Norwegens Regierung und die Billig-Fluglinie Norwegian streiten über Boni-Zahlung an den Vorstand

Oslo, 29. Juni 2021. In Norwegen streiten Staat und die norwegischen Fluggesellschaft Norwegian Air Shuttle AS seit der vergangenen Woche über die Rechtmäßigkeit und die öffentliche Wirkung von Bonuszahlungen, die sich der Vorstand von Norwegian in Millionenhöhe genehmigt hat. Wie norwegische Medien berichten, habe sich der Vorstand die Boni im vergangenen Herbst zugesprochen, als die Airline quasi bankrott war. Mit staatlicher Unterstützung im Rahmen des Hilfsprogramms für Fluggesellschaft während der Corona-Pandemie, Kapitalbeschaffung durch externe Investoren und Umstrukturierungen wurde eine Insolvenz abgewendet. Jetzt steht die Frage, ob die staatliche Unterstützung für die Zahlungen an die Vorstandsmitglieder verwendet wurden. Darüber hinaus macht sich Empörung breit, dass Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder entlassen wurden, während sich leitende Angestellte, unter ihnen der zurückgetretenen CEO Jacob Schramm und der neue CEO Geir Karlsen, Millionen an Bonuszahlungen genehmigten. 

Im Frühjahr 2020 hatte Norwegian über eine staatliche Bürgschaft Zugang zu drei Milliarden NOK erhalten. Im November desselben Jahres forderte das Unternehmen zusätzliche Milliarden. Hier lehnte die Regierung zuerst ab, steuerte dann aber 1,5 Milliarden NOK Hybridkapital zu, nachdem Norwegian Insolvenzschutz beantragt hatte und auf dem Weg aus dem Restrukturierungsprozess war. Die Summe all dessen habe zum Überleben Norwegens als Unternehmen beigetragen, sagt Norwegens Handels- und Industrieministerin Iselin Nybø.

In einer Stellungnahme an die Regierung erklärte Norwegian, dass die Vereinbarung zur Bonuszahlung im Vorstand zu einem Zeitpunkt getroffen wurde, da die Airline quasi bankrott war. Damals sei wichtig gewesen, die führenden Akteure an Bord zu behalten, um den Kampf um das Überleben der Fluggesellschaft weiterführen zu können. Das Bonusprogramm verletzte nicht die gesetzlichen Verpflichtungen, die Norwegian mit einem Darlehensvertrag im Mai 2020 eingegangen ist. 

Norwegens Handels- und Industrieministerin Iselin Nybø äußerte sich jetzt zu dem Fall, nachdem die Airline auf Fragen des Ministeriums geantwortet hat.

“Norwegisch besteht darauf, dass sie sich an die gesetzlichen Verpflichtungen in der Vereinbarung mit dem Staat gehalten haben und die staatliche Unterstützung nicht für die Prämien verwendet wurde”, sagt Nybø. Es sei jedoch sehr enttäuschend, dass sie große Boni gewähren, da das Unternehmen aus den Forderungen des Garantiesystems für die norwegische Luftfahrt raus ist. Es sei unsolidarisch gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Aktionären und Gläubigern, die sich für Norwegian eingesetzt haben. Es zeige ein schlechtes Urteilsvermögen. Vorstand und CEO Geir Karlsen hätten eine große Aufgabe vor sich, dies zu erklären und den Ruf von Norwegian wieder aufzubauen.

Finden Sie hier die Fragen der Regierung an Norwegian Air Shuttle AS bezüglich der Vergabe von Boni an den Vorstand.

Finden Sie hier die Stellungnahme der Norwegian Air Shuttle AS an die Regierung.

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