Produktionsstopp der LNG-Anlage Hammerfest bescherte Norwegen 2021 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen

Die LNG-Anlage Hammerfest stand von September 2020 bis Juni 2022 wegen Reparaturarbeiten nach einem Brand still. ©Einar Aslaksen / Equinor ASA

Oslo, 8. Juni 2022. Die Treibhausgasemissionen in Norwegen sind nach vorläufigen Zahlen der Statistikbehörde SSB im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Dies entspricht einem Rückgang von 49,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Einer der Hauptgründe für den Rückgang der Treibhausgasemissionen im Jahr 2021 sieht Statistik Norway darin, dass die Verarbeitungsanlage Hammerfest LNG seit dem Brand im Jahr 2020 bis Anfang Juni 2022 geschlossen war und keine Treibhausgase ausgestoßen hat.

Im vergangenen Jahr waren die Treibhausgasemissionen sogar um 3,5 Prozent gesunken. Dies wurde neben der geschlossenen LNG-Anlage auch auf die Folgen der Corona-pandemie zurückgeführt.

1 Die im Juni veröffentlichten Zahlen sind vorläufig. Endgültige Zahlen werden im November veröffentlicht.
2 Die in CO2-Äquivalenten angegebenen Treibhausgasemissionen zeigen, wie viel Heizwirkung ein Treibhausgas hat, umgerechnet auf die Menge an CO2.©SSB

Gegenüber 1990 weisen die vorläufigen Zahlen für 2021 einen Rückgang um 4,5 Prozent aus. Ziel der norwegischen Regierung ist es, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken.

Starker Rückgang der Öl- und Gasförderung

Die Schließung der LNG-Anlage Hammerfest hat zu einer deutlichen Reduzierung der Emissionen aus der Öl- und Gasförderung um 7,9 Prozent von 2020 bis 2021 beigetragen.

„Im Regal gab es 2021 eine höhere Produktion im Vergleich zum Vorjahr, ohne dass es zu entsprechend höheren Emissionen kam. Erklären lässt sich dies durch die erhöhte Produktion auf dem Ölfeld Johan Sverdrup, das an Landstrom angeschlossen ist“, sagt Trude Melby Bothner von der Statistikbehörde.

Zuwachs aus Straßenverkehr, Industrie und Landwirtschaft

Statistics Norway unterteilt die Treibhausgasemissionen in acht Hauptquellen. Fünf dieser Hauptquellen verzeichneten im Jahr 2021 einen deutlichen Anstieg der Emissionen im Vergleich zu 2020.

„Trotz eines leichten Rückgangs der Treibhausgasemissionen insgesamt hatten mehrere Sektoren im vergangenen Jahr erhöhte Emissionen. Nach dem Rückgang im Jahr 2020 sei 2021 ein Anstieg des Straßenverkehrs, der Industrie und der Energieversorgung zu verzeichnen. Dies sei eine Folge der wieder gestiegenen Aktivität in der Gesellschaft“, so Bothner.

Die Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs sind von 2020 auf 2021 um 3,8 Prozent gestiegen. Dies ist sowohl auf den höheren Absatz von Autodiesel zurückzuführen als auch darauf, dass dem Kraftstoff weniger Biodiesel beigemischt wurde.

Die Emissionen aus Industrie und Bergbau stiegen um drei Prozent. Es gab eine Produktionssteigerung in der Ölraffination, der Aluminiumindustrie, den Ferrolegierungen und der Holzverarbeitung. Die Emissionen aus der Energieversorgung, die Gaskraft, Fernwärme und Müllverbrennung umfasst, stiegen um 4,6 Prozent.

Durch mehr Milchkühe und Mutterkühe im Jahr 2021 stiegen die Emissionen aus der Landwirtschaft um 1,7 Prozent. Dies sei auf eine Produktionsausweitung infolge der erhöhten Nachfrage nach Milch und Fleisch in der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem sei der Verkauf von Mineraldüngern gestiegen, was ebenfalls zu erhöhten Emissionen beigetragen habe, sagt Trude Melby Bothner.

Die Umweltorganisation Bellona ist über die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Norwegen empört. „Ich habe es satt, dass keine Regierung oder kein Parlament die Klimakrise ernst nimmt. Die Zahlen von Statistics Norway zeigen, dass die Treibhausgasemissionen im letzten Jahr tatsächlich gestiegen sind“, sagt Hallstein Havåg, Geschäftsführer der Bellona-Umweltstiftung.

Tatsächlich würden die Treibhausgasemissionen zunehmen, heißt es in einer Pressemitteilung. Ohne eine Abschaltung von Hammerfest LNG, die jetzt wieder in vollem Gange ist, wären die norwegischen Emissionen im Jahr 2021 um fast eine Million Tonnen CO2 gestiegen.

„Die Reduzierung der Emissionen im Jahr 2020 war ein Bluff, verbunden mit der Pandemie und dem Shutdown. Jetzt sehen wir, dass sich die Emissionen schnell erholen, und bei diesem Tempo ist es schwierig, etwas anderes zu schließen, als dass die norwegische Klimapolitik erschreckend ineffizient ist“, sagt Havåg. Er glaubt, dass es dringender denn je ist, mit einer funktionierenden Politik zu beginnen.

„Die Regierung muss erkennen, dass das, was getan wird, nicht ausreicht. Norwegen muss jährlich fast sieben Prozent, etwa 3,5 Millionen Tonnen CO2, einsparen, um das Ziel für 2030 zu erreichen. Es ist möglich, aber es sind energische Maßnahmen erforderlich“, sagt Havåg.

Das Tempo der Elektrifizierung des Verkehrs und anderer fossiler Verbrauchsmaterialien müsse zunehmen, und der Fokus müsse auf die CO2-Abscheidung und -Speicherung ausgeweitet werden. Die Industriegruppe Process 21 habe selbst fünf Millionen Tonnen identifiziert, die pro Jahr abgeschieden und gespeichert werden können, jetzt würden Förderprogramme für die CO2-Abscheidung und den Bau von CO2-Speichern gebraucht. Und die Abscheidung von CO2 bei Hammerfest LNG sollte jetzt umgesetzt werden, so Havåg.

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