Norwegen will bei grünem Wasserstoff vorangehen

Oslo, 28. Mai 2021. Das Rennen um den grünen Wasserstoff hat begonnen. Wasserstoff aus nachhaltigen Energiequellen gilt für die Reduzierung von CO2-Emissionen in energieintensiven Industriesparten als unerlässlich. Nur wenige Länder haben hierbei einen größeren Vorsprung als Norwegen, das auch bei anderen erneuerbaren Energien führend ist.

Trotz beeindruckender Fortschritte in der Batterietechnik und bei erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenenergie können diese Entwicklungen allein die CO2-Emissionen energieintensiver Industrie- und Transportsektoren nicht reduzieren. In manchen Sparten wie der Zementindustrie ist eine vollständige Emissionsreduktion noch dazu technisch unmöglich.

Als die praktikabelste, wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Lösung wird weithin grüner Wasserstoff angesehen, der aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Dieser kann die Emissionen derjenigen Sektoren auf Netto-Null senken, deren Emissionen schwer zu reduzieren sind. Aktuell wetteifern viele Länder und Unternehmen um die Spitzenposition im grünen Wasserstoff-Rennen.

Saubere Energie ist entscheidend, um das Potenzial von grünem Wasserstoff zu nutzen

Da sich der Wasserstoffmarkt noch in der Entwicklung befindet, geht man davon aus, dass diejenigen als Gewinner daraus hervorgehen werden, die über einen bestehenden Wettbewerbsvorteil und die Fähigkeit zur Erzeugung von grünem Wasserstoff verfügen.

„Elektrischer Strom ist der wichtigste Kostenfaktor bei der Produktion von erneuerbarem Wasserstoff“, erklärt Ingebjørg Telnes Wilhelmsen, Generalsekretärin des Norwegian Hydrogen Forum. Wilhelmsen geht davon aus, dass eine entstehende Wasserstoffindustrie schnell auf Norwegens stärkstem Kapital aufbauen kann: der vorhandenen Kapazität an erneuerbarer Energie.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann Norwegen, seine Wasserkraftindustrie aufzubauen, die Generationen von Norwegerinnen und Norwegern mit mehr sauberer Energie versorgen sollte, als sie selbst verbrauchen konnten. So viel, dass Norwegen seit langem zu den 20 größten Stromexporteuren der Welt gehört und jährlich durchschnittlich zwischen zehn und 15 TWh in die europäischen Märkte exportiert. Norwegen ist bereits eine europäische Energiesupermacht mit reichlich sauberem Strom.

„Der norwegische Strom wird mit Wasserkraft erzeugt. Das bedeutet, dass der grüne Wasserstoff zu einer erheblichen Reduzierung der CO2-Emissionen in den verschiedenen Sektoren beitragen wird, die Wasserstoff verwenden”, so Wilhelmsen. „Da norwegischer Strom mit sauberer Wasserkraft erzeugt wird, trägt sein grüner Wasserstoff zu einer erheblichen Reduzierung der CO2-Emissionen in denjenigen Sektoren bei, die den Wasserstoff verwenden.“

Innovative Wasserstoffunternehmen und Zuliefer-Ökosysteme

Diverse internationale norwegische Unternehmen nutzen diesen Vorteil bereits, um führend auf diesem Gebiet zu werden. Nel zum Beispiel ist der weltweit größte Hersteller von Elektrolyseuren. Hexagon Purus and Umoe Advanced Composites sind führende Anbieter von Verbundtanks, Speicherbehältern und Transportlösungen für Wasserstoff. Auch Statkraft, Europas größter Produzent von erneuerbarer Energie, investiert stark in Wasserstoff.

Glasfaserdruckbehälter für den Transport von Wasserstoff der Firma Umoe Advanced Composites AS (UAC)©UAC

Hinter Norwegens Energieunternehmen steht eine starke Zulieferindustrie, die ein breites Spektrum an Technologien und Dienstleistungen für den Weltmarkt produziert. Und natürlich ist Norwegens Position als Energievorreiter auch auf den norwegischen Öl- und Gassektor zurückzuführen. Doch Ingebjørg Telnes Wilhelmsen glaubt, dass dies der Energiewende nicht im Wege steht.

„Ein Großteil unserer Energie-Expertise ist auch das Ergebnis der langjährigen Arbeit in der Öl- und Gasförderung“, räumt Wilhelmsen ein. „Ich verstehe vollkommen, dass manche nur an einen Dinosaurier mit fossilen Brennstoffen denken, wenn sie Norwegen hören. Aber waren wir das nicht alle? Und jetzt drängen wir, genau wie viele andere Länder, auf eine Veränderung.“

Die Expertise in Sachen Energiesysteme und zugehöriger Infrastruktur, die Norwegen durch die Öl- und Gasförderung erlangt hat, sieht Wilhelmsen als großen Vorteil für das Land an, das jetzt den Übergang zu emissionsfreien Energielösungen vollzieht.

Wasserstoff braucht effektive, nachhaltige Politik und Early Adopters

Zu den Wasserstoff-Optimisten gehört auch Knut Linnerud, Clustermanager des Arena H2 Clusters. Linnerud ist sich der großen Herausforderung bewusst, verweist jedoch auf frühere Wandlungen des norwegischen Energiesektors als Grund für seine Zuversicht: „Die aktuelle Wandlung wird für die Energienation Norwegen wahrscheinlich genauso anspruchsvoll sein wie damals, als das Land vor über einhundert Jahren seine Wasserkraftindustrie und vor fünfzig Jahren seine Erdölindustrie entwickelte.“

Sowohl Wilhelmsen als auch Linnerud betonen, dass es eine konsequente Politik braucht, um das Ziel einer emissionsfreien Energieversorgung Norwegens und die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Doch auch hier geht Norwegen voran. So rangiert das Land derzeit auf Platz 1 des Human Development Index und auf Platz 9 des Environmental Performance Index (Großbritannien Platz 4, Frankreich Platz 5, Deutschland Platz 10). Um auf solche Positionen zu gelangen, braucht es eine effektive Regierungsführung, die die erforderlichen Schritte durchsetzen kann.

