Die Hälfte der Seen in Norwegen in schlechtem ökologischen Zustand

Akersvannet in Vestfold wird für die landwirtschaftliche Bewässerung genutzt und ist ein wichtiges Gebiet für Freizeit- und Sportfischer. 
Toxinproduzierende Cyanobakterien haben hier in den vergangenen Jahren stark zugenommen.©Miguel Angel Segarra Valls / Wassergebiet Horten-Larvik

Oslo, 6. Juli 2022. In zahlreichen Seen in Norwegen wachsen die Algen zu schnell. Für einen Bericht des Norwegischen Instituts für Wasserforschung NIVA, den die norwegische Umweltbehörde Miljødirektorat in Auftrag gegeben hat, wurde 366 Seen mit Algenblütengefahr untersucht. Die Hälfte der 366 Seen weise immer noch zu viel Algenwachstum auf und befindet sich somit ein einem schlechten ökologischen Zustand. Die meisten dieser Seen liegen in den Niederschlagsgebieten, die in den Oslofjord münden, sowie in den Wasserregionen Rogaland und Vestland. Der Klimawandel mit wärmerem Wasser und mehr Starkregen könnte die Algenprobleme weiter verschärfen.

„Die norwegische Umweltbehörde ist besorgt, dass wir trotz Maßnahmen in den Bereichen Abwasser und Landwirtschaft keine ausreichende Verbesserung der Seen sehen“, sagt Ellen Hambro, Direktorin der norwegischen Umweltbehörde.

Die Nährstoffe Phosphor und Stickstoff aus Abwasser und Landwirtschaft sind wichtige Quellen für Algenblüten in norwegischen Seen, die sowohl für das Trinkwasser als auch für Badegewässer, Fische und andere Lebewesen im See schädlich sein können, teilt die Behörde mit.  

Maßnahmen für mehr saubere Seen sei die Verbesserung der Kanalisation in einzeln stehenden Gebäuden und die Verringerung der Düngung und des Herbstpflügens in der Landwirtschaft, heißt es im Bericht. Naturbasierte Lösungen wie das Pflanzen von Sträuchern und Bäumen entlang von Wasserläufen würden unter anderem auch die Erosion verringern und verhindern, dass Phosphor und Stickstoff ins Wasser gelangen.

„Um die Zufuhr von Phosphor zu reduzieren, der am meisten zum Algenwachstum beiträgt, muss die Gemeinde für eine bessere Abwasserbehandlung in Haushalten sorgen, die nicht an das öffentliche Abwassernetz angeschlossen sind, und dafür sorgen, dass die kommunalen Kläranlagen gut genug reinigen“, sagt Umweltdirektorin Ellen Hambro.  

Der hohe Phosphorgehalt in landwirtschaftlich genutzten Böden trage dazu bei, dass mehr Phosphor in die Gewässer gelangt und Algenwachstum erzeugt. Neben der Reduzierung des Herbstpflügens sei es notwendig, den Einsatz von phosphorhaltigem Vieh- und Mineraldünger in der Landwirtschaft stark zu reduzieren. „Wenn wir nicht deutlich weniger düngen, als die Pflanzen aufnehmen, wird Phosphor in landwirtschaftlichen Böden weiterhin die Algen in unseren Seen ernähren und den Auswirkungen kostspieliger Maßnahmen entgegenwirken“, so Hambro. 

In 125 Seen untersuchten die Forscher die Entwicklung von Phosphor und Algenwachstum über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Während 70 Seen weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung zeigten, ist bei 22 der Seen eine Verschlechterung eingetreten. Dazu gehören Seen in Follo, Indre Oslofjord Vest, auf Hadeland, einzelne Seen rund um den Mjøsa-See und in den Wassergebieten Aulivassdraget, Horten-Larvik und Numedalslågen in Vestfold und Telemark. Der Mjøsa-See selbst befinde sich trotz erhöhter Algenmengen in diesem Jahr in einem guten ökologischen Zustand, teilt das Norwegische Institut für Wasserforschung mit.

In 33 Seen gibt es eine Verbesserung, indem entweder weniger Algenwachstum, weniger Phosphor oder weniger von beidem vorhanden sind. Etwa 15 dieser Seen befinden sich entweder im Halden-Wasserlauf, im Vansjø-Hobølv-Wasserlauf oder auf Jæren.

Bei Kolbotnvannet in Nordre Follo empfiehlt die Gemeinde, wegen der Verbreitung von Cyanobakterien nicht zu baden.©Miljødirektorat

„In diesen Wassergebieten werden seit vielen Jahren gezielte Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise der Einsatz besserer Kläranlagen, reduzierter Herbstpflug und Umweltverträge zwischen Landwirten und Behörden zur reduzierten Phosphordüngung in der Landwirtschaft. Das zeigt, dass Abwasser- und Landwirtschaftsmaßnahmen funktionieren und dass sie gleichzeitig und umfassend umgesetzt werden sollten, um zu wirken“, sagt Ellen Hambro. Sie betont, dass bis einem guten Zustands vieler Seen noch ein weiter Weg zu gehen sei, auch wenn es eine Verbesserung gegeben habe. 

In 182 der Seen wurde untersucht, wo sich viele potenziell giftige Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, befinden. Solche Blüten von Cyanobakterien wurden in 30 Seen gefunden.

„Es ist sehr gravierend, wenn die Entwicklung so weit gekommen ist, dass giftige Cyanobakterien das Ökosystem zerstören und dazu führen, dass Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht schwimmen und den Sommer nicht genießen können“, sagt Hambro.

Beispielsweise wurden Badestrände am Mjøsa-See sowohl 2019 als auch 2021 aufgrund starker Cyanobakterien-Blüten geschlossen. In Hålandsvatnet in der Nähe von Stavanger habe es seit 2005 jeden Sommer giftige Cyanobakterien gegeben. Haustiere seien gestorben, nachdem sie giftiges Wasser getrunken hatten. Im vergangenen Jahr seien zwei Hunde nach dem Schwimmen in Akersvannet in Vestfold verendet, teilt die Umweltbehörde mit. Sowohl bei Menschen als auch bei Tieren sei dokumentiert, dass Toxine aus Cyanobakterien das Nervensystem und die Leber schädigen und im schlimmsten Fall zum Tod führen können.

„Wir haben diesen Bericht als Teil der verstärkten Bemühungen der Regierung zur Bekämpfung der Überdüngung in Auftrag gegeben. Unter anderem werden wir damit Bereiche aufzeigen, in denen Maßnahmen besonders wichtig sind“, sagt Hambro.

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