Baltic Pipe mit Europipe II verbunden – norwegisches Gas kann nach Dänemark und Polen fließen


Das Baltic Pipe Projekt besteht aus fünf Hauptkomponenten: 1. Nordsee-Offshore-Pipeline 2. Onshore Dänemark 3. Kompressorstation in Dänemark 4. Ostsee-Offshore-Pipeline 5. Onshore Polen©baltic-pipe.eu

Fredericia, 25. April 2022. Nach mehreren Jahren sind die Bauarbeiten an der Baltic Pipe in der Nordsee nun vollständig abgeschlossen. Am vergangenen Wochenende wurde die Pipeline mit der norwegischen Gaspipeline Europipe II verbunden, teilt Energinet, der dänische Betreiber der Übertragungsnetze für Gas und Strom in Dänemark, mit. Damit kann das Gas durch die über 120 Kilometer lange, neue Gasleitung zum Empfangsterminal in Nybro bei Varde in Dänemark und nach Niechorze und Pogorzelica in der Gemeinde Rewal in Polen fließen. Norwegisches Gas wird künftig in Polen russisches Gas ersetzen. Am 27. April hatte Russland die Lieferungen nach Polen eingestellt.

„Das ist ein wirklich großer Tag für das Baltic Pipe-Projekt. Die Befüllung mit Gas verlief wie geplant. Wir haben den Zeitplan eingehalten und sind den Qualitätsanforderungen gerecht geworden. Aber wir haben uns auch anderthalb Jahre auf diese Inbetriebnahme vorbereitet“, sagt Mark Christian Degn Eskesen, technischer Leiter von Energinet für den dänischen Teil der Baltic Pipe. Der sichtbare Teil der Nordseearbeiten begann, als die Gasleitung im Jahr 2020 durch die Dünen am Houstrup Strand an der Westküste Jütlands gebohrt wurde. Bis Ende 2021 wurden 105 Kilometer Gasleitungen auf dem Grund der Nordsee zur norwegischen Gasleitung verlegt. Die Gasleitung wurde auch in den westjütländischen Boden nach Nybro gegraben.

Diese Box wurde auf den Meeresboden abgesenkt, um zu markieren, dass die Gassysteme in Dänemark und Polen jetzt an die norwegische Gaspipeline Europipe II angeschlossen sind.©Energinet

Kurz vor Weihnachten 2021 wurde die Struktur PLEM (Pipeline End Manifold) auf dem Meeresboden platziert. Sie verbindet die norwegische Gaspipeline mit der neuen Baltic Pipe. PLEM wiegt 215 Tonnen und hat die Größe eines Einfamilienhauses. Als PLEM sicher auf dem Boden stand, wurden die Verbindungsstücke vermessen und in Norwegen gefertigt. Im Februar/März dieses Jahres wurden sie eingebaut. Die Inbetriebnahme erfolgte so, dass zunächst Gas durch die neue Leitung von Dänemark in Richtung der norwegischen Gaspipeline geleitet wurde. Anschließend wurden die Ventile geöffnet, damit das Gas von Europipe II nach Dänemark fließen konnte. In den letzten Wochen wurde der Gasdruck langsam auf 130 bar angehoben.

Die PLEM-Struktur wird auf den Meeresboden abgesenkt.©Energinet

„Die gesamte Operation ist gut gelaufen, aber bei einem so großen Projekt gibt es immer Herausforderungen. Wir mussten sicherstellen, dass die erforderlichen Schiffe zu bestimmten Zeiten auf See sein konnten, und wir hatten einige technische Herausforderungen aufgrund von Designänderungen in letzter Minute. Wir hatten eigentlich Glück mit dem Wetter, aber hin und wieder hatten wir fünf bis sechs Meter hohe Wellen. Da wir in relativ seichtem Wasser – 40 Meter Tiefe – gearbeitet haben, wirken sich die Wellen extrem auf den Meeresboden aus, sodass die Sicht manchmal eingeschränkt war und auf etwa 30 bis 50 Zentimeter herunterging, was die Arbeit anspruchsvoll macht“, sagt Mark Christian Degn Eskesen.

