Durchbruch im neuen Skavberg-Tunnel auf dem Weg zum Nordkap

Jubel über den Durchbruch bei allen, die am Bau des neuen Skarvberg-Tunnels auf der E69 nach Honningsvåg und zum Nordkap beteiligt sind.©Statens vegvesen

Oslo, 4. Mai 2021. Der Weg zum Nordkap wird kürzer und sicherer. Am 4. Mai hat das Bauunternehmen Skanska Norge AS den Durchbruch im neuen Skarvberg-Tunnel auf der E69 in der Finnmark geschafft. Der Tunnel wird den Verkehr an einem sehr erdrutschgefährdeten Gebiet vorbeiführen und das ganze Jahr über eine stabile Straßenverbindung nach Honningsvåg und zum Touristenmagneten Nordkap gewährleisten. Unfälle und Probleme mit dem “samischen Stein” haben das Projekt verzögert. Ursprünglich war geplant, die Anlage in diesem Sommer zu eröffnen. Nun sollen die Autos ab der zweiten Jahreshälfte 2022 durch den neuen Tunnel rollen.

“Es ist immer ein großes Ereignis, wenn die letzte Sprengung bevorsteht und es möglich wird, durch den Berg zu laufen oder zu fahren. An diesen Durchbruch werde ich mich noch lange erinnern. Es war ein schwieriges Projekt, aber wir haben es geschafft und ich bin unglaublich stolz auf die Arbeit, die unsere qualifizierten Tunnelarbeiter geleistet haben”, sagt Tor Gildestad, Projektmanager bei Skanska.

Der gegenwärtig genutzte Skavberg-Tunnel zwischen Olderfjord und Honningsvåg entspricht nicht den behördlichen Anforderungen. Darüber hinaus sind Teile der Straße vor und nach dem Tunnel wegen Erdrutschen gefährdet. Daher wird ein Abschnitt von 6,8 Kilometern inklusive des 3,5 Kilometer-langen-Tunnels der E69 neu gebaut. 

Der neue Tunnel wird durch den Skarvberget gebaut, die E69 verlegt©Visuelle Kommunikation/Statens vegvesen

Um das Projekt ranken sich zahlreiche Geschichten und Gerüchte: Der Bau des Straßenabschnittes startete 2019. Zuerst musste ein riesiger Stein in Skavbergvika auf dem Weg zur neuen Straße zerkleinert und entfernt werden. Dabei handelte es sich um einen von drei samischen Opfersteinen in der Gegend, der auch als “Vater” bezeichnet wird. Seit Jahrtausenden steht der “Vater” da und schaut verliebt zu “ho mor”, einem Opferstein auf der anderen Seite der Bucht. Einem Sieidi (heiligem Stein) zu bewegen, kann schlimme Folgen haben, ihn zu zerstören zieht eine Bestrafung nach sich, heißt es in der samischen Mythologie

“Ich habe sie davor gewarnt”, erklärt Mikkel Sara, Vorsitzender des Rentierweidebezirks in der Region. Seine Familie hütet seit Generationen Rentiere am Rande des heiligen Berges. “Wenn du einen Sieidi verletzt, können die Götter oder andere Wesen mit magischen Kräften wütend werden und einen bösen Stallo (einen Troll in der samischen Mythologie) schicken. Er macht das Leben für diejenigen, die das Heiligtum verletzt haben, miserabel. Das könnte im Falle des Bauprojektes durchaus passiert sein.”

Im April 2020 ging ein Werkstattzelt und eine Bohranlage am Skarvberget in Flammen auf.©Skanska

Tatsächlich gab es beim Bau des Tunnels und der neuen Straße zahlreiche Unfälle und viele Probleme. Im März 2020 brach im Werkstattzelt ein Feuer aus. Große Werte gingen verloren. Weder die Polizei noch die Ermittler der Versicherungsgesellschaft fanden die Ursache des Feuers. Einige Wochen später kam an der Tunnelöffnung in Skarvbergvika eine Lawine herunter, die Teile der Bauausrüstung zerstörte. Zum Glück wurde niemand verletzt. Es kursierten Gerüchte, dass ein samischer Fluch auf dem Projekt liege, womit all die Geschehnisse auch ins Lächerliche gezogen wurden. Tatsächlich setzten sich Pleiten, Pech und Pannen fort. So mussten die Mitarbeiter wegen des Verdacht einer Covid-19-Infektion zweimal über mehrere Wochen lang in Quarantäne. Und bis heute haben die Bauarbeiter mit einer langen Liste von Herausforderungen in den hartnäckigen Bergen zu kämpfen. “Wir brechen die Liebe zwischen zwei samischen Schreinen, um das ganze Jahr über eine sichere Straße zum weltberühmten Plateau zu bauen. Seitdem werden wir von Unfällen verfolgt”, sagt Projektmanager Gildestad und lächelt.

Skanska-Projektmanager Tor Gildestad will den Skarvbergneset, die Mutter, mit Blumen besänftigen. Den Ratschlag und den Strauß bekam er von einer einheimischen Frau.©Skanska.

Sowohl der Kunde, die norwegische öffentliche Straßenverwaltung Statens vegvesen, als auch Skanska waren sich bewusst, dass der Berg schwierig war. Ursprünglich wurde geschätzt, dass mindestens 60 Betonbögen gebaut werden müssten, um loses Gestein im Tunnelbogen zu sichern. Jetzt, ein Jahr nach Plan, haben die 95 Tunnelarbeiter von Skanska 790 Sicherheitsbögen aus Beton verstärkt, schaliert und gegossen.

Umfangreiche Sicherheitsarbeiten nehmen nicht nur viel Zeit in Anspruch, sondern kosten auch viel Geld. Um Platz für die konkreten Sicherheitsbögen zu schaffen, muss das Profil des Tunnels um etwa 50 Zentimeter erweitert werden. Damit entstehen auch große Mengen an zusätzlichem Gestein, das abtransportiert werden muss. Die endgültigen Kosten für das Projekt werde sich auf rund 1.420 Millionen NOK belaufen, etwas 500 Millionen NOK mehr als ursprünglich geplant. 

“Es ist auch für erfahrene Tunnelbauer anspruchsvoll, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Skanska und ihre Mitarbeiter sollten für ihre HSE-Arbeit gelobt werden. Bisher haben wir keine ernsthaften Schäden an der Anlage”, sagt der Projektmanager der norwegischen öffentlichen Straßenverwaltung, Edgar Olsen. Die Herausforderungen seien aber größer geworden als ursprünglich erwartet.

Quelle: Statens vegvesen
Finden Sie hier weitere Informationen zum Bauprojekt.
Sehen Sie hier einen Erdrutsch am Berg.

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