Menschliche Stimmen sollen Elche von den Gleisen verscheuchen

Ein Elch auf den Schienen nördlich von Koppang auf der Røros-Linie.©Anders Haakonsen

Oslo, 2. Mai 2022. In Norwegen werden jedes Jahr zwischen 1.400 und 2.000 Tiere von Zügen erfasst –hauptsächlich Elche, Hirsche, heimische Rentiere und Schafe. Ein Forschungsprojekt von Bane Nor jetzt zielt darauf ab, technische Lösungen zu finden, die die Zahl der Tierkollisionen reduzieren können. Als hoffnungsvoller Ansatz erweist sich die Installation von Lautsprechern entlang der Schienen auf der Røros-Linie und der Nordlands-Linie. Während das Hupen herannahender Züge die Tiere wenig beeindruckt, suchen sie beim Klang menschlicher Stimmen das Weite.

„Wir hoffen und glauben, dass diese Technologie effektiv sein wird. Es ist ein großes Problem, dass so viele Tiere von Zügen angefahren werden. Sowohl für die Tiere und ihre Leiden als auch für die Gesellschaft, Nachbarschaften und Bahnmitarbeiter. Wir arbeiten daher an mehreren Maßnahmen, um die Anzahl der Kollisionen zu reduzieren“, sagt Vibeke Aarnes, Track Director bei Bane NOR.

In den letzten zwei Jahren hätten Forscher viel wertvolles Wissen darüber gesammelt, was dem Elch Angst macht und wie er sich verhält, wenn er Angst hat. Bisherige Untersuchungen  haätten gezeigt, dass die Tiere wenig auf das Hupen der Züge reagieren, teilt Bane Nor mit. „Wir haben jedoch herausgefunden, dass es möglich ist, die Elche durch Geräusche, die die Tiere mit etwas Gefährlichem und Beängstigendem verbinden, in die Flucht zu schlagen. Wir haben die beste Resonanz erhalten, wenn wir menschliche Stimmen verwenden. Sie haben eine bessere Wirkung als das Bellen eines Hundes oder das Heulen eines Wolfes“, sagt Ruralis-Forscherin Aina Winsvold, die das Wildlife Warning Project in Norwegen leitet.

Bis zu 90 Prozent der Elche verließen den Futterplatz, wenn sie beängstigenden Geräuschen ausgesetzt waren. Auch nach einer gewissen Gewöhnung an die Geräusche war die Wirkung noch immer groß. Die Kameras, die an den Elchfutterstellen in Østerdalen an Bäumen befestigt wurden, haben dokumentiert, wie die Elche auf verschiedene Geräusche reagieren. Wenn der Zug hupt, hebt der Elch kaum die Ohren. Wenn er menschliche Stimmen hört, benimmt er sich ganz anders.

„Wir haben auch die Fluchtreaktion untersucht. Ziel ist es, dass der Elch schnell die Bahngleise verlässt. Dann ist es wichtig, dass wir Geräusche finden, die sie dazu bringen, schnell im Wald Deckung zu suchen, anstatt in oder entlang der Gleise zu rennen“, sagt Winsvold.

Demnächst sollen speziell entwickelte Kameras an den Führerständen von 15 bis 20 Lokomotiven angebracht werden. „Jetzt werden wir sehen, ob die Lokführer ein akustisches Signal senden können, das die Tiere dazu bringt, sich vom Gleis zu entfernen. Das Verhalten der Tiere wird gefilmt, damit wir mehr darüber erfahren, wie sie reagieren und in welche Richtung sie sich bewegen, wenn verschiedene Signale von Zügen mit hoher Geschwindigkeit gesendet werden“, sagt Winsvold. Neben Geräten in den Zügen werden die Forscher stationäre Einheiten an Tunnel- und Zauneingängen aufstellen.

Bis heute gebe es nur  wenige Maßnahmen, die wirklich wirksam verhindern, dass Züge Wild überfahren, teilt Bane Nor mit. Das Roden von Vegetation entlang der Eisenbahn und das Abzäunen besonders überlasteter Gebiete sei sehr teuer. Diese Aktionen könnten unglückliche Folgen haben, indem sie zu Barrieren für wilde Tiere in der Landschaft werden. Damit Wildzäune eine ausreichende Wirkung erzielen, müssen sie lang genug sein und mit Faunapassagen kombiniert werden, durch die die Tiere die Bahnschienen sicher überqueren können.

Das Projekt wird von dem Filmproduzent Paul Glynn von National Geographic dokumentiert. Der Dokumentarfilm wird im Laufe des Sommers gesendet. Finanziert werden die Forschungsarbeiten von Bane NOR, der norwegischen Eisenbahndirektion, Norske Tog und Interreg. Weitere Partner sind CargoNet und SJ. Ruralis, Abteilung für ländliche und regionale Forschung, leitet das Projekt und arbeitet eng mit NIBIO, EnviroPlanning und der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften zusammen.

Sehen Sie hier, wie Elche auf menschliche Stimmen reagieren.

Sehen Sie hier, wie Elche auf das Hupen eines herannahenden Zuges reagieren.

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