Norwegen hofft auf historische Entscheidung zur Plastikverschmutzung beim UN-Umweltgipfel in Nairobi

© Anita Drbohlav/WWF; own illustration according to AWI

Oslo, 16. Februar 2022. Norwegens Klima- und Umweltminister Espen Barth Eide wird die fünfte Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA-5) vom 28. Feburar bis 2. März als Präsident leiten. Auf der Tagesordnung steht unter anderem der Vorschlag, Verhandlungen über ein neues globales, rechtsverbindliches Abkommen zur Verschmutzung durch Plastik aufzunehmen. “Wenn uns das gelingt, wird die Umweltversammlung historisch. Dies ist möglicherweise das wichtigste Abkommen für den globalen Zustand des Planeten seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens im Jahr 2015”, sagte Eide auf einem Presse-Briefing.

Weitere Themen, zu denen die Umweltversammlung von Nairobi Entscheidungen treffen soll, umfassen eine verstärkte Wissenszusammenarbeit in Bezug auf Chemikalien und Abfall sowie Maßnahmen zur Stärkung naturbasierter Lösungen zur Erreichung der Klimaziele. Das übergeordnete Thema der Sitzung lautet „Stärkung der Maßnahmen für die Natur, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Vertreter der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, Unternehmen, die Zivilgesellschaft und andere Interessengruppen werden an der Online-Sitzung teilnehmen. Unmittelbar nach der UNEA-5.2 wird die Versammlung vom 3. bis 4. März 2022 eine Sondersitzung abhalten, die dem Gedenken an den 50. Jahrestag der Schaffung des UN-Umweltprogramms im Jahr 1972 (UNEP@50) gewidmet ist.

Laden Sie den Bericht hier herunter.

Am 8. Februar, knapp drei Wochen vor einem entscheidenden Treffen der UN-Umweltversammlung in Nairobi veröffentlichte der WWF einen neuen Bericht über die Auswirkungen der Plastikverschmutzung im Ozean auf Meeresarten, Biodiversität und Ökosysteme, der vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung im Auftrag des WWF erstellt wurde. Der Bericht ist die bisher umfassendste Analyse der Auswirkungen von Meeresmüll auf das Leben auf dem Planeten und im Meer. Darin heißt es unter anderem, dass sich der Plastikmüll in den Ozeanen bis 2050 vervierfachen wird, was bedeutet, dass noch mehr Orte kritische Mengen an Mikroplastik erhalten werden, die sowohl das Tier- als auch das Pflanzenleben bedrohen, wenn jetzt keine Maßnahmen ergriffen werden. Ds Leben von 88 Prozent der untersuchten Meerestiere ist durch Plastik negativ beeinflusst. Schätzungen zufolge nehmen beispielsweise bis zu 90 Prozent aller Seevögel und über die Hälfte aller Meeresschildkröten Plastik auf.

“Alle Berechnungen zeigen ein deutliches Wachstum des Plastikmülls in den kommenden Jahren. Das ist ernst, und es ist wichtig, dass Norwegen und die führenden Politiker der Welt nicht vergessen, dass wir uns in einer Plastikkrise befinden“, sagt Generalsekretärin Karoline Andaur vom WWF World Wide Fund for Nature.

“Sobald der Plastikmüll im Meer landet, ist es fast unmöglich, ihn wieder zu entfernen. Der Kunststoff zerfällt in immer kleinere Teile, die Konzentration von Mikro- und Nanoplastik steigt. Wir sehen, dass Plastikpartikel in der Verdauung einer Reihe von Vögeln und Tieren gefunden wurden”, so Andaur weiter. „Über 150 Länder haben inzwischen ihre Unterstützung für die Einführung eines neuen globalen Abkommens gegen Kunststoffabfälle bekundet. Mit einer so klaren Mehrheit im Rücken setzen wir große Hoffnungen auf Norwegen und den UNEA-Präsidenten Espen Barth Eide.“

Norwegen hat Anfang Januar 2022 ein Zentrum gegen Meeresmüll MARFO (Senter mot marin forsøpling) gegründet. Es befindet sich in Svolvær auf den Lofoten und ist eine neue Behörde des Ministeriums für Klima und Umwelt. In erster Linie soll das Zentrum dazu beitragen, ein globales Abkommen gegen Plastikverschmutzung im Meer zu erarbeiten. ​​Norwegen ist weltweit führend beim Recycling von Plastikflaschen über das Pfandsystem.  Nach Angaben des Recycling-Unternehmen INFINITUM AS werden 92 Prozent aller in Norwegen verkauften Flaschen zurückgegeben. Fast einhundert Prozent werden von Infinitum gesammelt.

Allerdings werden großen Mengen von Plastikabfall aus Norwegen nach Deutschland exportiert, von wo aus sie weiter ins Ausland transportiert werden. Deutschland ist der größter Exporteur von Kunststoffabfällen in der EU. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden im Jahr 2020 nach vorläufigen Zahlen insgesamt gut eine Million Tonnen Kunststoffabfälle in andere Länder exportiert. Mittelfristig geht die Menge von exportierten Kunststoffabfällen jedoch zurück: 2021 wurde acht Prozent weniger Kunststoffmüll im Vergleich zum Vorjahr und 33 %Prozent weniger als noch vor zehn Jahren ausgeführt. Im Jahr 2010 waren noch fast 1,5 Millionen Tonnen an Kunststoffabfällen exportiert worden.

Die meisten Kunststoffabfälle wurden im Jahr 2020 nach Malaysia ausgeführt (17 Prozent). An zweiter Stelle folgten die Niederlande (15 Prozent), das mit dem Hafen in Rotterdam einen wichtigen Umschlagplatz für Seefracht besitzt.

Aus den Niederlanden stammten wiederum die meisten Kunststoffabfälle, die im Jahr 2020 nach Deutschland eingeführt wurden. Von den insgesamt 481 300 Tonnen importierten Kunststoffabfällen kamen 19 Prozent aus den Niederlanden. 

China und Hongkong waren viele Jahre große Abnehmer von Kunstsotabfällen. Seit Januar 2018 dürfen 24 verschiedene Recyclingmaterialien nicht mehr in die Volksrepublik China exportiert werden – darunter unsortierter Plastikabfall.

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