Bis die Verbraucher in Dänemark von norwegischem Gas profitieren können, werden noch einige Monate vergehen. Zunächst muss die Erweiterung des Empfangsterminals in Nybro abgeschlossen werden. Die teilweise Inbetriebnahme von Baltic Pipe ist für Oktober 2022 und die vollständige Inbetriebnahme für den 1. Januar 2023 geplant.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem dänischen Gas- und Strom-Übertragungsnetzbetreiber Energinet und dem polnischen Gas-Übertragungsnetzbetreiber GAZ-SYSTEM S.A. entwickelt. Energinet ist für die Entwicklung der auf dänischem Hoheitsgebiet verantwortlich und GAZ­‑SYSTEM ist für den Bau der Offshore-Pipeline zwischen Dänemark und Polen und den Ausbau des polnischen Gasübertragungsnetzes zuständig.

Die letzte Schweißnaht an der Gaspipeline zwischen Dänemark und Polen wurde im November 2021 gezogen. Damit wurden die wichtigsten Arbeitsphase des Baltic- Pipe-Projekts beendet. Die Kapazität der Baltic Pipe nach Polen wird zehn Milliarden Kubikmeter pro Jahr betragen. Dies ist etwa die Gasmenge, die Polen im Rahmen des langfristigen Vertrags mit der russischen Gazprom erhält, der im Dezember 2022 ausläuft. Beim Bau der rund 275 Kilometer langen Gaspipeline in den Seegebieten Dänemarks, Schwedens und Polens verbaute GAZ-SYSTEM über 22.000 Rohre mit einer Nennweite von 900 Millimetern. Alle wurden von Spezialschiffen verschweißt und auf dem Grund der Ostsee verlegt.

Am 1. Oktober dieses Jahres soll der kommerzielle Gastransport vom norwegischen Schelf nach Polen beginnen.

Bisher bezog Polen seine Erdgaslieferungen vorrangig über die Jamal-Erdgasleitung vollständig aus Russland. Am 26. April informierte Gazprom das polnische Erdgasunternehmen PGNiG über seine Absicht, die Lieferungen im Rahmen des Jamal-Vertrags zu Beginn des Vertragstages am 27. April vollständig einzustellen. Am 27. April lag der Gasdurchfluss durch die Jamal-Pipeline von Belarus nach Polen bei null Kilowattstunden, wie Daten des Europäischen Netzes der Fernleitungsnetzbetreiber zeigen. Wie das Unternehmen mitteilt, funktioniere die von GAZ-SYSTEM verwaltete Übertragungsinfrastruktur reibungslos. Das nationale Fernleitungsnetz werde kontinuierlich durch andere Einspeisungen in das Gassystem versorgt, unterirdische Gasspeicher würden eingespeist und Brennstoff werde entsprechend der aktuellen Nachfrage an die Kunden geliefert.

PGNiG ist in der Lage, Gas aus verschiedenen Quellen zu beziehen, darunter über Gasverbindungen an der West- und Südgrenze und das LNG-Terminal in Świnoujście. Außerdem fördert Polen selbst Gas. Der Füllgrad der Gasspeicher liege aktuell bei rund 80 Prozent und damit deutlich höher als im entsprechenden Zeitraum der Vorjahre.

Die Baltic Pipe-Investition wurde von der Europäischen Kommission als „Projekt von gemeinschaftlicher Bedeutung“ (PCI) anerkannt. Das Projekt wurde von der Europäischen Union im Rahmen der Fazilität „Connecting Europe“ (CEF) finanziell unterstützt. Die bisher bewilligte Gesamtfördersumme beläuft sich auf 266,8 Millionen Euro. 

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