiedenen Bereichen an das Leistungsniveau der Bewerber gekoppelt (Punkte). Maßgeblich ist das Abschlusszeugnis, weitere Punkte wie Sprache, Geschlecht, wissenschaftliche Credits werden dazugezählt. Bewerben kann man sich in Norwegen entweder in der Erstdiplomquote oder in der ordentlichen Quote. In der Erstabschlussquote befinden sich in diesem Jahr Bewerber, die in den letzten drei Jahren das Abitur gemacht haben. Das sind die sogenannten „Corona-Kohorten“, bei denen seit mindestens einem Jahr Prüfungen ausgefallen sind. Bewerber im ordentlichen Kontingent treten daher in diesem Jahr nicht im gleichen Kontingent wie die „Corona-Kohorten“ an.

Es sind noch Studienplätze verfügbar. Bewerbungen auf freie Studienplätze sind seit Mittwoch, 20. Juli 2022 möglich.

Das Portal e24.no hat einen Überblick über die anspruchsvollsten Studiengänge in Norwegen zusammengestellt:

Die anspruchsvollsten Studiengänge im Bereich IT- und Technologie bieten die Universität Oslo und die Norwegische Technische und Naturwissenschaftliche Universität NTNU Trondheim.

Das Honours-Programm Science an der Universität Oslo UiO führt die Liste der Technologie- und Wissenschaftsstudien an, die Physik, Astronomie, Mathematik und Informatik, Chemie, Geowissenschaften, Mechanik, Biowissenschaften, Elektronik, Material- und Nanowissenschaften sowie Medizin umfasst.

In Bergen ist der Zugang zum Studium der Medizintechnik für ein Erstdiplom am anspruchsvollsten. An zweiter Stelle folgten Informatik und Wirtschaftswissenschaften.

2.784 Bewerber haben in diesem Jahr einen Studienplatz an der Norwegischen Technischen und Wissenschaftlichen Universität NTNU in Gjøvik erhalten. Viele der Studiengänge haben hohe Notenanforderungen.©NTNU

27 der 40 beliebtesten Technologie- und Wissenschaftsstudiengänge befinden sich an der NTNU Trondheim. In diesem Jahr wurde in Trondheim ein neues fünfjähriges Masterprogramm in Wirtschaft und Verwaltung eingerichtet. Die Zahl der Bewerber ist in diesem Jahr an der NTNU zurückgegangen.

In Trondheim ist Industrieökonomie und Technologiemanagement der NTNU das am schwierigsten zu erreichende Technologiestudium, gefolgt von Nanotechnologie.

Die Gemeinde Ås hat die höchsten Anforderungen an die Bewerber im Bereich Biotechnologie und Industrieökonomie.

Das schwierigste IT-Studium, in das man einsteigen kann, ist Digitale Infrastruktur und Cybersicherheit an der NTNU Trondheim. Es folge Informatik, Digitale Ökonomie und Management an der Universität Oslo.

An der Spitze der IT-Studiengänge haben Bergen, Oslo und Trondheim die Studiengänge mit der höchsten Punktzahl. Fünf der zehn anspruchsvollsten IT-Studiengänge befinden sich an der Universität Bergen. Auf Platz 12 liegt die NTNU Gjøvik mit dem Programm Programmierung.

Fakten: Hochschulzugang 2022

  • In diesem Jahr gibt es 121.198 Bewerber, verglichen mit 137.994 im Jahr 2021. Die Zahl in diesem Jahr entspricht dem Jahr vor der Pandemie (2019) mit 121.018 Bewerber.
  • 105.216 Bewerbern wurde ein Studienplatz angeboten, gegenüber 110.119 im Jahr 2021.
    Im letzten Jahr vor der Pandemie (2019) wurden 99.319 Bewerbern ein Studienplatz angeboten.
  • 60,7 Prozent der Angebote der Bildungseinrichtungen gingen an Frauen, 39,3 Prozent der Angebote an Männer.

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