Temperaturanstieg in der Arktis dreimal höher als im globalen Durchschnitt

Mit dem Rückgang des Eises in der Arktis werden verschiedene Schadstoffe wieder freigesetzt, so eine Studie des Arctic Monitoring and Assessment Programs©Christine F. Solbakken, NILU

Oslo, 20. Mai 2021. Der Anstieg der durchschnittlichen Oberflächentemperatur in der Arktis war zwischen 1971 und 2019 dreimal höher als der globale Durchschnitt im gleichen Zeitraum. Zu diesem Ergebnis kommen die Forscher des Arctic Monitoring and Assessment Programs (AMAP) in ihrer aktuellen Studie zu den Klimaveränderungen. AMAP stellt fest, dass sich die Klimaauswirkungen auf arktische Gemeinschaften, Ökosysteme und Arten, insbesondere solche, die mit extremen Ereignissen verbunden sind, beschleunigen. Die Tatsache, dass Meereis verloren geht, sich die Gletscher zurückziehen und die Schneedecke verringert wird, mache zuvor abgelagerte Schadstoffe wieder mobil, teilten die Forscher mit.

Der Klimawandel insgesamt werde hauptsächlich durch Kohlendioxidemissionen verursacht. Gleichzeitig wirkten sich veränderte Emissionen von Luftschadstoffen in Form kurzlebiger Klimatreiber sowohl auf das Klima als auch auf die menschliche Gesundheit aus. Weltweit seien kurzlebige Klimatreiber, einschließlich Feinstaub und bodennahes Ozon, eine Hauptursache für vorzeitigen Tod. Die Reduzierung dieser Verschmutzung könnten Hunderttausende vorzeitiger Todesfälle in Mitgliedsländern und Beobachterländern des Arktischen Rates verhindern.

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“Mit einer wärmeren Arktis besteht auch die Gefahr größerer und häufigerer Waldbrände”, sagt die NILU-Forscherin Sabine Eckhardt, gemeinsam mit ihrem Kollegen Nikolaos Evangeliou Autorin des Berichtes “AMAP Assessment 2021: Auswirkungen kurzlebiger Klimakräfte auf das arktische Klima, die Luftqualität und die menschliche Gesundheit”.

Obwohl der Gehalt vieler Schadstoffe in der Arktis abnimmt, stellen Quecksilber und persistente organische Schadstoffe (POP) weiterhin eine Bedrohung für Wildtiere und Menschen dar. Dies gelte insbesondere für indigene Völker in arktischen Gebieten, die diese Umweltgifte über die Nahrung aufnehmen. Gleichzeitig finde in arktischen Gemeinden ein Übergang zu einer westlicheren Ernährung statt. Dies könne zwar die Menge der von Menschen aufgenommenen Umweltgifte verringern, aber auch andere negative Auswirkungen haben, wie z. B. erhöhte Fettleibigkeit und ein Mangel an einigen wichtigen Nährstoffen.

Neue Formen der Verschmutzung hätten ebenfalls die Bühne betreten. Mikroplastik, das in Schnee, Meereis, Meerwasser, auf dem Meeresboden und an Stränden in der Arktis zu finden ist, sei ein wachsendes Problem. AMAP hat Richtlinien und einen Plan zur Überwachung von Mikroplastik und Abfall in der Arktis entwickelt, um den regionalen Aktionsplan für Meeresmüll des Arktischen Rates zu unterstützen.

Das norwegische Institut zur Luftreinhaltung NILU hat den Anteil von Mikroplastik in der Luft untersucht. “Der atmosphärische Transport von Mikroplastik kann ein wichtiger Transportweg in die Arktis sein”, sagt die leitende Forscherin Dorte Herzke. “Ein solcher Luftverkehr hat das Potenzial, Mikroplastik sehr schnell über große Entfernungen zu transportieren, ist jedoch derzeit wenig erforscht. Gleichzeitig sehen wir, dass es wichtig ist, das Ausmaß zu verstehen, um Mikroplastikquellen identifizieren und zur Emissionsreduzierung beitragen zu können.”

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