Norwegisches Institut SINTEF baut neues Labor zur Batterieforschung in Trondheim

Mit einem neuen Labor will das norwegische Forschungsinstitut SINTEF Norwegens Position im internationalen Wettbewerb im Bereich Batterieproduktion stärken. Im Bild: SINTEF-Forscher Kaushik Jayasayee in einem der SINTEF-Labors in Gløshaugen, Trondheim. 
©Edvin Wiggen Dahl

Trondheim, 7. März 2021. Das norwegische Forschungsinstitut SINTEF baut in Trondheim ein Labor zur Herstellung und Prüfung von Batteriezellen. Mit dieser Investition in Höhe von 45 Millionen NOK will das Institut norwegische Unternehmen in der Batterieindustrie unterstützen, sich auf internationaler Ebene zu behaupten. Es soll noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen.

“Norwegen und SINTEF verfügen über hervorragende Forschungsumgebungen in der elektrochemischen Forschung. Mit Batterien als Forschungs- und Innovationsthema sind bereits 150 Forscher bei SINTEF beschäftigt. Wir richten unser Wissen jetzt an mehreren unserer Standorte auf ein neues, großes SINTEF-Labor, um die hohen Ambitionen zu unterstützen, eine Industrie im Zusammenhang mit der Batterieproduktion in Norwegen aufzubauen. Um mit einem solchen industriellen Ehrgeiz erfolgreich zu sein, ist eine erstklassige Forschungsinfrastruktur erforderlich, die zur Entwicklung und Verifizierung der Technologie in Produktionslinien beitragen kann, bevor sie auf Fabrikebene hochskaliert wird”, sagt Alexandra Bech Gjørv, CEO von SINTEF.

Das Labor wird für die Herstellung von Batteriezellen bis zu einer industriell relevanten Größe eingerichtet. Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Materialentwicklung und -charakterisierung, der Herstellung kleiner Zellen und den damit verbundenen elektrochemischen Tests, mit Systemtests, den Einrichtungen für Elektrolyse und Hydrometallurgie, die für das Recycling relevant sind, sowie mit der Modellierung und Simulation in mehreren Maßstäben entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Batterien.

Ein erheblicher Teil der Investition soll durch das Infrastrukturprogramm des Forschungsrats finanziert werden. SINTEF hat als Teil einer größeren angewandten nationalen Forschungsinfrastruktur für Batterien in Norwegen, zu der die Technische Universität Trondheim NTNU, die Universitäten von Oslo und Agder und das Forschungsinstitut der Streitkräfte gehören, eine Förderung beantragt. “Durch die Investitionsentscheidung kann SINTEF seine Position als führender Akteur in der europäischen Batterieforschung behaupten. Die Batterieindustrie ist hier und jetzt etabliert, und Norwegen muss das Zeitfenster nutzen, um sich jetzt an der Entwicklung zu beteiligen. Ohne Forschungsinfrastruktur bleiben wir in der Startgrube”, so Gjørv.

SINTEF ist ein wichtiger Akteur im Forschungsumfeld rund um Batterien in Norwegen und Europa und verfügt nun über fünf aktive und vier abgeschlossene Projekte in der Batterieforschung, die vom Europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation finanziert werden. Darüber hinaus hat SINTEF die strategische Forschungsagenda für die Batterieerstellung in Europa mitverfasst und nimmt eine wichtige Position in den Allianzen Batteries Europe ETIP (Europäische Technologie- und Innovationsplattformen), Batteries European Partnership Association, Battery2030 + und die European Battery Alliance ein.

Die Batterieproduktion soll sich in Norwegen zu einem wichtigen Industriezweig entwickeln. Der Unternehmerverband NHO schätzt das Umsatzpotenzial bis 2030 auf 90 Milliarden NOK. Insbesondere die Tatsache, dass Norwegen über entsprechende Kompetenz der Batterieentwicklung verfügt und billige und erneuerbare Energie zur Verfügung steht, werde Norwegen in die Lage versetzen, die wettbewerbsfähigsten Batterien der Welt zu liefern, sowohl in Bezug auf den Klimafußabdruck als auch auf die Kosten, teilt SINTEF mit.

Allerdings könnten Zollschranken bei Lieferungen in die EU und nach Großbritannien Norwegens Ambitionen bezüglich der Batterieproduktion bremsen. Im Brexit-Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist festgelegt, dass die Batterie eines Elektroautos in der EU oder im Vereinigten Königreich hergestellt werden muss, damit das Auto zollfrei verkauft werden. Norwegen wurde bisher als sogenanntes Drittland definiert, was bedeutet, dass in Norwegen hergestellte Batterien für Elektroautos von der EU nach Großbritannien einem Zoll von zehn Prozent unterliegen.

“In der Handelspolitik wird intensiv an mehreren guten Lösungswegen dafür gearbeitet. Gleichzeitig müssen wir erkennen, dass die norwegische Wirtschaft und Industrie einem harten internationalen Wettbewerb ausgesetzt ist, und als kleines Land müssen wir an der Spitze des Wissens stehen, wenn wir als Exportnation erfolgreich sein wollen. Wir setzen daher die Arbeit auf Hochtouren fort, um das Labor so schnell wie möglich zur Unterstützung unserer Kunden in Betrieb zu nehmen”, erklärt CEO Bech Gjørv.

Strategische Partner von SINTEF im Bereich der Batterieentwicklung sind die Unternehmen FREYR, Elkem und Siemens Energy. FREYR will ab 2022 in Mo i Rana Batteriezellen für die stationäre Lagerung und für den Schiffsmarkt produzieren. Elkem wird zu einem wichtigen Lieferanten für die Batterieindustrie. Das Unternehmen hat kürzlich seinen Industriepiloten in Kristiansand eröffnet, ein wichtiger Schritt in Richtung einer großtechnischen Produktion besserer und umweltfreundlicherer Batteriematerialien. Siemens Energy hat im Januar 2019 seine Batteriefabrik in Trondheim eröffnet. Die Fabrik ist auf Batteriesystem für Schiffe und Offshore-Anlagen ausgerichtet. Das neue Batterielabor von SINTEF befindet sich in unmittelbarer Nähe der Batteriefabrik und der Forschungsgemeinschaften in Gløshaugen.

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