Norwegische Billigfluglinie Norwegian Air beendet Insolvenzverfahren

Norwegens beliebte Fluglinie Norwegian kann nach Monaten des Gläubigerschutzes durchstarten. Große Expansionspläne und die Corona-Pandemie hatten das Unternehmen in eine schwere Finanzkrise getrieben.©Norwegian

Oslo, 26. Mai 2021. Die norwegische Billigfluglinie Norwegian Air Shuttle ASA, die in der Vergangenheit einen Großteil des Streckennetzes zwischen Deutschland und Norwegen bediente, hat nach einer erfolgreichen Kapitalbeschaffung und einer Umstrukturierung den Gläubigerschutz in Irland und Norwegen verlassen können. Die Flotte der Fluggesellschaft wurde in den vergangenen Monaten auf ein Drittel verkleinert. An der Börse in Oslo erlebt das Unternehmen eine Berg-und Talfahrt.

“Wir haben eine Fluggesellschaft gerettet, die einen enormen Wert für Norwegen hat“, sagte Norwegian-Chef Jacob Schram auf einer Pressekonferenz. Der umfassende Wiederaufbau der Fluglinie sei mit den Beiträgen des Staates gelungen, teilte die norwegische Regierung mit. “Für Norwegian war dies eine anspruchsvolle Reise, und ich bin froh, dass die Insolvenz des Unternehmens nicht mehr droht. Obwohl es immer noch ein anspruchsvoller Markt ist, ist es ein völlig anderes Unternehmen als zuvor”, sagt Handels- und Industrieminister Iselin Nybø.

Im Frühjahr 2020 hatte die Regierung eine staatliche Kreditbürgschaft von bis zu sechs Milliarden NOK für Fluggesellschaften mit norwegischer Betriebserlaubnis übernommen, davon erhielt Norwegian drei Milliarden NOK. Ziel war es, den Unternehmen den Zugang zu Finanzierungen auf dem Markt zu erleichtern. Mit dem Bürgschaftssystem kam eine Verpflichtung, dass sowohl Eigentümer als auch Kreditgeber einen Beitrag leisten mussten. Im Herbst 2020 lehnte die Regierung eine Anfrage von Norwegian zu zusätzlichen Kapitaleinlagen auf Grundlage der Kapitalstruktur und des Risikoprofils des Unternehmens ab. Das Unternehmen legte daraufhin einen überarbeiteten Geschäftsplanvor, der als Grundlage für den anschließenden Wiederaufbauprozess diente. 

Im Zusammenhang mit der Kapitalbeschaffung des Unternehmens hat die Regierung dann ein wandelbares unbefristetes Anleihedarlehen, das sogenannte Hybriddarlehen, gezeichnet. Der Staat hatte gemäß der Entscheidung des Parlaments einen Anteil von bis zu 1,5 Milliarden NOK übernommen und erhielt 1,2 Milliarden NOK durch ein Zuteilungsverfahren, an dem der Staat im Einklang mit anderen Gläubigern teilnahm.

Wie die Regierung mitteilt, sei der Staat aber kein langfristiger strategischer Investor von Norwegian. Jegliche Veräußerung der staatlichen Beteiligung werde anhand der Entwicklung des Unternehmens und des Marktes für diese Kreditart beurteilt.

Während des gesamten Prüfungs- und Wiederaufbauprozesses hat das Unternehmen seine Gesamtverschuldung seit Ende 2019 um ca. 63 bis 65 Milliarden NOK reduziert. Darüber hinaus hat Norwegian seinen Langstreckenbetrieb eingestellt, seine Flotte von 156 auf 51 Flugzeuge reduziert und Flugzeugbestellungen bei Boeing und Airbus storniert.

Künftig will die Fluggesellschaft vor allem ein Kurzstreckennetz hauptsächlich in Norwegen und den nordischen Ländern oder von Norwegen / den nordischen Ländern nach Kontinentaleuropa betreiben.

Die Gesamtverbindlichkeiten von Norwegian belaufen sich nach Angaben des Unternehmens nach Abschluss des Umstrukturierungsvorschlags sich auf ca. 16 bis 18 Milliarden NOK, wovon 5,8 bis 6,3 Mrd. NOK auf flugzeugbezogene Schulden entfallen.

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