Norwegisches Kronprinzenpaar in schwierigen Zeiten zu Gast auf Spitzbergen

Das norwegische Kronprinzenpaar mit dem Hundeschlitten unterwegs in Bolterdalen auf Spitzbergen.©Ole Berg-Rusten / NTB

Longyearbyen, 21. April 2022. Jedes Jahr reisen der norwegische Kronprinz und die Kronprinzessin durch das Land und treffen sich mit den Einwohnern verschiedener Kommunen. Vom 20. bis 22. April waren Ihre Königlichen Hoheiten auf Spitzbergen und besuchten die Longyearbyen Public Library, den Lawinendamm, den Jugendclub Longyearbyen, genossen eine Fahrt mit dem Hundeschlitten und trafen auf der Satellitenstation Svalbard Studenten und Forscher des Universitätszentrums – zu einer Zeit, da der russische Überfall auf die Ukraine mit all ihren Konsequenzen auch die beschauliche Inselgruppe und beliebte Tourismusdestination Spitzbergen mit aller Härte erreichte. 

Ab 1. Mai wird Svalbard ein separates Zollgebiet. Zollbehörden werden künftig den Warenverkehr von und nach Svalbard kontrollieren. Bisher war die Inselgruppe, auf der eine große russische Community lebt und der staatliche russische Kohlekonzern Trust Arcticugol noch eine Kohlemine betreibt, von den norwegischen Zollbestimmungen ausgenommen. Das ändert sich jetzt mit der Überarbeitung der Paragraphen § 5-4-1 des Zollgesetzes. „In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ist es dringend erforderlich, die Kontrolle über Waren zu erlangen, die von und nach Spitzbergen verbracht werden, um zu verhindern, dass Spitzbergen zur Umgehung der Sanktionen und Exportkontrollbestimmungen genutzt wird“, heißt es in einem entsprechenden Gesetzentwurf der Regierung. Gegenüber NRK erklärte der norwegische Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum: “Es ist eine direkte Folge dessen, was um uns herum passiert. Wir suchen nach Schlupflöchern, um zu verhindern, dass Spitzbergen als Hafen für den Warentransport nach Russland genutzt wird. 

Für Waren aus Svalbard oder Jan Mayen und angrenzenden Gewässern werden die gleichen Ursprungsregeln gelten, die nach dem Übereinkommen über die gemeinsamen Ursprungsregeln für Europa und die Mittelmeerstaaten (PEM-Übereinkommen) gelten. Das heißt, das Zollgesetz findet nun auch auf Spitzbergen Anwendung.

Während diese Änderungen das Kronprinzenpaar wohl wenig gekümmert haben, ist ein anderes Thema nicht an Mette Marit und Hakon vorbeigegangen: der Boykott norwegischer Reiseveranstalter gegenüber russischen Dienstleistern. Der Tourismusrat Svalbard Reiselivsråd hatte nach dem Einmarsch Russland in die Ukraine private norwegischer Tourismusfirmen aufgefordert, keine Dienstleistungen von russischen Anbietern zu kaufen. Betroffen sind russische Reiseführer, Restaurants und Hotels. Darüber empörte sich der russische Konsul auf Spitzbergen. Ronny Strømnes, Vorstandsvorsitzender von Svalbard Reiselivsråd, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur NTB: “Es ist eine Einladung an unsere Mitglieder. Das können wir ohne Probleme. Es sei Sache der Mitglieder und ihres Wertekompasses, zu entscheiden, ob sie es tun wollen. Die meisten unserer Mitglieder folgen unserer Empfehlung.”

Es seien die Eskalation des Krieges und die Gräueltaten in der Ukraine gewesen, die sie gezwungen hätten, die Empfehlung auszusprechen. ”Es war in keiner Weise eine einfache Entscheidung, und unsere Mitglieder waren sehr emotional, bevor die Entscheidung getroffen wurde.” Man wolle nicht die  Barentsburger treffen, sondern den russischen Staatskonzern, unter anderem die in russischem Staatsbesitz befindliche Kohleminengesellschaft Trust Arcticugol. Das Unternehmen ist die offizielle Agentur, durch die Russland und zuvor die Sowjetunion ihre Svalbard-Politik ausübt.

Zu den Unternehmen, die wegen des Krieges in der Ukraine die russischen Siedlungen auf Spitzbergen boykottieren, gehört das Reiseunternehmen Hurtigruten Svalbard. “Wir haben entschieden, dass wir ab heute nicht mehr mit staatlichen russischen Unternehmen handeln werden. Wir werden weiterhin in der Gegend durch Barentsburg fahren, aber dort nicht einkaufen”, sagt CEO Per Brochmann gegenüber NRK.

Angesichts der aktuellen Situation auf Spitzbergen wollte die Presse natürlich auch vom Kronprinzenpaar ein Statement. Der antwortete gegenüber der norwegischen Zeitung NRK weise: Die Menschen auf Spitzbergen seien es gewohnt, Seite an Seite zu leben, über Kulturen hinweg. Deshalb denke er, dass sie für spezielle Situationen gut gerüstet sind.

Als  letzte Station des Aufenthaltes auf Spitzbergen stand für Kronprinz Haakon der Besuch der Kohlemine 7 auf dem Programm – die letzte norwegische Kohlemine, die noch in Betrieb ist. Store Norske Spitsbergen Kulkompani fördert seit 1916 Kohle auf Svalbard. Viele Jahre lebte die Region vor allem von den Kohlebergwerken. Heute sind fast alle stillgelegt. Mine 7 wird seit über 50 Jahren betrieben – im kommenden Jahr wird sie geschlossen, denn der Klimawandel macht sich auf Spitzbergen stärker bemerkbar als in vielen anderen Teilen der Welt. 

Im etwa 80 Kilometer entfernten Barentsburg betreibt die staatliche russische Fördergesellschaft Arktikugol eine weitere Mine. Aber dort sind Besucher momentan wohl ohnehin nicht willkommen.

Fakten zu Spitzbergen

  • Svalbard bezeichnet eine Gruppe arktischer Inseln.
  • Spitzbergen wurde 1596 vom niederländischen Seefahrer Willem Barentsz entdeckt, aber die Inseln (wahrscheinlich diese) werden auch in isländischen Aufzeichnungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert erwähnt.
  • Der Name „Svalbard“ ist eine Kombination aus den Wörtern „cool“ wie in „cool“ und „bard“, was „Rand“ bedeutet.
  • Norwegen wurde 1920 durch den Svalbard-Vertrag, der 1925 in Kraft trat, die Souveränität über den Archipel zuerkannt. Alle 44 Länder, die den Vertrag unterzeichnet haben, haben gleiche Rechte an wirtschaftlichen Aktivitäten auf dem Archipel, aber nur Norwegen und Russland unterhalten hier umfangreiche Geschäfte und Siedlungsaktivitäten.
  • Hauptindustrien: Bergbau (Kohle), Forschung / Bildung und Tourismus.
  • Fläche: 61 022 km 2 (das norwegische Festland ist 323 808 km 2 groß )
  • Bevölkerung 2021: 2.940
  • Verwaltungszentrum: Longyearbyen
  • Svalbard wird vom Gouverneur verwaltet, der die gleichen Befugnisse wie ein Staatsverwalter hat.

Quelle: Kongehuset

Finden Sie hier aktuelle Fotografien des AFP-Fotografen Olivier Morin aus der verlassenen russischen Stadt Pyramiden. 

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