Norwegen und die EU wollen Problem des Batterie-Zolls lösen und gemeinsame Rohstoff-Projekte unterstützen

Handels- und Industrieminister Jan Christian Vestre, 4.v.l., und Vizepräsident der Europäischen Kommission Maroš Šefčovič, 3.v.l.,bei der Besichtigung des Batterie-Recyclingwerkes Hydrovolt in Fredrikstad. ©NFD

Oslo, 26. Juni 2022. Elektroautos, die ab 2027 in der EU oder in Großbritannien hergestellt und exportiert werden, müssen entsprechend des nach dem Brexit vereinbarten Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritanniens Batterien enthalten, die innerhalb des Vereinigten Königreichs oder der EU hergestellt werden. Ist das nicht der Fall, werden die Autos mit einer Zollsteuer von zehn Prozent belegt. Diese Regelung benachteiligt Batterieproduzenten in Norwegen und soll so schnell wie möglich vom Tisch. In einer gemeinsamen Erklärung zur Zusammenarbeit bei Batterien und Rohstoffen, die Industrieminister Jan Christian Vestre und der Vizepräsident der Europäischen Kommission Maroš Šefčovič jetzt in Oslo unterzeichneten, wurde zumindest vereinbart, weiter an den Herausforderungen zu arbeiten, die mit dem Batteriezoll auf norwegische Autobatterien verbunden sind. Im Gegenzug hofft Brüssel, dass Norwegen einige der seltenen Mineralien liefern kann, die für die Herstellung von Batterien benötigt werden.

In der Erklärung heißt es: „Die beiden Vertragsparteien werden die Anwendung der im Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich festgelegten Ursprungsregeln für Batteriepacks und Batteriezellen norwegischen Ursprungs erörtern, die in Elektrofahrzeugen eingebaut sind, die in der EU und im Vereinigten Königreich hergestellt und zwischen ihnen gehandelt werden.“

Darüber hinaus wird Norwegen die Teilnahme an den Treffen des Ministerrates für die Europäische Batterieallianz gestattet, die 2017 gegründet wurde und der mehr als 700 Industrie- und Forschungsinstitutionen angehören. Über die European Battery Alliance werden über hundert Industrieprojekte in der gesamten EU gefördert, darunter etwa 20 Giga-Factories.

Wie Šefčovič in einer Pressekonferenz erklärte, habe sich Europa mit Investitionen von rund 130 Milliarden Euro entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu einem globalen Batterie-Hotspot entwickelt, der bis 2030 jährlich genug Batterien für elf Millionen Autos produzieren soll. Damit wäre Europa die Nummer zwei der Welt.

Šefčovič hob Norwegens Alleinstellung bei der Verfügbarkeit kritischer Rohstoffen hervor. „Wir werden neue Geschäftsmöglichkeiten erkunden, Rohstoffprojekte schmieden und Forschung und Innovation vorantreiben, unter anderem durch eine Reihe gemeinsamer Veranstaltungen“, sagte der Vizekommissar. „Um unserer übermäßigen Abhängigkeit von Importen kritischer Rohstoffe aus Drittländern wie China entgegenzuwirken, beabsichtigt die Kommission, einen innovativen Rechtsakt als Teil ihres umfassenderen Pakets zu kritischen Rohstoffen vorzulegen.“ Die Kommission sei bereit, im Vorfeld der Annahme des Legislativvorschlags zu kritischen Rohstoffen auch mit norwegischen Experten zusammenzuarbeiten.

Der Verbrauch von Lithium , einer Schlüsselkomponente für die Elektromobilität, wird in der EU bis 2050 voraussichtlich um 3.500 Prozent zunehmen. Chile hält derzeit 40 Prozent der weltweiten Lithiumvorkommen, während China 45 Prozent der weltweiten Lithiumraffineriekapazitäten beherbergt.

Beide Seiten wollen gemeinsam mit der Geschäftswelt die Möglichkeiten zur Entwicklung gemeinsamer Batterie- und Rohstoffprojekte in Norwegen und der EU prüfen. Die Parteien wollen auch Mineral- und Rohstoffvorkommen kartieren und bewährte Verfahren fördern, wie die Ressourcen nachhaltig genutzt werden können.

Schließlich wird sich Norwegen der European Battery Academie anschließen –  einem Netzwerk von Bildungseinrichtungen, das im Februar ins Leben gerufen wurde.

Die gemeinsame Erklärung ist Teil der grünen Umstrukturierungskooperation Green Alliance zwischen Norwegen und der EU, die Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Februar dieses Jahres in Brüssel vorstellten.

Finden Sie hier die gemeinsame Erklärung.

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