Deutsche Gasbranche lobt Norwegens Mut im Bereich CCS und Wasserstoff-Entwicklung

Zur Online-Pressekonferenz des Verbandes „Zukunft Gas“, v.l: Gregor Pett, Executive Vice President bei Uniper, Pressesprecher Charlie Grüneberg und Vorstand Timm Kehler.©Screenshot

Berlin, 9. Februar 2022. Norwegen werde künftig eine sehr große Rolle bei der Produktion von Wasserstoff und der Zulieferung von Wasserstoff nach Europa spielen. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes “Zukunft Gas”, sagte auf der Jahrespressekonferenz: “Ich bewundere den Mut der norwegischen Politik und der Industrie, mit Projekten wie Langskip Schritte vorzuzeichnen, die bei uns in der politischen Diskussion noch nicht final angekommen sind.” Blauer Wasserstoff sei ein ganz zentraler Baustein in der Klima-Diskussion. Norwegen sei hier als eines der zentralen Länder hervorgetreten, in denen die Produktion von blauem Wasserstoff stattfinden kann. Gleichzeitig verfüge das Land über nennenswerte Ressourcen für die langfristige und stabile Speicherung von CO2 – auch das CO2 aus der Wasserstoff-Produktion anderer Länder. 

Dem deutschen Gassystem bescheinigte der Branchenverband ein gutes Funktionieren und Krisenfestigkeit. 2021 wurden in Deutschland 26,7 Prozent der verbrauchten Energie aus Erdgas produziert. Nur der Anteil von Mineral- und Heizöl (31,8 Prozent) war größer.

©Verband Zukunft Erdgas

Im Strommarkt sieht Kehler die große Herausforderung der kommenden Jahre. Um das Jahrhundertprojekt Energiewende zu meistern, sei der Bau von neuen Gaskraftwerken unverzichtbar. Mit dem Ausstieg aus der Kohle und Atomkraft verliere Deutschland regelbare Kraftwerke, die heute die volatile Einspeisung der erneuerbaren Energien ausgleichen. „Wird der Koalitionsvertrag umgesetzt, stehen uns ab 2030 nur noch Gaskraftwerke zur Verfügung, um die Versorgung zu sichern, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Damit das gelingt, werden bis 2030 in Deutschland 20 bis 30 Gigawatt neue Gaskraftwerkskapazität benötigt. Es bedarf eines Investitionsvolumens von ca. 30 Milliarden Euro“, so Kehler. „Daher fordern wir schon länger die Einführung eines Kapazitätsmarktes, indem nicht nur die produzierte Energie vergütet wird, sondern auch Versorgungssicherheit einen Preis hat.“

Gregor Pett, Executive Vice President Market Analytics, Market Solutions, Digital Trading Development and Operations bei Uniper, erklärte: “Gut diversifizierte Lieferquellen, Speicher sowie Pipeline- und LNG-Transportinfrastruktur sind entscheidend, um Engpässe auch in Zukunft vermeiden zu können.“

Kehler forderte Deutschland auf, seine Energie-Außenpolitik zu stärken. Energieimporte würden weiterhin benötigen, um den Bedarf zu decken. Jetzt gelte es, strategische Partnerschaften auszubauen und fit für die Zukunft zu machen.

In Deutschland sind zurzeit zahlreiche Wasserstoffprojekte in Betrieb, im Bau oder in Planung.© Verband Zukunft Erdgas

Bezüglich der Entwicklung von Wasserstoff sagte Kehler: „Mit der Wasserstoffstrategie 2020 wurde im vergangenen Jahr einiges in Gang gesetzt.” Jetzt sei die Politik gefragt, durch die richtigen Gesetzesanpassungen den Weg für eine Wasserstoffwirtschaft zu ebnen. Das EU-Gasmarktpaket und die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes hätten bereits das Thema Transport in Angriff genommen, seien allerdings noch nicht praxistauglich. Unklar sei auch, ob die geplanten Regeln zur EU-Taxonomie nennenswerte Investitionen auslösen.

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Deutsch-norwegische Beziehungen im Fast-Track-Modus