Norwegen im Konflikt mit Schweden wegen künftiger Eisenbahnpolitik

Ein Lokaltog von Vy in Oslo Sentralstasjon. Die neue Regierung möchte den Regionalverkehr um die Hauptstadt nicht ausschreiben und weiterhin der norwegischen Vy überlassen. Das führt zum Konflikt mit Schweden.©Erland Rasten

Oslo, 3. November 2021. Die bisherige konservative Regierung hat in zwei Amtsperioden das Eisenbahnwesen Norwegens komplett auf den Kopf gestellt. Die Norges Statsbaner (NSB) und der vormalige Infrastrukturbetreiber Jernbaneverket wurden zerschlagen. An deren Stelle ist ein unüberschaubares Bürokratiemonster mit sich überschneidenden Zuständigkeiten von zehn verschiedenen Gesellschaften entstanden. Deren Chefs beziehen Gehälter auf Augenhöhe mit der Ministerpräsidentin. 

Der Kernpunkt der „Eisenbahnrevolution“ ist nach Ausschreibungen die Vergabe der Eisenbahnlinien an inländische und ausländische Betreiber. Um unumkehrbare Tatsachen zu schaffen, hat die bisherige Regierung die vertragliche Laufzeit auf zehn Jahre angesetzt. Nach Norden fährt jetzt die schwedische SJ Nord und auf der Sørlandsbanen von Oslo nach Stavanger sowie auf der Stichlinie nach Arendal die englische Go-Ahead mit „Sørtoget“ als Marketingbezeichnung. Die norwegische Vy hat die Bergenbahn erhalten.    

Wie vorher angekündigt wird die im September neu gewählte Mitte-Links-Regierung die Bahnreform stoppen. Die stark nachgefragten Linien um Oslo sollen nicht ausgeschrieben werden, sondern bei Vy als Nachfolgerin der NSB verbleiben. Bei den bereits an ausländische Gesellschaften vergebenen Strecken soll ein Rückkauf geprüft werden. Dies hat umgehend zum Protest der schwedischen SJ geführt, welche gern den Regionalverkehr um Oslo – betreffend die Passagierzahlen das Filetstück in Norwegen – übernehmen möchten. Die Schweden sind über Norwegen bereits wegen der langen Unterbrechung der internationalen Reisezüge verärgert.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

CCUS braucht Regulierung, Infrastruktur und First Movers