Erster Transport von Narvik nach China über südliche transkaspische Route gestartet

Die Vectron 243.117 von Hector Rail zieht den ersten Containerzug von Narvik nach Helsinki durch die Wälder entlang der Haparandabanan. Ein Teil der Fracht wird China um Russland herum auf der Schiene und auf dem Seeweg erreichen.©Mikael Lundberg

Narvik, 30. Mai 2022. Seit langer Zeit angekündigt, war es am 29. Mai endlich soweit: Im norwegischen Narvik wurde der erste Ganzzug von Narvik über Haparanda und Tornio nach Finnland abgefertigt. Von dort geht es über Helsinki weiter nach China. Wegen der EU-Sanktionen gegen Russland reisen die für China bestimmten Container von Finnland über Polen, Rumänien, Aserbaidschan und Kasachstan teils auf der Schiene, teils auf dem Seeweg um Russland herum. Noch am 1. Mai hatte Bane Nor angekündigt, dass der Zug vor allem Fisch transportieren soll. Doch der Fischtransport ist wegen der längeren Transportdauer derzeit nicht realisierbar. So nutzt nun die Finnfjord AS die neue Route für den Transport von Ferrosilizium für Empfänger in Finnland, im Baltikum und in China.

Geplant sind zu Beginn zwei bis drei Züge im Monat. Bisher wurde das Ferrosilizium gänzlich auf dem Seeweg nach China transportiert. Norwegen ist ein bedeutender Produzent von Ferrosilizium – einer Legierung aus Silizium und Eisen. Es dient als wichtiger Zusatzstoff bei der Herstellung von Stahlprodukten. Die Finnfjord AS als der Absender der Transporte bezeichnet die Kombination von Schienen- und Schiffstransporten von Norwegen nach China als Versuch, der sich bewähren muss.

Geplant wurde ein Transportkorridor von Narvik durch Finnland, Russland und Kasachstan nach China bereits vor zehn Jahren von den USA und Kanada. Das FBI hatte in Narvik schon die Sicherheitslage untersucht. Jedoch wurde der Transportkorridor nie realisiert. Danach und bis Anfang Mai waren immer wieder Fischtransporte von Narvik über Russland und Kasachstan nach China in der Planung.

Für den einzigen Eisenbahn-Grenzübergang zwischen Schweden und Finnland sind die neuen Züge eine große Hoffnung. Denn der grenzüberschreitende Güterverkehr über Haparanda-Tornio ist nahezu zum Erliegen gekommen. Regionalzüge verkehren einzig auf der schwedischen Seite von Boden nach Haparanda.  

Die Ofotbahn führt vom Hafen Narvik bis zur Landesgrenze zu Schweden. Die Strecke ist an das schwedische Schienennetz angeschlossen.©Harvik Hafen

Die Traktion des neuen Zuges bis Boden besorgte die norwegische Cargonet. Dort übernahm die schwedische Hector Rail die Beförderung weiter nach Tornio. Der nicht elektrifizierte Abschnitt über die Grenze von Haparanda über das Vierschienengleis nach Tornio wurde mit dem Dieselmotor der Vectron-Lokomotive bewältigt. Nach dem Umschlag der Boxen auf die Breitspurwagen ist die VR Transpoint für die Weiterfahrt nach Helsinki zuständig.

Die Gesamtorganisation liegt in den Händen des finnischer Nurminen Logistics Oy. Das Unternehmen eröffnete die neue südliche transkaspischen Route am 10. Mai 2022 mit dem erste Containerzug von Chongqing, China, über Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien und Rumänien nach Mitteleuropa. Nurminen Logistics baute die Strecke zusammen mit der kasachischen Eisenbahn in zwei Monaten neu auf. Die Transportzeit von China nach Mitteleuropa ist etwa dreimal schneller als die Seefracht.

Neben Bahnverbindungen aus Asien bietet Nurminen Logistics nun auch Bahndienste zwischen Schweden und Norwegen an. Der erste Zug, den das Unternehmen auf der Strecke Gävle – Haparanda-Narvik betrieben hat, fuhr am 10. Mai von Schweden ab, transportiert von Green Cargo, und setzte seine Reise von Haparanda nach Narvik mit CargoNet fort. Von Narvik zurück nach Gävle fuhr der Zug am 29. Mai.

Sehen Sie hier die Abfahrt des Zuges von Gävle über Haparanda nach Narvik.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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