Hafslund Eco wird Mehrheitseigentümer von Fortum Oslo Varme – Stadt Oslo garantiert Finanzierung für CCS-Projekt

Die Übernahme des 50-Prozent Anteils des finnischer Energiekonzern Fortum Oy am Wärmekraftwerk Forum Oslo Varme ASA macht den Weg frei zur Realisierung des CCS-Projektes in der Müllverbrennungsanlage Klemetsrud.©Fortum Oslo Varme

Oslo, 22. März 2022. Die Unternehmen Hafslund Eco, Infranode und HitecVision haben eine Industriepartnerschaft gegründet, um den 50-Prozent-Anteil des finnischen Energieversorgers Fortums Oy an dem Kraftwerk Fortum Oslo Varme ASA zu übernehmen. In einer Mitteilung der Osloer Börse informieren die Unternehmen darüber, dass die Stadtverwaltung von Oslo, die die anderen 50 Prozent des Kraftwerkes besitzt, ihre Beteiligung als Teil der Transaktion an Hafslund Eco übertragen wird. Der Stromerzeuger Hafslund Eco ist vollständig im Besitz der Stadt Oslo. Nach der Transaktion werde Hafslund Eco somit mit 60 Prozent Mehrheitseigentümer an Fortum Oslo Varme sein, während Infranode und HitecVision jeweils 20 Prozent halten werden. Mit dieser Konstellation sei die Finanzierung des CCS-Projektes in der Müllverbrennungsanlage Klemetsrud gesichert, teilt die Stadt Oslo mit. Am 22. März wurde eine Vereinbarung zwischen der Stadt Oslo und den neuen Eigentümern von Fortum Oslo Varme unterzeichnet, die die vollständige Finanzierung der CO2-Abscheidungsanlage in Klemetsrud sicherstellt.

Die Transaktion bedeute, dass Hafslund Eco die Energieproduktion um fast zwei TWh erhöht und das Eigentum an sozial kritischer Infrastruktur sichert. Fernwärme sei ein attraktiver Vermögenswert mit einem geringeren zugrunde liegenden Risiko als das Wasserkraftgeschäft und passe sehr gut in das bestehende erneuerbare Portfolio von Hafslund Eco, heißt es in der Mitteilung. Durch seine Beteiligung an Eidsiva Energi hat Hafslund Eco bereits Fernwärmebetriebe im Inland in seinem Portfolio.

Die Transaktion hAT laut Mitteilung ein Volumen von ungefähr 20 Milliarden NOK, basierend auf einem Brutto-Unternehmenswert auf 100-Prozent. Die Käufer übernehmen 50 Prozent der Anteile für ungefähr acht Milliarden NOK und zahlen zwei Milliarden NOK an Gesellschafterdarlehen an Fortum zurück. Die Anteile der Gemeinde Oslo werden als Vermögenseinlage an Hafslund Eco übertragen. Gleichzeitig wird Hafslund Eco Gesellschafterdarlehen in Höhe von zwei Milliarden NOK von der Gemeinde Oslo übernehmen.

Der Stadtrat von Oslo und die norwegische Wettbewerbsbehörde müssen die Transaktion noch genehmigen.

Das Projekt zur Kohlenstoffabscheidung (CCS) in Klemetsrud wollen die neuen Eigentümer mit unverminderter Kraft fortgesetzten. Die Stadt Oslo und die neuen Partner garantieren, dass die CO2-Abscheidung bei Klemetsrud finanziert wird. Dafür legen sie sechs Milliarden NOK auf den Tisch. Die Stadt Oslo wird bis zu 2,1 Milliarden NOK und das Unternehmen 3,9 Milliarden NOK investieren. Das Geld der Gemeinde wird mit externen Krediten finanziert. Der norwegische Staat steuert drei Milliarden NOK bei. Das Projekt hat einen Kostenrahmen von 9,2 Milliarden NOK und soll 2026 realisiert sein.

Auf einer Pressekonferenz informierte Raymond Johansen, Vorsitzender des Stadtrates Oslo, dass die Finanzierung des CCS-Projekt des Müllverbrennungswerkes in Klemetsrud gesichert ist.©Kommune Oslo/Screenshot

„Wir haben lange daran gearbeitet , eine Lösung zu finden, die die CO2-Abscheidung bei Klemetsrud finanziert. Zusammen mit Hafslund Eco und unseren neuen Partnern stellt die Stadt Oslo nun sicher, dass die CO2-Abscheidung bei Klemetsrud ab 2026 Realität wird“, sagt Raymond Johansen, Stadtratsvorsitzender in Oslo, auf einer Pressekonferenz. „CO2-Abscheidung kostet, aber wir glauben, dass es sich um eine absolut notwendige Investition handelt, die jetzt getätigt werden muss. Wir tun dies in der Erwartung, dass die Regierung ihren Teil der Verpflichtungen erfüllt, damit wir das Projekt ab Sommer starten können.“

Die Umweltorganisation Bellona bezeichnet die Finanzierungszusage als freudiges Ereignis. Wie Bellona-Gründer Frederic Hauge erklärt, arbeitet die Umweltstiftung seit 1992 an der Abscheidung und Speicherung von CO₂ als Klimalösung. Er begrüßt, dass die Stadtverwaltung von Oslo nun Milliarden aufbringen wird, um sicherzustellen, dass CO₂ aus der Müllverbrennungsanlage in Klemetsrud von Oslo entfernt wird.

Bellona gehörte zu den ersten, die sich bereits vor 30 Jahren mit der Entwicklung von CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) befassten. Die Organisation arbeitet seit mehreren Jahren mit Fortum Oslo Varme zusammen. „Es ist sehr erfreulich, dass die Spezialeinrichtung in Klemetsrud jetzt gesichert wurde. Jetzt sollte die Regierung unterstützend eingreifen, wenn die EU das nicht tut. Wir müssen bis 2030 sieben bis acht CCS-Anlagen errichten, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen. Es ist wichtig, unabhängig davon, ob der EU-Innovationsfonds mit Geldern unterstützt oder nicht“, sagt Hauge.

Eine Bellona-Vertreterin ist stellvertretende Leiterin der Technologieplattform der Europäischen Kommission für CCS.

Fortum Oslo Varme ist heute im Besitz der Stadt Oslo und Fortum (50/50) und ist Norwegens größter Fernwärmeanbieter. 2021 lieferte das Unternehmen 36 Prozent der Fernwärme des Landes und verkaufte 1,8 TWh Fernwärme sowie 0,1 TWh Strom. Fortum Oslo Varme beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter. Die Müllverbrennungsanlage in Klemetsrud verursacht derzeit 14 Prozent der Emissionen der Stadt und ist damit der Akteur, der in Oslo am meisten CO2 ausstößt. Ab 2026 sollen jährlich bis zu 400.000 Tonnen CO2 abgeschieden werden. Das entspricht den jährlichen Emissionen von 200.000 Autos.

Bellona-Gründer Frederic Hauge bei einer Inspektion bei Klemetsrud im Jahr 2016.
Bellona-Gründer Frederic Hauge bei einer Inspektion bei Klemetsrud im Jahr 2016.

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