Norsk Industri: Norwegen erreicht seine Klimaziele nicht

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Oslo, 23. November 2021. Norwegen sei weit davon entfernt ist, seine eigenen Klimaziele für 2030 zu erreichen. Gleichzeitig gebe es sehr große Chancen für die Industrie in der Transformation. Aber um diese zu nutzen, brauche es eine höhere Geschwindigkeit der Energiewende. Das ist das Fazit des Berichts „Energy Transition Norway 2021“, den das Zertifizierungs- und Klassifizierungsunternehmen DNV im Auftrag von Norsk Industri erstellte und heute der Öffentlichkeit vorstellte. 

Norwegen werde die Treibhausgasemissionen bis 2030 nur um 24 Prozent und bis 2050 um 79 Prozent gegenüber 1990 senken können. Laut Beschluss der norwegischen Parlaments Storting sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 aber um 55 Prozent reduziert werden. 2050 soll Norwegen klimaneutral sein. Der Industrieverband macht auf folgende Sachverhalte und Entwicklungen aufmerksam: 

  • Es besteht dringender Bedarf, die Stromproduktion zu steigern, um ein grünes industrielles Wachstum zu ermöglichen und die Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Der Bedarf an erneuerbarem Strom wird von derzeit 140 TWh auf 250 TWh steigen.
  • Die Öl- und Gasexporte werden deutlich reduziert, was zu einem dramatischen Rückgang der norwegischen Exporteinnahmen führen wird.
  • Norwegen verfügt über eine solide Grundlage für den Ausbau grüner exportorientierter Industrien, ist jedoch auf politische Unterstützung und wirksame Maßnahmen angewiesen, um bei der Umstrukturierung erfolgreich zu sein.

“Die Hurdal-Plattform (das Regierungsprogramm, d.Red.) ist ein sehr guter Ausgangspunkt, um die richtigen Instrumente bereitzustellen, damit wir die Pariser Ziele erreichen können. Nun liegt es an der Regierung und den Sozialpartnern, diese Partnerschaft mit Inhalten und Aktionen zu füllen. Es ist nicht möglich, die Ziele zu erreichen, ohne dass wir in Norwegen über ausreichenden Zugang zu angemessener Energie verfügen”, sagt Stein Lier-Hansen, CEO von Norsk Industri.

Jetzt gelte es als Erstes, das vorhandene Wasserkraftpotenzial durch Ausbau und Instandhaltung stärker zu realisieren. Durch Änderungen bei der Kraftwerksbesteuerung seien Vorkehrungen zum Ausbau um insgesamt acht bis zehn TWh getroffen worden. Jetzt müssten die Stromerzeuger nachziehen.

“Ab 2030 muss die Offshore-Windproduktion vollständig hochgefahren werden. Die Behörden müssen den Leitfaden und das Reglement für die Zulassung schnell vervollständigen. Das Potenzial ist enorm, die Entwickler sind zahlreich und die norwegische Zulieferindustrie ist bereit. Flächen für die Offshore-Windproduktion auf dem norwegischen Schelf sind jedoch zu unausgereift, um versteigert zu werden, es müssen qualitative Kriterien zugrunde gelegt werden. Keines der Projekte wird realisiert, bis geklärt ist, wie der Strom im Regal verteilt wird. Das ist Job Nummer eins. Entscheidungen und Ambitionen müssen jetzt getroffen werden, um Wirkung zu zeigen – das kann nicht warten”, sagt Nils Klippenberg, Vorstandsvorsitzender des Branchenverbandes Electrical and Energy im Industrieverband Norsk Industri und CEO von Siemens AS.

Grünes industrielles Wachstum und Dekarbonisierungsziele seien aufgrund unzureichender Stromentwicklung gefährdet, heißt es in dem Bericht. Die Stromnachfrage (Haushalte, Verkehr, Gewerbe und norwegischer Festlandsockel) werde deutlich steigen, die Produktion jedoch nicht nachziehen. Dies bedeute, dass Norwegen zwischen 2025 und 2035 für viele Jahre ein Nettoimporteur von Strom sein werde. Dies könne zu höheren Energiepreisen führen und den Wettbewerbsvorteil von günstigem Ökostrom für die industrielle Produktion gefährden.

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