Lachsparasit Gyrodactylus salaris in Norwegen bald ausgerottet

Lachsfischen ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung in Norwegen. Der Angeltourismus boomt. Jährlich kommen etwa 75.000 Lachsfischer zu den norwegischen Flüssen. ©Helge Dyrendal.

Oslo, 8. Juni 2022. Nach 40 Jahren des Kampfes ist der Lachsparasit Gyrodactylus salaris bald aus den norwegischen Flüssen verschwunden. Das teilte die norwegische Umweltbehörde Miljødiretoratet mit. „Wir befinden uns in der Endphase der Arbeit zur Bekämpfung des Lachsparasiten Gyrodactylus salaris und nähern uns dem Ziel, ihn auszurotten. In den beiden Regionen Driva und Drammen müssen noch acht infizierte Wasserläufe behandelt werden. 43 von insgesamt 51 infizierten Gewässern wurden behandelt. 39 Wasserläufe werden für gesund erklärt, während vier darauf warten, gesund zu werden“, sagt Ellen Hambro, Direktorin der norwegischen Umweltbehörde.

Der tödliche Lachsparasit wurde vor fast 50 Jahren über infizierte Lachse eingeschleppt, die von Schweden nach Norwegen gewandert waren. Seit über 40 Jahren arbeiten die Behörden daran, den Schaden für die norwegischen Lachsbestände zu begrenzen.

In infizierten Gewässern war die Lachspopulation vom Aussterben bedroht, was sich auch negativ auf das übrige Ökosystem auswirkte und die Erholungs- und Angelmöglichkeiten stark einschränkte. 

Ohne Maßnahmen hätte sich der Parasit auf immer neue Gewässer ausgebreitet, erklärt die Umweltbehörde. In befallenen Flüssen sterben fast alle jungen Lachse. Damit sei die lokal angepasste Lachspopulation im Fluss nach einigen Jahren vom Aussterben bedroht.

Ein Bericht zur Bekämpfung des Parasiten des Norwegischen Institutd für Naturforschung (Nina) bewertet die langfristige Arbeit zur Ausrottung des Gyrodactylus salaris sowohl national als auch international als großen Erfolg.

Die Behörden haben insgesamt 1,1 Milliarden NOK für die Erforschung, Überwachung und Kontrolle von Gyrodactylus salaris sowie für die Wiederherstellung der Fischbestände nach der Behandlung der Flüsse investiert. Dem Bericht zufolge sei der sozioökonomische Gewinn vier- bis zehnmal höher als die Kosten für die Bekämpfung des Lachsparasiten.

Zur Bekämpfung des Lachsparasiten Gyrodactylus salaris wurde in Norwegen in erster Linie das Insektizid Rotenon eingesetzt. 38 von 39 Wasserläufen wurden mit Rotenon behandelt. Die Verwendung von Rotenon sei umstritten, da es neben dem Lachsparasiten auch die Fische tötet, teilt die Umweltbehörde mit. Der Bericht zeige aber, dass die Behandlung mit Rotenon sehr erfolgreich war. Es habe den Parasiten aus infizierten Flüssen ausgerottet und eine weitere Ausbreitung verhindert, sodass die einheimischen Lachsstämme wieder aufgebaut werden konnten. Rotenon-Behandlungen hätten auch dafür gesorgt, dass das große Leid, das der Parasit den jungen Lachsen in allen betroffenen Flüssen zugefügt hat, beendet wurde. Es sei nicht bewiesen, dass Arten infolge der Rotenon-Behandlung verschwunden sind.

Parallel zum Einsatz von Rotenon wurden neue Methoden entwickelt, die den Parasiten abtöten, ohne den Fisch zu töten. Eine dieser Methoden sei die Zugabe von saurem Aluminium in Kombination mit geringen Mengen Rotenon. Diese Methode wurde in Lærdalselva eingesetzt. Das Verfahren sei anspruchsvoll und stelle hohe Anforderungen an die Wasserqualität der zu behandelnden Flüsse.

Ein weiteres und noch neues Verfahren basiert auf der Verwendung einer Chlorverbindung. Die Methode habe sich in Tests als sehr vielversprechend erwiesen und soll 2022 und 2023 erstmals in zwei Flüssen in der Driva-Region zur Bekämpfung eingesetzt werden.

In Norwegen leben in mehr als 400 Flüssen etwa 25 Prozent aller atlantischen Lachsbestände. Heute steht der Wildlachs auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. 

„Die Geschichte des Lachsparasiten ist ein eklatantes Beispiel dafür, welche negativen Auswirkungen Ortswechsel von Fischen auf Ökosysteme haben kann. Trotz der Tatsache, dass Gyrodactylus salaris in Norwegen wahrscheinlich bald ausgerottet sein wird, geht der Kampf weiter, um Wildlachs vor anderen Bedrohungen wie dem Klimawandel, Lachsläusen und der gebietsfremden Art Buckellachs zu schützen“, sagt Hambro.

Finden Sie hier Fakten über den Lachsparasiten Gyrodactylus salaris.

Finden Sie hier den Bericht des Naturforschungsinstituts zur Bekämpfung der Lachsparasiten (in norwegischer Sprache).

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