NVE-Marktanalyse: Stromverbrauch steigt in Norwegen stärker als Stromproduktion

Oslo, 21. Oktober 2021. Sowohl der Stromverbrauch als auch die Strompreise in Norwegen werden bis 2040 voraussichtlich steigen. Der jährliche Strompreis wird im Jahr 2040 auf durchschnittlich 50 øre / kWh geschätzt – was über dem historischen Preisniveau liegt. Zu diesem Schluss kommt die Norwegische Direktion für Wasserressourcen und Energie (NVE) im Basisszenario ihrer jetzt vorgelegten langfristigen Strommarktanalyse 2021.

Ein signifikanter Anstieg des Stromverbrauchs, die Auswahl technologischer Lösungen und politische Entscheidungen werden die Entwicklung des Stromsystems bis 2040 charakterisieren. 

„Für die Zukunft erwarten wir in Norwegen ein deutliches Wachstum des Stromverbrauchs. Wie stark der Stromverbrauch steigt, hängt unter anderem von der Netzentwicklung und den Strompreisen ab. Wie hoch die Strompreise sein werden, hängt wiederum davon ab, wie viel neuer Strom in Norwegen gebaut wird“, sagt NVE-Direktor Kjetil Lund. 

Im Basisszenario geht die NVE davon aus, dass der Stromverbrauch von 138 TWh im Jahr 2021 auf 174 TWh im Jahr 2040 steigen wird. Ein weiteres Szenario wird mit einem Stromverbrauch von rund 200 TWh im Jahr 2040 erstellt. Auf alle Fälle werde der Stromverbrauch in den nächsten zehn Jahren stärker steigen als die Stromproduktion. Der Aufbau der Stromerzeugung dauert länger als der Stromverbrauch, da es lange Vorlaufzeiten für die Entwicklung einer neuen Stromerzeugung gibt. 

„Politische Überlegungen werden für die Entwicklung bis 2040 von großer Bedeutung sein. Der Wunsch nach mehr, einigermaßen erneuerbarer Stromerzeugung, die eine verstärkte Elektrifizierung und Industrie ermöglicht, muss gegen den Wunsch abgewogen werden, die negativen Auswirkungen einer weiteren Entwicklung zu minimieren“, sagt Lund. 

Allein im letzten Jahr habe es in Europa Veränderungen gegeben, die sich langfristig auf das Stromsystem und die Strompreise auswirken dürften. Die EU hat beschlossen, ihre Emissionsziele für 2030 anzuheben und Vorschläge zur Änderung der Vorschriften vorzulegen, um dies zu erreichen. Dies hat bereits zu einer deutlichen Erhöhung des CO2-Preises beigetragen und sich im vergangenen Jahr deutlich auf die Strompreise in Norwegen ausgewirkt. Die Klimapolitik wird ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung des Stromsystems bis 2040 sein.

„Unsere Analyse weist darauf hin, dass wir in Norwegen in Zukunft mit höheren Strompreisen als historisch rechnen können. Dies liegt unter anderem daran, dass die Austauschkapazität zwischen den nordischen Ländern und Europa zunimmt und wir in den kommenden Jahren einen anhaltend hohen CO2-Preis erwarten“, erklärt Lund.

Im NVE-Szenario werden die Strompreise bis 2030 steigen, aber längerfristig sinken, wenn die erneuerbare Produktion in Europa zunimmt.

Mehr erneuerbare Stromproduktion in Europa bedeutet, dass die Strompreise sowohl zwischen den Jahren und Jahreszeiten als auch von Tag zu Tag stärker schwanken werden. Die Strompreise in Norwegen sind niedrig, wenn es in Europa viel Wind- und Solarstrom gibt, aber hoch, wenn die thermische Stromerzeugung genutzt werden muss. Mehr erneuerbare Stromproduktion in Europa bedeutet auch, dass die internationalen Verbindungen zwischen Norwegen und Europa künftig stärker für Importe genutzt werden. 

Flexible Verbraucher wie Wasserstoffproduzenten können den Verbrauch an Niedrigpreiszeiten anpassen, heißt es in der Studie. Da Wasserstoffproduzenten in Europa bereit seien, Strom einzukaufen, habe dies eine große Bedeutung für die Strompreise im Jahr 2040. Die Technologie- und Kostenentwicklung der Wasserstoffproduktion sei unsicher und ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor in der Analyse, teilt NVE mit.

Finden Sie hier die langfristige Strommarktanalyse.

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