Wintershall Dea: Carbon Management und Wasserstoff als neue Strategie

Mario Mehren, CEO Wintershall Dea, fordert während der Präsentation der Quartalsergebnisse von der Politik die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für die Anwendung von CCS. V.l.: Kommunikationschef Michael Sasse, Mario Mehren, Finanzvorstand Paul Smith©Screenshot BPN

Kassel/Hamburg, 26. Juli 2022. Der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea AG hat eine neue Strategie. Die Produktion von Erdgas bleibe weiterhin die Priorität des Unternehmens. Carbon Management und Wasserstoff seien jetzt aber das „zweite entscheidende strategische Thema“, teilt Wintershall Dea mit. In einem Media Video Call zur Präsentation der Ergebnisse im zweiten Quartal 2022 sagte CEO Mario Mehren: „Das ist eine neue Strategie für unser Unternehmen, die logisch weiterentwickelt, was wir sind, was wir können und was wir wollen.“ Schrittweise will Wintershall Dea ein komplementäres Geschäft aufbauen, mit dem es in der Lage ist, bis zum Jahr 2040 20 bis 30 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen.

In Wilhelmshaven an der deutschen Nordseeküste will das Unternehmen mit dem Pilotprojekt BlueHyNow schon 2028 umweltfreundlichen Wasserstoff aus Erdgas mit einer Kapazität von über 200.000 Kubikmetern pro Stunde gewinnen. Bei den Vorhaben im Bereich Dekarbonisierung will Wintershall Dea eng mit Norwegen und anderen nordischen Ländern zusammenarbeiten. Allerdings müsse die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von CCS schaffen. Auf die Frage von BusinessPortal Norwegen, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann, da Deutschland den Export von CO2 bis zum heutigen Tag nicht erlaubt, und was dies für die Pläne von Wintershall Dea bezüglich der CO2-Abspaltung und Speicherung bedeutet, sagte Mehren: „Ich wünschte, Sie würden diese Frage direkt an unsere Regierung richten. In Deutschland sitzen wir derzeit in einer Falle: Wir dürfen kein CO2 exportieren, weil wir die Änderung des Londoner Protokolls nicht ratifiziert haben. Die Nutzung von CO2-Speichern in Dänemark oder Norwegen ist gesetzlich nicht erlaubt. Das muss sich ändern, je früher desto besser! Wir müssen Klarheit schaffen, damit Investitionen getätigt werden können. Zweitens ist CCS in Deutschland nicht erlaubt. Derzeit untersuchen wir noch nicht einmal, ob die Möglichkeit groß ist, welche Mengen vor der deutschen Küste gespeichert werden könnten, um mit CO2 umzugehen. Wir können nicht hier in Deutschland sitzen und sagen, wir nehmen die Atomkraft aus Frankreich, kaufen Kohlestrom aus Polen und Ungarn. Ich weiß nicht, was wir mit unserem CO2 machen, wenn wir es nicht exportieren und hier nicht speichern können. Wir deindustrialisieren uns als Land. Dies sind wichtige politische Entscheidungen, die dringend getroffen werden müssen.“

Wintershall Dea hat in den vergangenen drei Jahren 2,8 Milliarden Euro in Norwegen investiert. In diesem Jahr sind drei Produktionsstarts vorgesehen: in den Feldern Nova, Dvalin und Njord. Diese Projekte sollen künftig täglich bis zu 80.000 Barrel Öläquivalent pro Tag liefern, mehr als die Hälfte davon ist Gas.

Während des zweiten Quartals wurden auf einer Reihe der von Wintershall Dea in Norwegen betriebenen Ölfelder Wartungsarbeiten durchgeführt. Trotzdem lagen die Produktionsmengen in diesem Zeitraum um 24 Prozent über den Produktionsmengen im Vorjahresquartal. 

In dem Gebieten Gjøa hat Wintershall Dea neue Öl- und Gasvorkommen in Höhe von 30 bis 50 Millionen Barrel Öläquivalent, und im Gebiet Skarv 25 bis 80 Millionen Barrel Öläquivalent gefunden.

Im zweiten Quartal wurde außerdem ein Vertrag über den Verkauf des Ölfeldes Brage, der gesamten Beteiligung am Ölfeld Ivar Aasen sowie einen Anteil von sechs Prozent an der Nova-Entwicklung unterzeichnet. Der Verkauf unterliegt der üblichen behördlichen Genehmigung und wird voraussichtlich im vierten Quartal 2022 abgeschlossen sein.

Das Snøhvit-Feld, an dem Wintershall Dea beteiligt ist, wurde im Juni 2022 wieder in Betrieb genommen. Nach einem Brand im September 2020 und 18 Monaten umfassender Reparatur- und Verbesserungsarbeiten in der LNG-Anlage Melkøya, in der der Bohrstrom von Snøhvit verarbeitet wird, nahmen die Anlagen die Produktion wieder auf.

Die Entwicklung des Erweiterungsprojekts Snorre schreitet gut und schneller als geplant voran. Das Snorre-Feld soll teilweise mit CO2-neutralem Strom vom schwimmende Offshore-Windprojekt Hywind Tampen versorgt werden. Letztere hat die behördliche Inbetriebnahmegenehmigung erhalten, vier von elf schwimmenden Windturbinen sind installiert.

Ende April 2022 unterzeichnete Wintershall Dea einen Vertrag mit Aker BP zur Übernahme verschiedener Produktionslizenz. Diese Transaktion stärke die Position von Wintershall Dea im Gebiet Skarv. Der Deal steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung, der Abschluss wird im 3. Quartal 2022 erwartet.

Dank der hohen Rohstoffpreise ist die operative Entwicklung der Wintershall Dea weiterhin robust, teilt das Unternehmen mit. Die finanzielle Performance liegt auf dem Niveau des ersten Quartals 2022. „Diese gute Basis ermöglicht es uns, weiter zu investieren – in Diversifizierung und Dekarbonisierung – um auf Kurs zu bleiben“, sagte Mehren.

Im zweiten Quartal 2022 betrug der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten (Ebitdax) 1,8 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 636 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich von 62 Millionen Euro im zweiten Quartal 2022 auf 668 Millionen Euro in diesem Jahr.

Wintershall Dea ist weiterhin an drei Joint Ventures in Russland beteiligt: Achimgaz, Severneftegazprom and Achim Development. Über 50 Prozent seiner Öl- und Gasproduktion Produktion realisiert das Unternehmen in Russland. Wie Mehren erklärte, beabsichtige man nicht, sich aus Russland zurückzuziehen. Schließlich hätte man eine Verantwortung gegenüber dem eigenen Unternehmen und den Mitarbeitern in Russland.

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