Norwegens Regierung präsentiert Aquakulturstrategie „Ein Meer der Chancen“

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Oslo, 6. Juli 2021. Norwegen steht bei der weiteren Entwicklung der Aquakultur vor mehreren Herausforderungen: die Fischgesundheit und das Fischwohl, Klima- und Umweltauswirkungen, Zugang zu nachhaltigen Futtermitteln sowie die Verfügbarkeit von guten und geeigneten Flächen. Die Regierung will ein verstärktes Wachstum der Aquakulturindustrie in einem nachhaltigen Rahmen ermöglichen. Wie genau dies passieren soll, hat das Ministerium für Fischerei und Meeresfrüchte jetzt in einer Aquakulturstrategie dargelegt. Bis 2050 will die Regierung entsprechend der Strategie in Norwegen insgesamt fünf Millionen Tonnen Lachs und Forelle produzieren. Das ist eine Verfünffachung des heutigen Volumens.

„Die Aquakulturindustrie hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig in Norwegen entwickelt und ist unsere zweitgrößte Exportindustrie. Mit dieser Strategie will die Regierung die Weichen für die nächsten 10-15 Jahre stellen und ein nachhaltiges Wachstum der Aquakulturindustrie ermöglichen. Die Strategie legt Leitlinien fest, wie wir – Unternehmen, das Forschungsumfeld und die Behörden – die Herausforderungen, vor denen wir stehen, gemeinsam lösen und neue Chancen ergreifen sollen“,  erklärte Odd Emil Ingebrigtsen bei der Präsentation der Strategie auf Skjervøy in Nord-Troms.

Als weltweit größter Produzent und Exporteur von Atlantischem Lachs sei auch ein guter Zugang zu den Märkten von entscheidender Bedeutung, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Aquakulturindustrie sei eine komplexe Branche, die von verschiedenen Sektorbehörden professioneller geprüft werden müsse. Ein koordiniertes und wissensbasiertes Management sei wichtig, um nachhaltiges Wachstum zu unterstützen und zu stärken. Gleichzeitig müssten Vorkehrungen für eine möglichst einfache Verwaltung getroffen werden.

Der Minister für Fischerei und Meeresfrüchte Odd Emil Ingebrigtsen hat die Aquakulturstrategie der Regierung auf Skjervøy in Nord-Troms vorgestellt.  Links Storting-Vertreter Steinar Reiten (KrF).
Der Minister für Fischerei und Meeresfrüchte Odd Emil Ingebrigtsen hat die Aquakulturstrategie der Regierung auf Skjervøy in Nord-Troms vorgestellt. Links Storting-Vertreter Steinar Reiten.

Forschung, Innovation und Entwicklung seien ein grundlegender Schwerpunkt der Zukunft. Gleiches gelte für die Digitalisierung und den Austausch von Daten, die Sicherstellung des Marktzugangs und die Dokumentation der Nachhaltigkeit der produzierten und exportierten Meeresfrüchte. Lachsläuse und entflohener Zuchtlachs seien heute die größten Bedrohungen für Wildlachsel Hier komme es auf die Weiterentwicklung des Ampelsystems, Fluchtmaßnahmen und Technologieentwicklung an. Gleiches gelte für die Arbeit zur Reduzierung des Klimafußabdrucks der Branche, bei der nachhaltige Futtermittelressourcen, Elektrifizierung und Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt stehen. 

Mehr als 70 Prozent der Treibhausgasemissionen der Aquakulturindustrie stammen aus Fischfutter, gleichzeitig werden rund 90 Prozent der Rohstoffe importiert. Die Regierung will auch auf nationaler Ebene in alternative nachhaltige Futtermittelressourcen investieren.

Die Strategie lanciert auch mehrere neue Maßnahmen. Ein Ausschuss soll eingerichtet werden, um die Ziele für die Genehmigungsregulierung der Aquakulturindustrie, das gesamte System und seine Anpassung an aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu überprüfen. Außerdem soll die Verwaltung effizienter und koordinierter werden. Die Regierung strebt an, dass der Ausschuss seine Arbeit im Herbst aufnehmen wird.

Der norwegische Tierschutzverein Animal Welfare Alliance kritisiert die Strategie, da das Wohlergehen der Fische nicht genügend berücksichtigt werde. „Der Tierschutz muss als Indikator in die Ampelregelung eingeführt werden, damit Fischzuchtbetriebe die Produktion nur steigern dürfen, wenn grundsätzliche Überlegungen zum Fischwohl gewahrt sind“, sagt Kommunikationsleiterin Live Kleveland im Tierschutzbund.

Kleveland weist darauf hin, dass die Sterblichkeitsrate von Lachs sowohl in der Meeresphase als auch in der Brutphase sehr hoch ist und weist darauf hin, dass das Veterinärinstitut im Fischgesundheitsbericht allein in der Meeresphase im Jahr 2020 50 Millionen tote Fische in norwegischen Fischfarmen schätzt. Auch fordert Animal Welfare Alliance eine Überarbeitung der Maßnahmen gegen Lachsläuse.

Sie beschreibt die Aquakulturstrategie als „nur vages Gerede über Tierschutz“. 

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