Noch immer Tiermassaker entlang der Nordlandsbanen

Über 800 Rentiere und Elche werden auf der Nordlandsbanen jeden Winter von Zügen überfahren.©Bane Nor

Oslo, 15. Februar 2022. Nach Angaben des Infrastrukturbetreibers Bane Nor werden in jedem Winter um die 800 Rentiere und Elche entlang des nördlichen Abschnittes der Nordlandsbanen von Trondheim nach Bodø von Zügen überrollt und getötet oder – noch schlimmer – angefahren, wonach sie schwer verletzt liegen bleiben. Aufgrund strengerer Waffenvorschriften sei das Lokpersonal seit einigen Jahren nicht mehr mit Gewehren ausgerüstet, um die leidenden Tiere erlösen zu können, wie ein Lokführer der Güterzüge auf der Nordlandsbanen informiert. Die Gemeinde Rana hat die höchste blutige Bilanz in Norwegen. Dort gibt es jetzt einen Aufschrei gegen das Massaker an Elchen auf der kurvenreichen Nordlandsbanen. Zum Jahresbeginn gründete die Tierärtztin Lene Rasmussen die Facebook-Gruppe „Vi som krever viltgjerde på Nordlandsbanen mellom Skonseng og Dunderland! (Wir fordern einen Wildzaun auf der Nordlandsbahn zwischen Skonseng und Dunderland!)“, die bereits 5.000 Follower hat.

Im Winter ziehen es die Tiere vor, auf der Bahntrasse zu gehen statt im Tiefschnee. Oft legen sie sich auch auf den Schienen zum Ausruhen nieder. Wegen der geringen Zugdichte werden sie nicht laufend vertrieben. Dementsprechend sind geschundene Tiere zum alltäglichen Anblick geworden, wie der Landwirt Leif Egil Amundsen gegenüber dem Fernsehsender NRK TV erklärte. Man schaue morgens aus dem Fenster auf den von Blut rot gefärbten Schnee. 

Anwohner entlang der Nordlandbanen gründen Facebook-Initiative zum Schutz der Tiere.©Bane Nor

Es ist nicht so, dass Bane Nor in den vergangenen Jahren nichts unternommen hätte. Über Dutzende von Kilometern wurden Zäune hochgezogen. Doch lautet der Vorwurf, dass Zäune vor allem dort gebaut werden, wo sich die domestizierten Rentiere aufhalten, die den Besitzern einen Gewinn einbringen. Wenig unternommen werde jedoch, um die Massaker an den kommerziell nicht interessanten Elchen zu vermeiden. Das erklärte Ziel der Facebook-Initiative besteht darin, einen größeren Druck auf die Kommunen, das Verkehrsministerium und auf Bane Nor auszuüben, damit entlang der Nordlandsbanen durch das Dunderlandsdalen mehr Schutzeinrichtungen für die Wildtiere gebaut werden. Die Errichtung eines Zauns oder eines Wildschutzgebiets in den am stärksten gefährdeten Orten würde etwa acht Millionen Kronen (800.000 EUR) kosten. Soviel müsste Norwegen der Tierschutz eigentlich wert sein. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

Finden Sie hier einen Bericht von Bane Nor zur Situation auf der Nordlandbanen.

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