IWF: Norwegen steuert 2021 auf starke wirtschaftliche Erholung zu

Peter Dohlman, Leiter der IWF-Delegation, stellte den Bericht zu Norwegen online vor.©Screenshot/Regjeringen.no

Oslo, 26. August 2021. Der Internationale Währungsfonds IWF erwartet einen soliden Aufschwung der norwegischen Wirtschaft, wenn die Maßnahmen zur Infektionskontrolle gelockert werden. Für das Jahr 2021 wird das Wachstum des BIP auf dem Festland auf 3,2 Prozent geschätzt. Das Niveau vor der Krise werde sich somit gegen Ende des Jahres erholen, vorausgesetzt, die Impfungen erfolgen in dem Tempo wie geplant, teilt die Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) in ihre Einschätzung der norwegischen Wirtschaft und der norwegischen Wirtschaftspolitik mit, die am 26. April in Oslo vorgestellt wurde. 

Die Pandemie habe große gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen in Norwegen gehabt, aber die starke politische Reaktion habe dem Land geholfen, eine der niedrigsten Infektionsraten in Europa zu erleben und die wirtschaftlichen Auswirkungen gering zu halten. Das positive Ergebnis spiegele eine beispiellose Politik des Fiskal-, Währungs- und Finanzsektors und ein starkes soziales Sicherheitsnetz sowie strukturelle Merkmale der Wirtschaft wider. Norwegen scheine in diesem Jahr auf eine starke wirtschaftliche Erholung zu zusteuern, obwohl nach wie vor erhebliche Risiken und Unsicherheiten bestünden, darunter einige im Zusammenhang mit dem Tempo der Impfungen und den Infektionsraten.

Die Finanzpolitik sollte sich darauf konzentrieren, die wirtschaftliche Erholung zu erleichtern, Haushalte und (lebensfähigen) Unternehmen zu unterstützen, die am stärksten von der Krise betroffen sind.
Die Politik müsse das richtige Gleichgewicht zwischen der Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung und der Bewältigung von Risiken für die Finanzstabilität (insbesondere durch steigende Immobilienpreise) finden und gleichzeitig auf potenzielle Inflationsrisiken achten. Strukturreformen seien nach wie vor entscheidend, um ein grünes und integratives Wachstum zu ermöglichen, indem die Arbeitsproduktivität und -beteiligung, auch unter schutzbedürftigen Gruppen, gestärkt und eine effizientere Ressourcenallokation ermöglicht werde. Die Behörden sollten weiterhin Maßnahmen ergreifen, um eine langfristige Haushaltsgerechtigkeit zwischen den Generationen sicherzustellen.

Die Delegation ist allerdings auch der Ansicht, dass die öffentlichen Ausgaben sinken müssen, wenn die Gesellschaft wiedereröffnet wird. Während sich die Wirtschaft erhole, müssten die fiskalpolitischen Maßnahmen schrittweise reduziert werden. Die Behörden müssten bereit sein, neue Krisenmaßnahmen umzusetzen, wenn sich die Pandemie verschlimmert, heißt es in der Empfehlung.

Die IWF-Delegation schätzt ein, dass der Bankensektor die Pandemie gut gemeistert hat, und unterstützt die Anpassungen der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Es wird darauf hingewiesen, dass die Höhe der Verschuldung der privaten Haushalte, die Kreditvergabe der Banken an gewerbliche Immobilien und die Tatsache, dass Norwegen die vollständigen Folgen der Pandemie noch nicht übersehen kann, Unsicherheit für den Bankensektor und für die Finanzstabilität bedeuten könnten.

Den norwegischen Zielen und dem Einsatz von Instrumenten in der Klimapolitik stehe die IWF positiv gegenüber.

“Ich freue mich, dass der IWF die Betonung der Regierung auf die Aufnahme schutzbedürftiger Gruppen in das Arbeitsleben und die Bedeutung von Programmen zur Verbesserung von Bildung und Fähigkeiten unterstützt. Ich stimme auch zu, dass wir die langfristigen strukturellen Herausforderungen nicht aus den Augen verlieren dürfen. Die Herausforderungen, denen wir uns vor der Pandemie gegenübersahen – Klima, Alterung und Inklusion – haben sich nicht verringert”, sagt Norwegens Finanzminister Sanner.

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