Während der Eröffnung einer Wasserstofftankstelle am Flughafen Gardermoen betankt die norwegische Premierministerin Erna Solberg ein Wasserstofffahrzeug.©Oslo Lufthavn AS

Die norwegische Regierung verfügt heute über ein breites Mandat von Opposition und Regierungsparteien, um die grünen Wende voranzutreiben. Dies hat Norwegen bereits an die Spitze einer weiteren Liste gebracht, die die meisten Länder gerade erst zu erklimmen beginnen. Als Ergebnis politischer Anreize lag der Marktanteil von Elektroautos und Plug-In-Hybridfahrzeugen am gesamten Neuwagenverkauf in Norwegen im April 2021 bei 79,4 Prozent – und ist damit fast doppelt so hoch wie beim Zweitplatzierten Island.

Norwegens Wasserstoffstrategie nimmt es mit großen CO2-Emittenten auf

Ermutigt durch den Erfolg bei der Umstellung eines großen Anteils der Fahrzeuge, Busse und Züge auf E-Mobilität, stellte die norwegische Regierung im Juli 2020 eine Wasserstoffstrategie vor, die es auf diejenigen Sektoren abgesehen hat, deren Emissionen schwer zu senken sind.

„Norwegen ist ein langgestrecktes Land, und vor allem Schwerlasttransporte und Seeschiffe benötigen eine große Reichweite, kurze Tankzeiten und einen großen Laderaum“, erläutert Ingebjørg Telnes Wilhelmsen. „Indem wir einen heimischen Markt für die Entwicklung und Lieferung von Wasserstofftechnologie und -dienstleistungen schaffen, ebnen wir den Weg für den Export. Bereits jetzt haben wir hier Unternehmen, die auf diesem Gebiet weltweit führend sind.“

Wasserstoff-LKW in Trondheim©ASKO

Norwegens größter Lebensmittelgroßhändler Asko beispielsweise brachte 2020 seine erste Flotte von Wasserstoff-Lkw auf die Straße. Und 2021 wird Norled in der südnorwegischen Region Rogaland die weltweit erste Autofähre mit Flüssigwasserstoffantrieb in Betrieb nehmen, weitere Routen sind in Planung.

„Die Elektroautos haben gezeigt, dass Norwegen neue, emissionsfreie und -arme Technologien frühzeitig einsetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das auch bei Wasserstoff erleben werden“, so Wilhelmsen.

Anreize für den Ausbau von grünem Wasserstoff mit Zuckerbrot und Peitsche

Derzeit macht Wasserstoff weniger als zwei Prozent des europäischen Energieverbrauchs aus, doch Prognosen zufolge wird er bald eine sehr viel wichtigere Rolle spielen. So setzt sich die EU-Wasserstoffstrategie zum Ziel, dass Wasserstoff bis 2050 einen Anteil von 13 bis 14 Prozent am europäischen Energiemix erlangen soll. Das europäische Wasserstoff-Bündnis European Clean Hydrogen Alliance strebt einen ehrgeizigen Einsatz von Wasserstofftechnologien bis 2030 an, ein Branchenplan sieht Investitionen von 430 Milliarden Euro vor.

Solche Anreize sind wichtig, um eine Nachfrage zu schaffen, die wiederum mehr Innovationen anregt, was wiederum die Kosten senkt. Solange aber fossile Brennstoffe die billigere Option sind, wird grüner Wasserstoff einen schweren Stand haben.

„Die Entscheidung für Null-Emissionen muss sich auszahlen“, betont Ingebjørg Telnes Wilhelmsen, die davon ausgeht, dass die Pläne der EU und Norwegens, den CO2-Preis schrittweise zu erhöhen, letztendlich genau diesen Effekt haben werden.

Das Zusammentreffen dieser drei Trends – Finanzierungsmittel in noch nie dagewesener Höhe, kostengünstigere Innovationen und ein höherer CO2-Preis – bedeutet für viele, dass die Zeit des Wasserstoffs gekommen ist.

„Kurzfristig sehen viele es als finanziell vernünftig an, an Gewohntem festzuhalten. Doch gerade jetzt befindet sich die Welt in einem dramatischen Wandel, und diejenigen Nationen und Unternehmen, die sich am besten anpassen können, werden langfristig das geringste Risiko eingehen. Mit anderen Worten: bei der Energiewende keine offensive Position einzunehmen, ist gleichbedeutend mit einem höheren Risiko“, meint Knut Linnerud, der zuversichtlich ist, dass Norwegen bereits gut positioniert ist, genau diese Entwicklung anzuführen. Norwegen habe einzigartige Vorteile in Bezug auf seine Ressourcen, in Bezug auf Energie, Kapital und Know-how. All das habe es dem Land ermöglicht, eine weltweit führende Rolle bei der Energieentwicklung von morgen einzunehmen.

Wenn Sie mehr über die Geschäftsmöglichkeiten im Bereich Wasserstoff in Norwegen erfahren wollen, wenden Sie sich an Innovation Norwegen.

Kontakt:
Gerda Geyer Senior Advisor, Innovation Norway
Gerda.Geyer@innovationnorway.no

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