Norwegen stürzt im FSI-Index ab – immer mehr norwegische Firmen nutzen Steueroasen

Die USA sind an die Spitze des globalen Rankings Financial Secrecy Index der Länder geklettert, die am stärksten daran beteiligt sind, Unternehmen und Einzelpersonen dabei zu helfen, ihr Vermögen vor der Rechtsstaatlichkeit zu verbergen.©FSI

Oslo, 17. Mai 2022. Norwegen macht bezüglich der Transparenz der Wirtschaft im internationalen Vergleich keine gute Figur. Im Financial Secrecy Index (FSI), der aufzeigt, inwieweit Länder finanzielle Transparenz gewähren oder Oasen für Steuerbetrüger sind, ist Norwegen seit der Veröffentlichung des vorherigen Index im Jahr 2020 im Ranking der schlechtesten Länder um 23 Plätze gestiegen und liegt nun auf Platz 48. Norwegen ist damit eines von nur elf Ländern, das seine Punktzahl um mehr als 20 Plätze verschlechtert hat. Ursache des schlechten Abschneidens ist vor allem das Fehlen eines Registers, das die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse von Unternehmen aufzeigt. Das Land, in dem man am besten kriminelle Vermögenswerte verstecken oder Geld waschen kann, sind nach Bewertung des FSI die USA.

Die Vereinigten Staaten tragen nach Angaben des FSI zu mehr globaler Geheimhaltung bei als die Schweiz, die Cayman-Inseln und Bermuda zusammen und erhalten die schlechteste jemals im Index verzeichnete Punktzahl. Auf den Plätzen zwei und drei im Ranking folgen die Schweiz und Singapur. Zur Aufschlüsselung des Geheimhaltungsscores werden 20 Kriterien bewertet.

Der Aufstieg Norwegens zum beliebten Standort zur Verschleierung von Gewinnen oder kriminellen Machenschaft ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sieben Jahre nach der Verabschiedung durch das norwegische Parlament Storting in Norwegen noch immer kein Register der tatsächlichen Eigentümer von Unternehmen existiert, teilt die norwegische Vertretung von TaxJustice mit. Die Regierung habe den Start für 2023 angekündigt, aber bereits jetzt seien verschiedene Fristen überschritten worden.

Vor allem Unternehmen im Bergbau, in der Industrie und im Rohstoffhandel wählen nach dem Bericht der norwegischer Statistikbehörde SSB Steuerparadiese als Firmensitz. 2020 betrug das Gesamteinkommen dieser Firmengruppe in Norwegen 206 Milliarden NOK. Hier dominieren Länder und Gebiete wie Bermuda, die Schweiz, Guernsey, Luxemburg und die Niederlande. 

Die Zahl der Unternehmensgruppen, die Steueroasen nutzen und in Norwegen operieren, haben laut einem Bericht von Statistics Norway (SSB) seit 2014 erheblich zugenommen. Seit 2014 ist die Zahl der Gruppen in Norwegen, die in einem Steuerparadies operieren, um 78 Prozent gestiegen. Im Jahr 2020 galt dies für 255 globale Konzerne mit über 1.300 norwegischen juristischen Personen. In diesem Zeitraum erwirtschafteten in den Niederlanden als Muttergesellschaft registrierte Unternehmen in Norwegen Gesamteinnahmen in Höhe von etwa 560 Milliarden NOK.

Norwegische Hersteller von Lebensmitteln und Getränken haben ihren Hauptsitz vorzugsweise in Luxemburg und den Niederlanden. 

Der Index hält es auch erstmals auch für wahrscheinlich, dass Norwegen dazu benutzt wird, Werte über den Kunstmarkt zu verschleiern.

Insgesamt bewege sich die Welt bezüglich der Transparenz der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit von Unternehmen allerdings in die richtige Richtung, teilt FSI mit. Dies sei zum Teil darauf zurückzuführen, dass mehrere Länder kürzlich Register zu den tatsächlichen Eigentümern von Unternehmen eingerichtet haben. Besonders die G7-Staaten hätten daran einen erheblichen Anteil.

Eine offizielle Liste, welche Länder oder Territorien Steueroasen sind, existiert nicht. Gebiete, die als Steueroasen gelten, erheben niedrige oder keine Steuern für Unternehmen in ausländischem Besitz. Außerdem gelten dort Gesetze, die eine Transparenz der Einnahmen verschleiern.

Der Financial Secrecy Index ist eine Rangliste der Gerichtsbarkeiten zu Ländern oder Regionen, die am stärksten daran beteiligt sind, Einzelpersonen dabei zu helfen, ihre Finanzen vor der Rechtsstaatlichkeit zu verbergen. Tax Justice Norway wurden 2010 als unabhängige Organisation als Teil der internationalen Dachorganisation Global Alliance for Tax Justice gegründet. Tax Justice Network Norwegen finanziert sich nach eigenen Angaben hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge, Rahmenvereinbarungen, Projektunterstützung und kleine Spenden.

Tax Justice fordert die G7-Finanzminister, die sich am 18. Mai in Bonn treffen, auf, sich zur Erstellung eines globalen Vermögensregisters zu verpflichten.

Finden Sie hier die Bewertung für Norwegen im Einzelnen.

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Deutsch-norwegische Beziehungen im Fast-Track-Modus