Dürre in Südnorwegen – Wasserbehörde schlägt Alarm

Sandbänke nördlich von Øyeren, südlich von Lillestrøm am 23.April 2022©Trine Jahr Hegdahl / NVE

Oslo, 28. April 2022. Die geringen Niederschläge der letzten Monate haben in weiten Teilen Südnorwegens zu Waldbrandgefahr geführt. Die Grundwasserständen und die Wasserständen in vielen Seen und Flüssen in Ost- und Südnorwegen seien sehr niedrig, teilt die Norwegische Direktion für Wasserressourcen und Energie (NVE) mit.

„Wenn es in den nächsten Wochen nicht zu nennenswerten Niederschlägen kommt, besteht die Gefahr, dass der Grundwasserspiegel weiter sinkt. Dies kann dazu führen, dass Brunnen austrocknen. Kaltes Wetter und wenig Niederschlag werden Flüssen und Seen wenig Zufluss bringen. Dies kann für die Wasserversorgung, die Stromerzeugung, die Landwirtschaft, den Schiffsverkehr und das Leben in den Wasserläufen wichtig sein“, sagt Hervé Colleuille, Hydrogeologe und Sektionsleiter bei NVE.

Auch der Füllungsgrad der Stauseen in Ost- und Südnorwegen ist viel geringer als normal. Eine Veränderung des Füllungsgrades hängt sowohl davon ab, wie viel Wasser in die Stauseen gelangt, als auch, wie viel Wasserkraft produziert wird.

Die Karte zeigt, wie viel Niederschlag im ausgewählten Monat im Vergleich zu dem, was für diesen Monat normal ist (1991-2020), gefallen ist (in Prozent über oder unter normal, d.h. zwischen 1971 und 2000). ©senorge.no/NVE

Der Füllstand ist nach Angaben von NVE diese Woche zwar etwas gestiegen, befindet sich aber nicht im normalen Bereich. Für die nächste Zeit ist kaltes und trockenes Wetter vorhergesagt.

Der Grundwasserspiegel ist insgesamt sehr niedrig und liegt in weiten Teilen Südnorwegens sowohl entlang der Küste von Fredrikstad in Østfold bis Florø in Westnorwegen als auch in den Tälern in Ostnorwegen unter ca. 700 m ü.M.. Das hat einen geringen Wasserzufluss in die Fließgewässer zur Folge, was wiederum dazu führt, dass der Wasserstand in vielen Bächen, Flüssen und Seen sehr niedrig ist.

Außerdem ist der Wasserstand in mehreren großen Seen in Ostnorwegen niedriger als normal. Dies gilt für Mjøsa, Øyeren, Tyrifjorden und Krøderen, wo der Wasserstand 30 bis 60 Zentimeter unter dem Stand in den Vorjahren liegt. Dadurch sind nun große Sandbänke in diesen normalerweise unter Wasser stehenden Seen sichtbar.

Die nedrige Wasserstände können Probleme für die Wasserversorgung, Fische und andere Tier- und Pflanzenarten verursachen. Die Behörde NVE mahnt die Norweger, verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen. Wasserwerksbesitzer und Brunnenbesitzer, die in der Vergangenheit Probleme mit Trockenheit hatten, werden außerdem aufgefordert, den Wasserstand in Brunnen und Trinkwasserreservoirs zu überwachen, um die Versorgungsbereitschaft während des gesamten Frühjahrs sicherzustellen. „Wenn die Werte kritisch werden, kann es für die zuständigen Behörden relevant sein, Sparmaßnahmen und Beschränkungen einzuführen“, betont Hervé Colleuille.

Ursache der Dürre sind die geringen Niederschläge im Winter und Frühjahr. In den östlichen Teilen Südnorwegens hat es seit November weniger Niederschläge als normal gegeben. Nach Angaben des Meteorologischen Instituts gab es im März 50 bis 95 Prozent weniger Niederschlag als normal. Der April scheint auch für Ost- und Südnorwegen trockener als normal zu sein.

Aufgrund der geringen Niederschläge liegt in weiten Teilen Ost- und Südnorwegens auch weniger Schnee als in den vergangenen Jahren. Das bedeutet, dass durch die Schneeschmelze in Zukunft relativ wenig Wasser in Bäche, Flüsse und Seen nachfließen wird.

Die Wettervorhersage des Norwegischen Meteorologischen Instituts zeigt auch in den kommenden Wochen trockenes Wetter.

Am Ende der 16. Woche lag der Füllungsgrad der norwegischen Reservoirs bei 22,0 Prozent. Zum Vergleich: Für die Jahre 2002-2021 beträgt der Medianwert für den Füllstand zum entsprechenden Zeitpunkt 31,7 Prozent. Die Füllungsquote sank gegenüber der Vorwoche um 0,4 Prozentpunkte. Der Füllungsgrad liegt nun 9,7 Prozentpunkte unter dem Medianwert. Nordnorwegen (Gebiet 4) hatte mit 39,8 Prozent die höchste Reservoirfüllung, während Ostnorwegen (Gebiet 1) mit 10,0 Prozent den niedrigsten Füllstand aufwies.

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