Wintershall Dea will CCS-Technologie für Wasserstoff-Produktion in Wilhelmshafen nutzen – CO2-Lagerung in Norwegen und Dänemark

Norwegisches Gas wird am Terminal Emden in Empfang genommen. In unmittelbarer Nähe will Winterhall Dea eine Produktionsstätte zur Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas errichten.©Gassco

Kassel/Hamburg, 4. Mai 2022. Der Öl- und Gasproduzent Wintershall Dea plant ein neues Großprojekt mit dem Namen BlueHyNow zur Produktion von Wasserstoff aus Erdgas und zur Speicherung von Kohlendioxid in tiefengeologischen Schichten unter der Nordsee. Die Produktionsstätte soll an der deutschen Nordseeküste in Wilhelmshaven entstehen, nahe der zwei Anlandestellen für Gas aus Norwegen. Der blaue Wasserstoff soll in benachbarten Kavernen gespeichert, über einen direkten Anschluss in das geplante deutsche Wasserstoffnetz eingespeist und an Industriekunden geliefert werden. Das bei der Wasserstoffherstellung abgeschiedene CO2 soll vom Tiefwasserhafen Wilhelmshaven aus über den Seeweg zu Lagerstätten in Norwegen und Dänemark transportiert und dort unterirdisch eingelagert werden.

Mit dem Projekt BlueHyNow will das Unternehmen künftig über 200.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde liefern. Das sind 5,6 TWh pro Jahr und entspricht etwa dem dreifachen Energieverbrauch des Wolfsburger Volkswagenwerks im Jahr 2019. Die Prozessanlagen in Wilhelmshaven sollen mit grünem Windstrom aus der Nordsee betrieben werden.

„Unser Projekt steht für Fortschritt. Für die deutschen Netto-Null-Ziele bei den Emissionen als auch für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und für sichere, flexible Energieversorgung. Mit dem Projekt stärken wir den bereits bestehenden Energyhub in Wilhelmshaven und leisten einen wichtigen Schritt für eine saubere, emissionsfreie Zukunft“, erklärt Mario Mehren, Vorstandsvorsitzender von Wintershall Dea.

Wasserstoff gelte als entscheidender Baustein für eine klimaneutrale Energieversorgung. Aber Deutschland drohe hier – ohne neue Projekte wie BlueHyNow – eine erhebliche Kapazitätslücke, teilt Wintershall Dea mit. Laut aktuellen Prognosen steige der Wasserstoffbedarf von heute 55 TWh pro Jahr auf 90 bis 110 TWh bis 2030.

„Industriekunden brauchen die Gewissheit, dass sie in naher Zukunft Zugang zu ausreichenden Mengen Wasserstoff bekommen. Sonst droht die nationale Wasserstoffstrategie der deutschen Politik wirkungslos zu werden. Wir brauchen Wasserstoff aus verschiedenen Quellen und wettbewerbsfähigen Produktionsweisen. Emissionsfreier Wasserstoff aus Erdgas ist ein unverzichtbarer Teil der Lösung“, erklärt Mario Mehren.

Die Abspaltung und Speicherung von CO2 unter dem Meeresboden, Carbon Capture and Storage (CCS), ist eine Technologie zur Reduzierung der CO2-Emissionen, die in Norwegen und anderen Ländern bereits im Einsatz ist. Nach Angaben von Wintershall Dea kann in der Nordsee 50-mal so viel CO2 eingespeichert werden wie die gesamte EU noch im Jahr 2020 emittierte.

Während Norwegen das Verfahren bereits seit rund 40 Jahren sicher anwendet, treiben auch Dänemark und die Niederlande die CCS-Technologie zurzeit intensiv voran. Ein grenzüberschreitender CO2-Transport von Deutschland in diese Länder sei technisch umsetzbar. Politisch müsse jedoch die Voraussetzung geschaffen werden, dass zwischenstaatliche Vereinbarungen auf Basis des sogenannten London-Protokolls geschlossen werden. Daran werde derzeit intensiv gearbeitet, so Wintershall Dea.

Vielversprechende CO2-Lagerstätten befinden sich nach Angaben des Unternehmen auch vor der deutschen Nordseeküste, außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer, aber in der eigenen sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands. Laut Studien der Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Acatec beläuft sich das gesamte CO2-Speicherpotenzial in der deutschen Nordsee auf rund 2,9 Milliarden Tonnen CO2. Daher befürworte Wintershall Dea die Modernisierung des Rechtsrahmens, damit sich Offshore-CCS auch in Deutschland sinnvoll umsetzen lässt.

Wintershall Dea hat mit Blick auf die Hafenanbindung in Wilhelmshaven zur Verschiffung des CO2 sowie für den Aufbau der Wasserstoffproduktion bereits geeignete Standorte identifiziert. Das Unternehmen ist zudem in der dänischen Nordsee an dem Projekt Greensand beteiligt, bei dem jährlich bis zu acht Millionen Tonnen COin geologischen Tiefen unter dem Meeresboden der Nordsee eingespeichert werden sollen. In Norwegen bereitet Wintershall Dea die Beantragung seiner ersten CO2-Speicherlizenz vor. Unter anderem mithilfe dieser Projekte will Wintershall Dea bis 2040 jährlich 20 bis 30 Millionen Tonnen COeinsparen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von rund 20 Millionen Autos der Mittelklasse.

„Wilhelmshaven ist ein idealer Standort für BlueHyNow und kann darüber hinaus zum logistischen CO2-Sammelpunkt ausgebaut werden. Unvermeidbare CO2-Emissionen aus ganz Deutschland können dort gebündelt und zur sicheren Speicherung von Wilhelmshaven aus verschifft werden. Das wird deutlich zur Dekarbonisierung Deutschlands beitragen“, erklärt Klaus Langemann, Bereichsleiter Carbon Management & Hydrogen bei Wintershall Dea.

Für Wintershall Dea ist das Projekt BlueHyNow Teil eines umfassenden Projektportfolios, um Energieeffizienz und Klimaschutz voranzutreiben. Hierbei kommt dem Einsatz von Wasserstoff und CCS eine Schlüsselrolle zu.

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