ILA 2022: Norwegische Unternehmen als Zulieferer in der Luft- und Raumfahrt weltweit erfolgreich

Manuel Kliese und Simon Flack von Innovation Norway vor dem Tarnkappen-Jet F-35A, in dem viel norwegisches Know-How steckt.©BPN

Berlin, 23. Juni 2022. Bei der Eröffnung der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin stellte sich Bundeskanzler Olaf Scholz vor dem F-35 Tarnkappen-Jet in Pose. Das Foto wurde in vielen Medien veröffentlicht. Für Manuel Kliese, Defence Industry Coordinator Europe, und Simon Flack, Special Advisor, Space Industry Coordinator der norwegischen Wirtschaftsförderagentur Innovation Norway, war es daher ein Vergnügen, sich an der selben Stelle fotografieren zu lassen. Denn in diesem Kampfflugzeug steckt jede Menge norwegisches Know-how. 

Es sind nicht die großen Teile, mit denen sich Norwegen im Bereich Luft- und Raumfahrt präsentieren kann. Das Produktportfolio besteht größtenteils aus Subsystemen, die auf vielen Plattformen integriert werden können. Kabel, Elektrik, Hydraulik, Antennen, Waffensysteme, Munition, Kommunikationssysteme, Unterwasser-Technologie, Künstliche Intelligenz und Software jeder Art – das sind die Produkte, die in den etwa 160 meist kleinen Firmen der Verteidigungsindustrie in Norwegen hergestellt werden. Mit dieser Palette erwirtschaftet die Branche etwa 2,5 Milliarden US-Dollar jährlich. 70 Prozent der Produkte und Dienstleistungen werden exportiert. Damit gehört das Land zu den 20 größten Exporteuren von Verteidigungsgütern weltweit. Die USA sind mit Abstand der größte Abnehmer.

V.l.: Manuel Kliese, Torbjørn Svensgård, Generalsekretär des Branchenverband Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie FSi, und Simon Flack vor dem norwegischen Gemeinschaftsstand zur ILA©BPN

Die Verteidigungsindustrie hat einen deutlich höheren F&E-Anteil als andere Industriebranchen Norwegens. Fünf Prozent der gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung der Wirtschaft fließen in die Verteidigungsindustrie. 

So unscheinbar wie die Produkte selbst, so bescheiden präsentierte sich der norwegische Verband der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie, der Forsvars- og sikkerhetsindustriens forening FSi, auf der diesjährigen ILA in Berlin. Zwölf Unternehmen nahmen an der norwegischen Gemeinschaftsausstellung teil. Zu sehen gab es außer Video-Präsentationen auf Bildschirmen nicht viel. Lediglich ein Modell der JSM Joint Strike Missile und ein Modell aus dem Programm Protector Remote Weapon Systems waren am Stand des  Kongsberg-Konzerns zu betrachten. KONGSBERG ist der weltweit führende Anbieter von Remote Weapon Systems (RWS) und Raketensystemen. Bis heute hat der Konzern mehr als 20.000 PROTECTOR Remote Weapon Systems an 28 Nationen geliefert. 

Als zweiter großer bekannter Konzern stellte Thales auf dem norwegischen Stand aus. Die norwegische Tochter ist ein bedeutender Technologielieferant für Verteidigung, Raumfahrt, Avionik, digitale Identität und Sicherheit.

Kurz vor der Messe hatten Kongsberg Defence & Aerospace und Thales eine langfristige strategische Vereinbarung unterzeichnet, in der es um die Fortsetzung und den Ausbau der über 30-jährigen Geschäftsbeziehung und langjährigen Zusammenarbeit geht. Beide Unternehmen wollen ihre globalen Marktsegmente für Marine, Land, Luft- und Raumfahrt, Raumfahrt und Cyber ausbauen. 

Ellen Catahrine Andersen, CEO, und Michael Eimstad, Vice President Sales & Marketing, des Unternehmens EPiGuard©BPN

Kleiner, aber in seinem Segment nicht weniger erfolgreich als die Weltkonzerne Kongsberg und Thales, ist das Unternehmen EPiGuard AS. Es stellt Shuttle her, die für den schnellen und einfachen Transport hochinfektiöser und gefährdeter Patienten konzipiert sind. Wie CEO Ellen Catherine Andersen berichtet, wurde beispielsweise Alexej Nawalny mit einer solchen Infektionseinheit nach seinem Giftanschlag in Russland in die Klinik nach Berlin gebracht. Das Unternehmen mit Sitz in Oslo und einer Produktionsstätte in Fredrikstad verkauft 70 Prozent seiner Shuttle ins Ausland. 

Karen B. Malmberg, Sales & Marketing, Antenna Div., der Comrod AS©BPN

Die Firma Comrod Communications AS, Stavanger, ein Tochterunternehmen des amerikanischen Konzerns Comrod Inc., bietet Antennen, Antennensystemen und Stromversorgungen hauptsächlich für den Verteidigungsmarkt, aber auch für maritime und kommerzielle Anwendungen. Einzigartig macht das Unternehmen vor allem die Tatsache, dass seine Produkte zertifiziert sind und als Unterlieferant für Armeen und Hersteller von Verteidigungsprodukten weltweit in Frage kommen. 

“Die Tatsache, dass die norwegischen Hersteller im Bereich der Verteidigungsindustrie sehr hohe Qualität anbieten und damit in vielen Ländern die notwendigen Zertifizierungen erhalten, macht sie so erfolgreich“, erklärt Manuel Kliese. Die gemeinsame deutsch-norwegische Beschaffung von U-Booten habe in der Öffentlichkeit viel Beachtung gefunden, erklärt Kliese weiter. Die Kooperation zwischen Deutschland und Norwegen im Bereich Luft- und Raumfahrt sei nicht minder umfangreich und für die norwegische Industrie von Bedeutung.

Ein ganz großes Vorhaben sei die Zusammenarbeit zwischen dem bayerischen Unternehmen Isar Aerospace und dem norwegischen Weltraumbahnhof Andøya Space. Isar Aerospace, ein Hersteller von Trägerraketen für den Transport kleiner und mittlerer Satelliten, will den Startplatz auf der Insel Andøya im Norden Norwegens nutzen, um kleine Satelliten ins All zu transportieren. Am 22. Juni, dem Eröffnungstag der ILA, schloss Isar Aerospace mit dem italienischen Raumfahrtinfrastruktur-Pionier D-Orbit einen Vertrag über Startdienstleistungen. Die von Isar Aerospace entwickelte Trägerrakete Spectrum für kleine und mittlere Satelliten und Satellitenkonstellationen wird den D-OrbitSatellitenträger ION mit einem Launchtermin beginnend ab 2023 als primären Kunden vom Startplatz in Andøya in eine sonnensynchrone Umlaufbahn bringen. Damit werde ein neues, spannendes Kapitel der deutsch-norwegischen Zusammenarbeit im Bereich Luft- und Raumfahrt aufgeschlagen, so Kliese.

Zwar geht es auch hier um kleine Satelliten, aber sichtbarer als verbaute Kabel oder Hydraulikeinrichtungen in Kampfjets sind sie allemal. JF

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