Kein Ende des Desasters mit spanischen Triebzügen für Flughafenexpress Flytoget

Vier der 2021 außer Betrieb gestellten Hochgeschwindigkeitszüge Oaris des spanischen Herstellers CAF sind noch immer nicht einsatzfähig, werden als Expresszug zum Flughafen Oslo aber dringend gebraucht.©CAF/ Flytoget

Oslo, 17. Juni 2022. Die norwegische Expresszug Flytoget fährt von Drammen zum Flughafen Oslo Gardermoen. Für diesen Transfer benutzen 70 Prozent der Passagiere die Eisenbahn. Das ist der höchste Anteil in Europa, den sich Flytoget mit dem weniger häufig verkehrenden, normalen Personenzug des Unternehmens Vy (ehemals NSB) teilen muss. 

Flytoget war der erste Besteller von acht Triebzügen der Reihe Oaris des spanischen Herstellers Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) im Auftragswert von 118 Millionen Euro. Die vierteiligen, für 250 km/h ausgelegten Einheiten werden in Norwegen als Type 78 bezeichnet. Die Fahrzeuge verfügen über 238 Sitzplätze und zehn Klappsitze sowie zwei Toiletten, wovon eine für mobilitätsbehinderte Personen ausgelegt ist. Ein Wagen pro Einheit ist als Niederflurwagen gefertigt. Die Fahrzeugbreite von 3,3 Meter nützt das großzügige skandinavische Lichtraumprofil aus. 

Nach zwei Jahren verspäteter Ablieferung konnten am 5. Juni 2021 vier Oaris-Flugzüge den fahrplanmässigen Betrieb endlich aufnehmen. Doch schon nach zwei Wochen mussten die Einheiten wegen Rissen in den Drehgestellen und an den Wagenkästen außer Betrieb gesetzt werden. Bei diesem Zustand ist es seit einem Jahr geblieben. Der CAF ist seit Juni 2021 nicht gelungen, die Oaris in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen oder einen verbindlichen Termin für die Inbetriebnahme anzugeben. Das spanische Unternehmen hat Flytoget bisher für die zusätzlichen Kosten entschädigt, die sich aus den Fehlern und der Verzögerung ergeben. Während der Corona-Pandemie hat die bestehende Flotte von 16 Triebzügen der Reihe 71 von ADtranz noch ausgereicht. Doch jetzt, da die Flugreisen wieder zugenommen haben, werden die neuen, inzwischen drei Jahre verspäteten Oaris dringend gebraucht. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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